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Ergebnisdarstellung

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Part of the BestMasters book series (BEST)

Zusammenfassung

Im Rahmen des folgenden Kapitels werden die zentralen Ergebnisse der Untersuchung dargestellt. Durch eine sukzessive Steigerung des Abstraktionsniveaus innerhalb der im vorherigen Kapitel erläuterten Analyseschritte erfolgt eine prozessuale Fokussierung auf dichte Stellen und wiederholte Schwerpunktsetzungen der Befragten dreier begründet ausgewählter Interviews.

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Notes

  1. 1.

    In der einschlägigen Literatur werden zwar Verbindungslinien zwischen Suizidalität und Depression aufgeführt, allerdings wird dezidiert darauf verwiesen, dass Suiziden nicht per se eine Depression vorangeht und zahlreiche Faktoren suizidale Handlungen beeinflussen. Eine Metaanalyse von Bertolote et al. (2004) zeigte etwa auf, dass bei Personen, die sich im europäischen und nordamerikanischen Raum suizidierten, zumeist im Vorfeld eine psychische Störung diagnostiziert wurde, wobei es sich bei etwa einem Drittel der Fälle um affektive Störungen, zumeist um Depression handele. Wolfersdorf und Etzersdorfer verweisen auf übereinstimmende Befunde psychologischer Autopsiestudien, die aufzeigen, dass etwa 60 % aller Suizide von Menschen mit affektiven, v. a. depressiven Störungen durchgeführt werden (2011, S. 147). Sie betrachten depressiv er-krankte Personen als „Prototyp“ (ebd.) suizidgefährdeter Menschen, da „keine andere psychische Störung […] wie die Depressivität mit ihrer lebensverneinenden und selbstdestruktiven Tendenz zur Entwertung der eigenen Person, mit Gefühlen der existenziellen Bedrohtheit, der Hoffnungslosigkeit und Zukunftslosigkeit so nahe an Suizidalität heran[führe]“ (ebd.). Dies ist in Anbetracht ähnlicher Diagnosekriterien und Symptomatiken bei weiteren psychischen Störungen, z. B. bei emotional instabilen Persönlichkeitsstörungen, sowie im Hinblick auf situative Krisen zumindest in Teilen kritisch – und nicht als unikales Moment der Depression – zu betrachten. Anderseits ist ein Zusammenhang nicht von der Hand zu weisen. Bei der Betrachtung von Depression und Suizidalität gilt es jedoch auch die in der Gesamtbevölkerung grundsätzlich hohe Prävalenz der Depression zu berücksichtigen. Das Lebenszeitrisiko für Suizid wird in der Allgemeinbevölkerung auf etwa 0,5 %, für Menschen mit psychischen Störungen auf 2,8–8,6 % (Bostwick & Pankratz, 2000) bzw. für Menschen mit depressiver Störung auf etwa 4–5 % und für schwer depressive Personen auf 15 % (Maris, 2002; Wolfersdorf, 2006) geschätzt. Einer der bedeutsamsten Risikofaktoren stellt die unzureichende Behandlung bzw. die fehlende Inanspruchnahme von Therapieangeboten dar (Wolfersdorf, 2006, S. 293).

  2. 2.

    Rekurrierend auf Kallmeyer und Schütze (1977, S. 188) handelt es sich um ein der Stegreiferzählung innewohnendes Spezifikum, besonders nah an den Erfahrungen der erzählenden Person anzuknüpfen, da individuelle Relevanzsetzungen vorgenommen werden, die möglichst wenig durch die Impulse und Leitfragen der interviewenden Person beeinflusst werden. Daraus ergeben sich sog. Zugzwänge des Erzählens: der Detaillierungs-, Gestaltschließungs- sowie der Relevanzfestlegungszwang (ebd.).

  3. 3.

    Im Folgenden werden Termini, die metaphorische Konzepte bzw. Metaphern darstellen, kursiv hervorgehoben, während weitere Begriffe, die betont werden sollen, mit Guillemets versehen werden.

  4. 4.

    An dieser Stelle soll darauf verwiesen werden, dass die interviewführende Person bewusst die nicht im Leit-faden verankerte Frage nach der Persönlichkeit der Großmutter stellte, da die Befragte am Ende des narrativ fundierten Einstiegs einen sehr niedergeschlagenen Eindruck machte. Insofern prägte sicherlich auch die bewusst auf angenehme Erinnerungen abzielende Nachfrage Maries emotionales Befinden. Dieser Umstand soll nicht kritisiert, aber dennoch reflektiert werden. Gerade das Lachen zu Beginn des Abschnitts sowie die Äußerung, sie möge „gerne“ (I1, Z. 86) von ihrer Großmutter berichten, zeugen von Freude und Erleichterung der Befragten, die wiederum mit dem engen Verhältnis zur Großmutter zusammenhängen und aufzeigen, welchen hohen Stellenwert sie in Maries Leben eingenommen hatte.

  5. 5.

    Da sich die Thematik nicht direkt auf die Forschungsfrage bezieht, sie jedoch von grundlegender gesellschaftspolitischer Relevanz ist, soll ihr an dieser Stelle kurz Beachtung geschenkt werden: Tatsächlich verhindert eine aktuelle oder wenige Jahre vor der angestrebten Verbeamtung abgeschlossene Psychotherapie in einigen Fällen die Verbeamtung auf Lebenszeit (Bossenmayer, 2015). Zwar werde stets der konkrete Einzelfall berücksichtigt, von einer pauschalen Ablehnung aufgrund von psychotherapeutischen Behandlungen wird sich klar distanziert. Allerdings erscheint es in Anbetracht der per se hohen Prävalenz psychischer Störungen in der Gesamtbevölkerung sowie der empirisch nachgewiesenen positiven Effekte – vor allem frühzeitiger – psychotherapeutischer Interventionen (Wampold et al., 2020; Pfammatter & Tschacher, 2012) fragwürdig, dieses Merkmal als aussagefähiges potenzielles Ausschlusskriterium heranzuziehen, da einerseits die Möglichkeit, frühzeitig einzugreifen, vielfach ungenutzt bleibt und das Risiko für spätere Erkrankungen gravierenderen Ausmaßes steigen kann. Andererseits stellt sich die damit einhergehende Frage, ob die Inanspruchnahme einer Psychotherapie nicht gerade für ein gesteigertes Verantwortungsgefühl gegenüber der eigenen psychischen Gesundheit sowie gegenüber den Schüler:innen (bzw. Klient:innen im außerschulischen Bereich) spricht und somit bewusst langfristige Folgen in Kauf nimmt. Diese evasive Grundhaltung gilt es der Autorin folgend zu opponieren, um die gesamtgesellschaftliche Enttabuisierung psychischer Störungen zu unterstützen und psychisches Leiden auf individueller Ebene, wie im vorliegenden Fall, in dem Marie trotz parasuizidaler Gedanken (I1, Z. 445), selbstverletzendem Verhalten (I1, Z. 239), explizit benannter essgestörter Verhaltensweisen (I1, Z. 424–441) sowie depressiver Verstimmungen (I1, Z. 203 f.) und Schwierigkeiten in der Emotionsregulation von einer Psychotherapie absieht, um ihre Verbeamtung nicht zu gefährden, abzumildern oder zu verhindern.

  6. 6.

    So haben Selbstwertprobleme nicht selten einen wesentlichen Einfluss auf die Entstehung und Aufrechterhaltung von Körperbildstörungen. Der empfundene Selbstwert hängt oft stark mit dem Körperbild und darauf bezogenen Prozessen selbstevaluativer Salienz zusammen (Grocholewski et al., 2011; Tuschen-Caffier, 2011).

  7. 7.

    Auch in einem der weiteren geführten, aber nicht detailliert analysierten Interviews (I4) konvergiert das Verhalten der Befragten mit dem auf die Einhaltung bestehender Regeln bedachten Handeln der drei Interviewpartner:innen. Hervorgehoben werden soll an dieser Stelle das Interview I3, in dem die Befragte den fortgesetzten physischen Kontakt zu Freund:innen dezidiert betont und angibt, ihn als überlebensnotwendig und somit als Akt der Selbstfürsorge zu betrachten. Auch sie habe, wie ihre verstorbene Freundin, eine Vielzahl suizidaler Gedanken gehabt und expliziert, den direkten Kontakt zu anderen Menschen als unabdingbare Ressource für ihre psychische Gesundheit zu erleben. Daher habe sie sich bewusst über bestehende coronabezogene Maßnahmen hinweggesetzt.

  8. 8.

    Die Lastmetapher scheint überdies eng mit der Metapher des Aushaltens verknüpft zu sein. So, wie es meta-phorisch eine schwere Last zu tragen gilt, lässt sich das Aushalten unangenehmer Gefühle und Gedanken sowohl im kontrastierenden Hintergrund der Metaphernanalyse als auch innerhalb der Interviews wiederfinden.

  9. 9.

    Auch im Rahmen des metaphorischen kontrastierenden Hintergrunds erweist sich die Bewegungsmetapher des Verdrängens als die Coronapandemie und das Trauern betreffendes Spezifikum: Zweifel werden verdrängt, Ängste unterdrückt, die Realität des Todes mitunter ebenfalls verdrängt (Anhang M im elektronischen Zusatzmaterial). Dadurch werden Assoziationen der bewussten und aktiven Distanzierung von Objekten, Zuständen und Emotionen hervorgerufen.

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Correspondence to Davina Klevinghaus .

5.1 Elektronisches Zusatzmaterial

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Klevinghaus, D. (2022). Ergebnisdarstellung. In: Trauer in Zeiten der Corona-Krise . BestMasters. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-39151-5_5

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  • DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-658-39151-5_5

  • Published:

  • Publisher Name: Springer VS, Wiesbaden

  • Print ISBN: 978-3-658-39150-8

  • Online ISBN: 978-3-658-39151-5

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