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Wie viel Selbstermächtigung gibt es?

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Gesellschaftliche Selbstermächtigung in Deutschland

Zusammenfassung

Auf der Basis von zwei bevölkerungsrepräsentativen Umfragen diskutiert das Kapitel das Ausmaß an Selbstermächtigung in Deutschland im Jahr 2020. Dabei zeigt sich, dass fast zwei Drittel der Befragten bereit sind, in Ausnahmesituationen Gesetze zu übertreten, um ihrem Gewissen zu folgen. Fragt man dagegen, ob man das Recht in die eigene Hand nehmen darf oder sich nur an Regeln halten muss, wenn man ihnen zustimmt, wenn man erwischt zu werden droht oder wenn sich auch die Regierung an die Regeln hält, nimmt die Zustimmung gravierend ab. Die Untersuchung zweier konkreter Beispiele, der Klimaschulstreiks (3 Items) und Selbstermächtigung bei Corona-Maßnahmen (4 Items), zeigt allerdings, dass gesellschaftliche Selbstermächtigung gesellschaftlich durchaus relevant ist. Rund ein Viertel der Befragten befürwortet, dass die Klimaproteste während der Schulzeit stattfinden und dabei die gesetzliche Schulpflicht verletzt wird, und immerhin sechs Prozent geben an, sich bestenfalls manchmal an die Corona-Einschränkungen gehalten zu haben. Allerdings hängt es vom konkreten Gegenstand ab, ob Menschen zur Selbstermächtigung bereit sind oder nicht. Menschen, die sich an Klimastreiks beteiligen, halten sich also keineswegs auch weniger an die Corona-Einschränkungen – eher ist das Gegenteil der Fall.

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Notes

  1. 1.

    Die Unterschiede zwischen den Befragungen sind bei dieser Frage minimal: In der ersten Umfrage waren 64 % der Auffassung, man dürfe in Ausnahmesituationen seinem Gewissen folgen, 25 % meinten, man müsse Gesetzen ohne Ausnahme folgen und 10,7 % konnten sich nicht entscheiden. Bei der zweiten Umfrage waren die entsprechenden Werte 63,2 %, 24,6 % und 12,1 %.

  2. 2.

    1990 und 1996 sind in Ost- und Westdeutschland getrennte Befragungen durchgeführt worden. Diese wurden bei der Berechnung des Mittelwertes als separate Befragungen berücksichtigt. Allerdings unterschieden sich die beiden Landesteile in dieser Frage nur marginal.

  3. 3.

    Wiederum sind die Differenzen zwischen den beiden Befragungen marginal. In der ersten (zweiten) Befragung waren 18,3 % (17,8 %) der Meinung, man dürfe das Recht in die eigene Hand nehmen; 62,9 % (64,1 %) fanden das nicht, 18,6 % (17,7 %) waren unentschieden.

  4. 4.

    Da die Mehrzahl der FFF-Teilnehmer minderjährig gewesen sein dürfte, in unserer Umfrage aber nur Menschen über 17 Jahre befragt wurden, haben wir mit der Frage nach der Teilnahme von Familienmitgliedern an den Schulstreiks versucht, das Ausmaß des selbstermächtigenden Verhaltens besser abzuschätzen.

  5. 5.

    Auch hier sind die Zahlen aus beiden Umfragen relativ ähnlich: In der ersten (zweiten) Befragung gaben 5,0 % (5,1 %) der Befragten an, selbst teilgenommen zu haben, 10,1 % (6,8 %) berichteten, ein Angehöriger habe teilgenommen und 83,9 % (87,4 %) gaben an, dass kein Familienmitglied an einer FFF-Demonstration teilgenommen habe. In der ersten (zweiten) Umfrage unterstützten 48,3 % (45,8 %) der Befragten die Demonstrationen, 35,1 % (37,9 %) hielten sie für falsch, 16,3 % (15,6 %) konnten sich nicht entscheiden. Schließlich fanden 23,8 % (20,2 %) der Befragten in der ersten (zweiten) Befragung es richtig, dass die Demonstrationen während der Schulzeit stattfanden, während 64,5 % (69,5 %) der Schulpflicht den Vorrang gaben. 11,5 % (10,0 %) waren unentschieden.

  6. 6.

    Vgl. z. B. https://www.deutschlandfunk.de/covid-19-pandemie-corona-demonstrationen-positionen-und.2897.de.html?dram:article_id=476457 (zuletzt abgerufen am 28.10.2020).

Literatur

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Kirsch, P., Kube, H., Zohlnhöfer, R. (2022). Wie viel Selbstermächtigung gibt es?. In: Gesellschaftliche Selbstermächtigung in Deutschland. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-39087-7_3

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  • Publisher Name: Springer VS, Wiesbaden

  • Print ISBN: 978-3-658-39086-0

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