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Max Weber und der globale Kapitalismus damals und heute

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Kapitalismus, Herrschaft und Max Weber. Ausgewählte Aufsätze

Part of the book series: Studien zum Weber-Paradigma ((SZWP))

  • 1573 Accesses

Zusammenfassung

Nach den Katastrophen des zwanzigsten Jahrhunderts – den beiden Weltkriegen und den beiden Arten des Totalitarismus – erhielten der wirtschaftliche und der politische Liberalismus noch einmal eine welthistorische Chance. Aber vor fünfzig Jahren wurde das heutige Ausmaß der Wiederbelebung des internationalen Kapitalismus nur von wenigen Gegnern und Anhängern für möglich gehalten.

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Notes

  1. 1.

    Als der nachmals berühmte Verfassungshistoriker Ernst Rudolf Huber auf dem Höhepunkt der deutschen Wirtschaftskrise Mitte 1931 seine Bonner Inauguralvorlesung hielt, behandelt er „Das Deutsche Reich als Wirtschaftsstaat“ in der Erwartung zunehmender staatlicher Regulierung und Verstaatlichung – heute ist dieser Begriff vergessen. Ernst Rudolf Huber, Das Deutsche Reich als Wirtschaftsstaat (Tübingen: Mohr/Siebeck, 1931).

  2. 2.

    Siehe Karl Polanyi, The Great Transformation (New York, Rinehart, 1944), 284. Zur Rezeption von Polanyi, siehe Charles Kindlebergers autobiographischen Beitrag in Daedalus (Winter 1974, S. 45–52), und Bernard Barber, „All Economies are ‚Embedded‘: The Career of a Concept and Beyond“, Social Research, 62:2 (Sommer 1995), 387–413. Richard Swedberg bevorzugt weiter Webers Grundkategorien des Wirtschaftens über populäre Handhabungen von „embeddedness“. Siehe ders. Max Weber and the Idea of Economic Sociology (Princeton: University Press, 1998), 165.

  3. 3.

    Zum Argument, dass der Kapital- und Arbeitsmarkt in Europa vor 1914 trotz ökonomischem Nationalismus und Protektionismus zunehmend integriert wurde, siehe Carl Strikwerda, „Reinterpreting the History of European Integration: Business, Labor, and Social Citizenship in Twentieth-Century Europe“, in Jytte Klausen und Louise Tilly, Hrsg., European Integration in Social and Historical Perspective 1850 to the Present (Oxford: Rowman, 1997), 51–70.

  4. 4.

    Zur systematischen Definition des rationalen Kapitalismus und seiner institutionellen Voraussetzungen und zur Typologie älterer und neuerer kapitalistischer Erwerbsformen, siehe Wirtschaft und Gesellschaft (WuG), 5. Aufl. (Tübingen: Mohr/Siebeck, 1976), 94 ff.; zum Familien- und Sippenkapitalismus im Gegensatz zum politischen, siehe 229 f. In den USA sind diese älteren Formen in das allgemeine institutionelle Gefüge eingebunden. Im Rahmen der ethnischen Arbeitsteilung betreiben koreanische Familien Lebensmittelgeschäfte und Computerläden, Sikh Clans Tankstellen, Inder ländliche Motels, und Chinesen und Vietnamesen Restaurants. Sind dies familienkapitalistische Nischen, so sind zahlreiche Riesenunternehmen wie Boeing teils marktorientierte Produzenten, teils prominente Beispiele des politischen Kapitalismus, insoweit sie ein praktisches Monopol auf Regierungsaufträge, besonders militärische, haben.

  5. 5.

    Vgl. meine Diskussion der neotraditionalistischen und neopatrimonialen Devolution in der Sowjetunion, die jedoch ohne Vorausahnung ihres Zusammenbruchs beschrieben wurde in Politische Herrschaft und persönliche Freiheit. Heidelberger Max Weber-Vorlesungen 1983 (Frankfurt: Suhrkamp, 1987), Kap. 3.

  6. 6.

    Siehe z. B. das berühmte Manifest von Clark Kerr, John Dunlop, Frederick Harbison und Charles Myers, Industrialism and Industrial Man (Cambridge: Harvard University Press, 1960).

  7. 7.

    Mary Schumacher, „Home Is Where the Work Is“, „New York Times“, 23. Marz 1997.

  8. 8.

    Wissenschaftslehre, a. a. O., 477.

  9. 9.

    Vgl. WuG, 551.

  10. 10.

    Zu Krupp siehe die berühmten Memoiren Wilhelm Mühlons, Ein Fremder im eigenen Land. Erinnerungen und Tagebuchaufzeichnungen eines Krupp-Direktors 1908–1914. Bremen: Donat Verlag, 1989. Zur gegenwärtigen Situation siehe den Ausschluss für fünf Jahre von Siemens und vier anderen großen Firmen von Regierungsaufträgen in Singapore; die Firmen hatten den deputy chief executive des Public Utility Board, der 14 Jahre Gefängnis erhielt, mit fast $ 10 Mio. bestochen („New York Times“, 14. Feb. 1996). Auf amerikanischen Druck hin erklärte sich die OECD im April 1996 bereit, die Steuerabzugsfähigkeit von Bestechungsgeldern zu beenden („Herald Tribune“, 17. April 1996), aber dies hängt von Gesetzesänderungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten ab.

  11. 11.

    Zur kasuistischen Einordnung von Bestechung und Erpressung in kapitalistischen und sozialistischen Systemen siehe WuG, 114–120.

  12. 12.

    WuG, 659.

  13. 13.

    Webers begriffliche Charakterisierung ist anfechtbar. Es ist schwierig, den Aspekt der „rationalen Leitung eines regulären grosskapitalistischen ‚Betriebs‘“ (WuG, 659) und des „berufsmässig bürokratisierten Alltagskapitalismus“ vom spekulativen Element der Finanzierung über die Börse abzusetzen. Der langjährige Kampf um die bimetalle Währung, die takeover-Konkurrenz der Eisenbahngesellschaften und die ökonomischen Flauten engten einen „bürokratisierten Alltagskapitalismus“ stark ein. In seiner Polemik gegen Felix Rachfahl machte Weber eine begriffliche Unterscheidung, welche Villards Unternehmen sozusagen entlasten konnte: „Ein, rein objektiv betrachtet, noch so waghalsiges Unternehmer-Risiko bedeutet, wenn es ein durch die ‚Sache‘ gegebener Bestandteil eines rational kalkulierten Geschäftes ist, durchaus kein ‚Abenteuer‘.“ Siehe „Antikritisches Schlusswort zum ‚Geist des Kapitalismus‘“ (1910), in Johannes Winckelmann, Hrsg. Die protestantische Ethik II. Kritiken und Antikritiken (Gütersloh: Gerd Mohn, 1978), 345. Faktisch ging es bei dem „Blind Pool“ nur um acht Millionen Dollar. Siehe die ausführliche Erklärung in Memoirs of Henry Villard (1904, Nachdr. New York: Da Capo Press, 1969), Bd. 2, 297 ff. Weber überprüfte anscheinend sein Gedächtnis nicht, als er sich an den „Blind Pool“ erinnerte und von 50 Mio. Pfund sprach. (Es könnte sich auch um einen Transkriptionsfehler handeln).

  14. 14.

    Webers Heidelberger Kollegen Kuno Fischer und Hermann Helmholtz verloren viel Geld bei der Northern Pacific-betrachtete er auch sie ironisierend als Teil der „Beutegefolgschaft“? Siehe Johannes Haller, Lebenserinnerungen (Stuttgart: Kohlhammer, 1960), 114. Zu den Verflechtungen von Bildungs- und Wirtschaftsbürgertum mit dem Eisenbahnbau, siehe Volker Then, Eisenbahnen und Eisenbahnunternehmer in der Industriellen Revolution. Ein preussisch/deutscher und englischer Vergleich (Göttingen: Vandenhoeck, 1997).

  15. 15.

    Die Bielefelder und Oerlinghausener Webers waren besonders im spanischen Leinenexportgeschäft engagiert, aber die Hamburger Linie wurde im Import-Exportgeschäft und der Schifffahrt noch erfolgreicher. Siehe Hamburger Geschlechterbuch (Limburg: Starke, 1962), 409–441; Karl Wormann, Lebenserinnerungen eines Achtzigjährigen (Leipzig: Bibliographisches Institut, 1924); [Hans Wendt], Erinnerungen an Großmama Weber von einem ihrer Enkel (Heidelberg: Privatdruck, 1889).

  16. 16.

    Siehe meine Beitrge zur Familiengeschichte, „Weber the Would-Be Englishman: Anglophilia and Family History“, in Hartmut Lehmann u. G. Roth, Hrsg., Weber’s Protestant Ethic: Origins, Evidence, Contexts (New York: Cambridge University Press, 1993), 83–122. In diesem Band Kap. 13.  „Zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte von Max Weber’ Protestantischer Ethik“, in Bertram Schefold u. a., Vademecum (zur Faksimileausgabe) (Düsseldorf: Verlag Wirtschaft und Finanzen, 1992), 43–68. In diesem Band Kap. 4. „Heidelberg-London-Manchester. Zu Max Webers deutsch-englischer Familiengeschichte“, in Hubert Treiber u. Karol Sauerland, Hrsg., Heidelberg im Schnittpunkt intellektueller Kreise (Opladen: Westdeutscher Verlag, 1995), 184–209; „Max Weber in Erfurt, Vater und Sohn“, Berliner Journal für Soziologie, 5, 1995): 287–299; „The Young Max Weber: Anglo -American Religious Influences and Protestant Social Reform“, International J. of Politics, Culture and Society, 10:4 (1997): 659–671. In diesem Band Kap. 14

  17. 17.

    Max Weber Gesamtausgabe/MWG ( Tübingen: Mohr/Siebeck, 1984), I/15, 613.

  18. 18.

    Weber folgte seinem Vater in der Bekämpfung des Antisemitismus. Max senior unterschrieb 1890 den Gründungsaufruf des sogenannten „Anti-Anti-Vereins“, des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus.

  19. 19.

    Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitik (Tübingen: Mohr/Siebeck, 1924), 391.

  20. 20.

    Wissenschaftslehre, a. a. O., 540.

  21. 21.

    Siehe Brief an Paul Siebeck, Heidelberg, 10. Juli 1916, Verlagsarchiv (VA) Mohr/Siebeck, Deponat, Bayerische Staatsbibliothek (BSB), München, Ana 446.

  22. 22.

    Vgl. Stanley Chapman, Merchant Enterprise in Britain. From the Industrial Revolution to World War I (Cambridge: Cambridge University Press, 1992).

  23. 23.

    Siehe Jehanne Wake, Kleinwort Benson. The History of Two Families in Banking (New York: Oxford UP, 1997).

  24. 24.

    Siehe Webers Brief an seine Mutter vom 18. Sept. 1897. Bestand Max Weber-Schäfer, Deponat BSB München, Ana 446.

  25. 25.

    Ein Jahrzehnt später kam Weber in der „Psychophysik der industriellen Arbeit“ noch einmal auf seine spanischen Beobachtungen zurück, um klarzustellen, dass inhaltliche Unterschiede zwischen Katholizismus und Protestantismus bei der Domestizierung der modernen Arbeiterschaft „vermutlich“ keine überragende Bedeutung haben. Hubert Treiber machte mich auf die in der Literatur übersehene Stelle aufmerksam: „Dabei ist, wie schon bei anderer Gelegenheit, in aller Schärfe zu wiederholen, dass für die moderne Fabrik-Arbeiterschaft heute vermutlich nicht die Konfession als solche, wie dies in den Zeiten des Frühkapitalismus für die Welt des Bürgertums der Fall gewesen zu sein scheint, Unterschiede konstituiert, sondern die Intensität, mit der sie, heiße sie nun Katholizismus oder Protestantismus, im Einzelfall die Lebensführung überhaupt beeinflusst. Daß der heutige, in dieser Hinsicht nach Maß und Richtung des Einflusses vom Mittelalter sehr stark verschiedene Katholizismus ein genau ebenso brauchbares Domestikationsmittel ist wie nur irgend eine ,protestantische Askese‘, zeigen u. a. gewisse neuere Erscheinungen in Nordspanien, wo die Jesuitenschulen ganz planmäßig von den Unternehmern als solches benutzt werden. Näheres über diese Frage ein anderes Mal“ (MWG I/11, 362).

  26. 26.

    Zur theoretischen Begründung des neuen ökonomischen Nationalismus siehe Michael Lind, The Next American Nation. The New Nationalism and the Fourth American Revolution (New York: The Free Press, 1995). Patrick Buchanan hat seine Wahlrhetorik von 1996 wiederholt in The Great Betrayal: How American Sovereignty and Social Justice are Being Sacrificed to the Gods of the Global Economy (New York: Little, Brown, 1997).

  27. 27.

    Vgl. Michael Teitelbaum und Jay Winter, High Migration, Low Fertility and the Politics of National Identity (New York: Hill & Wang, 1998).

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Roth, G. (2021). Max Weber und der globale Kapitalismus damals und heute. In: Sigmund, S. (eds) Kapitalismus, Herrschaft und Max Weber. Ausgewählte Aufsätze. Studien zum Weber-Paradigma. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-33939-5_7

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