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Erscheinungsweisen fremdenfeindlicher Wutbürger 2014–2015 – Von empörten Bürger*innen bis zum Rechtsterrorismus

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Migrations- und Fluchtdiskurse im Zeichen des erstarkenden Rechtspopulismus
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Zusammenfassung

Der Beitrag „Erscheinungsweisen fremdenfeindlicher Wutbürger 2014–2015 – Von empörten Bürger*innen bis zum Rechtsterrorismus“ beschäftigt sich mit der Bezeichnung von rechtspopulistischen, rechtsextremistischen und rassistischen Akteur*innen als Wutbürger in regionalen und überregionalen Leitmedien. Orientiert an der Kritischen Diskursanalyse werden Artikel von vier verschiedenen Zeitungen im Zeitraum von 2014–2015 hinsichtlich ihrer Verwendung des Wutbürger-Begriffs untersucht. Nach einer knappen quantitativen und qualitativen Übersicht über die generelle Vielfalt von Wutbürger-Erscheinungen in der politischen Berichterstattung wird der Fokus auf die Wutbürger-Bezeichnungen im Kontext von Pegida und weiteren fremdenfeindlichen Demonstrationen in Sachsen sowie Sachsen-Anhalt gelegt. Hierbei werden zwei konträre Typen der Verwendung von Wutbürger identifiziert und beschrieben, bevor das Grundwort Bürger und dessen inflationär unterkomplexe Konzeptualisierung auf verschiedenen Ebenen als Grundproblem einer verharmlosenden Funktion von Wutbürger herausgestellt wird.

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Notes

  1. 1.

    Wutbürger als Forschungsgegenstand tritt in dem diesem Fachbeitrag zugrundeliegenden Untersuchungsmaterial, abgesehen von einer Ausnahme, nur im männlichen Singular oder im nicht gegenderten Plural auf. Der Forschungsgegenstand wird deshalb auch nicht gegendert.

  2. 2.

    Eine Diskursanalyse der Berichterstattung über Pegida hat das Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung veröffentlicht, vgl. Bey et al. 2016.

  3. 3.

    Das Adjektiv „fremdenfeindlich“ wird hier gebraucht, um einen intentionalen auf eine als fremd konstruierte Gruppe gerichteten rassistischen Charakter deutlich zu machen und von dem Adjektiv „rassistisch“ zu unterscheiden, welches eine komplexere Semantik aufweist und auch nicht-intentionale, strukturelle gesellschaftliche Ausgrenzungsmechanismen impliziert (zu Rassismus vgl. Kaletsch/Glittenberg 2019, S. 34 ff.).

  4. 4.

    Eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Begriff Wutbürger im Zusammenhang mit Rechtspopulismus findet sich bei Widmann 2016, S. 29–44.

  5. 5.

    Einer ausführlichen diskursanalytischen Untersuchung von Wutbürger widmet sich die Dissertation des Autors, die im Sommer 2021 veröffentlicht wird. Die Dissertation befasst sich in zwei Erhebungszeiträumen mit Pegida und dem Protest gegen Stuttgart 21 als zentralen gesellschaftlichen Ereignissen, die in der Berichterstattung mit dem Wort Wutbürger einhergehen sowie mit dem sozial- und politikwissenschaftlichen Diskurs zu Wutbürger, s. Fußnote 7.

  6. 6.

    Unter Aussage versteht Foucault „[…] eine Funktion, die ein Gebiet von Strukturen und möglichen Einheiten durchkreuzt und sie mit konkreten Inhalten in der Zeit und im Raum erscheinen lässt.“ Ebenda, S. 126–127; zudem ist eine Aussage nach Foucault immer relational, vgl. S. 144.

  7. 7.

    Die vier Zeitungen wurden ausgewählt, um durch zwei der auflagenstärksten überregionalen und zwei unmittelbar regionale Medien eine Balance und Aussagekraft jenseits der einzelnen Zeitung zu garantieren. Der Zeitraum wurde dergestalt gewählt, weil die erste Pegida-Demonstration im Oktober 2014 stattfand und ab Ende 2015/ Anfang 2016 die AfD stärker als Pegida medial fokussiert wurde. Dieses unter den hier spezifischen Aspekten untersuchte Material ist ein Teilkorpus eines Gesamtkorpus des in Fußnote 4 genannten Dissertationsprojektes, welches zusätzlich zum hier behandelten Zeitraum auch einen Korpus mit zwei weiteren Zeitungen und einem weiteren Zeitraum, bezogen auf die Proteste gegen Stuttgart 21, beinhält.

  8. 8.

    In diesen Quellen bezieht sich der Terminus „rechte“ bzw. „rechtsorientierte Wutbürger“ gänzlich auf Pegida, wenngleich bei Butterwegge/Hentges/Wiegel im Zusammenhang mit der AfD.

  9. 9.

    Sowohl journalistisch ad hoc auf Pegida reagierend (vgl. kum. 2015, S. 8) als auch etwas zeitversetzt in der Politikwissenschaft (vgl. Benz 2016, S. 10).

  10. 10.

    Der hier im Fließtext aufgrund des begrenzten Platzes nicht aufgeführte Kontext der Wutbürger-Figuren, denen keine eindeutige fremdenfeindliche/rechte Positionierung zugeschrieben wird und die in der überregionalen Berichterstattung im untersuchten Zeitraum die Mehrheit darstellen, deckt sich teilweise mit der Vielfalt der in Kap. 2 beschriebenen Themenfeldern/Ereignissen und wird ergänzt durch einen allgemeinen Diskurs über den Wutbürger als Zeitgeist-Phänomen politischen Protests sowie weiterer kommunaler und regionaler Bauprojekte.

  11. 11.

    Zudem erscheinen auch die sächsischen Kreisstädte Bautzen und Meißen als Orte, wo fremdenfeindliche Wutbürger Politiker*innen bedrohen und an von der Partei Die Rechte organisierten Demonstrationen teilnehmen. Dies ist im Gegensatz zu den Ereignissen in Tröglitz, Freital und Heidenau allerdings weniger an ein einmaliges eskalierendes Ereignis gebunden. Vgl. Hanfeld 2015, S. 12; Seibel 2015, S. 7

  12. 12.

    In diesen drei Fällen knüpft die rechte Wutbürger-Figur an den kommunalen Charakter anderer Wutbürger-Figuren an, auch wenn diese inhaltlich-politisch völlig anders positioniert sind.

  13. 13.

    Diese zwei Perspektiven lassen sich überindividuell rekonstruieren und konzentrieren sich nicht auf die intentionalen Aspekte und Motivationen einzelner Autor*innen. Es handelt sich also nicht um die Nachzeichnung bestimmter geschlossener Bewertungen und Argumentationen, sondern um die Darstellung von Regelmäßigkeiten, begrifflichen Mustern und den Implikationen, die aus diesen resultieren.

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Eggers, T. (2021). Erscheinungsweisen fremdenfeindlicher Wutbürger 2014–2015 – Von empörten Bürger*innen bis zum Rechtsterrorismus. In: Farrokhzad, S., Kunz, T., Mohammed Oulad M´Hand, S., Ottersbach, M. (eds) Migrations- und Fluchtdiskurse im Zeichen des erstarkenden Rechtspopulismus. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-32498-8_8

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  • Publisher Name: Springer VS, Wiesbaden

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