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Das massenmediale Bild als konstitutives Moment des Geldes

  • 421 Accesses

Zusammenfassung

Der Autor stellt die These einer Entstofflichung des Geldes vor und argumentiert, dass damit keine Entsinnlichung verbunden ist, weil eine Akzeptanz von Geld immer auf visuellen Strategien beruht. Bilder sind konstitutive Bestandteile von Geld, das wird anhand von Bilder und den Strategien, auf denen sie beruhen, gezeigt. Damit realisiere sich auch Herrschaft – das sei mit ein Grund, warum Menschen „durch ihre Geldverwendung ein Geldsystem akzeptieren, welches ihnen vorwiegend schadet“.

Schlüsselwörter

  • Geldgeschichte
  • Visuelle Strategien
  • Ästhetik
  • Macht
  • Zentralbanken

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  • DOI: 10.1007/978-3-658-29411-3_10
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Abb. 1

(Quelle: „Le Commerce que les Indiens du Mexique font avec les Francois au Port de Mississippi“, ca. 1721, Louisiana Digital Library, letzter Zugriff: 13.02.2020)

Abb. 2

(Quelle: „Drake at a Strip Club (25 Pics)“, 2013, www.acidcow.com, letzter Zugriff: 13.02.2020)

Abb. 3

(Quelle: Inserat Finanzberatung der Zürcher Kantonalbank 2012)

Abb. 4

(Quelle: Titelblatt Zeitschrift „Der Spiegel“, Nr. 48, November 2011)

Abb. 5

(Quelle: Albumcover „To Pimp a Butterfly“ von Kendrick Lamar 2015)

Abb. 6

(Quelle: Rückseite der neuen 10-Franken-Banknote, Schweizerische Nationalbank, Ausgabe Oktober 2017)

Notes

  1. 1.

    Die metonymisch verkürzte Formulierung „das Geld“ schreibt dem Geld keineswegs Subjekt- oder Akteurstatus zu, sondern meint hier und folgend: die in irgendeiner Form an der Reproduktion des aktuellen Geldsystems interessierten oder schlicht Geld verwendenden, in einer Geldgesellschaft lebenden Akteure. Vgl. dazu: „Das Geld tut gar nichts. Geld ist keine vorhandene Entität – es ist Funktion, kein Ding, das eine Funktion erfüllt.“ (Brodbeck 2012, S. 363).

  2. 2.

    „Die gesamte Geldgeschichte ist die Geschichte der Dematerialisierung des Geldes“, Haesler (2011, S. 187); Schnaas spricht davon, dass sich das Geld „über Münzen, Wechsel und Papiergeld allmählich in eine substanzlos-funktionale Geldillusion auflöst“ (2012, S. 31); Winkler versucht den Befund der „Immaterialisierung“ zeichentheoretisch zu differenzieren, bleibt aber bei einem Dreiphasen-Modell vom Gold zum virtuellen Zeichen (2004, S. 37 f.); weiter z. B. Gabriel (2002, S. 22); Ellenbürger und Gregor (2019, S. 2). Mit davon zu unterscheidenden, da im Sinne dieses Textes differenzierten Entstofflichungsthesen arbeiten Braun (z. B. 2012, S. 10) und Hörisch (z. B. 1998, S. 237).

  3. 3.

    Tontafeln: Graeber (2014, S. 272); Pfandbriefe: Braun (2012, S. 33); Kerbholz: Graeber (2014, S. 64); keine Münzen: ebd. S. 320 (vgl. auch widersprechende Argumentationen, z. B. Steinbach 2019, S. 205); Steingeld Fei auf Yap: Martin (2014, S. 14).

  4. 4.

    „Geld ist kein Material, sondern aufgeprägtes Vertrauen. Das Trägermaterial scheint kaum eine Rolle zu spielen.“ Ferguson (2012, S. 30).

  5. 5.

    Zum Begriff der Achsenzeit bei Graeber (2014, S. 282 f.).

  6. 6.

    Zu diesem Abschnitt: Ferguson (2012, ab S. 123).

  7. 7.

    Bspw. Braun (2012, S. 279 f.); Brodbeck (2012, S. 319 und S. 883); Gabriel (2009, S. 265); für die Relevanz von (sinnlichen) Emotionen für Kognition und Gedächtnis, siehe z. B. Roth (2011, S. 180 f.).

  8. 8.

    Mit Brodbeck ließe sich hier zu Recht kritisieren, dass das Geld nicht das Kotelett verspricht, sondern lediglich die Anerkennung des Gegenübers (2012, S. 347) – die wir in der Geldverwendung täglich sinnlich erleben. Man darf dennoch davon ausgehen, dass die jeweilig subjektive ‚Geldmotivation‘ bspw. an ein Kotelett gebunden ist.

    Mit Versprechen und Erzählungen sind zudem nicht nur ‚positive‘ Kaufwünsche gemeint, sondern eine komplexe Gemengelage von Narrativen, die bspw. auch moralistische Katharsis-Momente (das böse Geldsubjekt im Film, das am Ende seine gerechte Strafe erhält), Rationalisierungen (das Kuchendiagramm des Anlageberaters) oder Sanktionierungen (Bilder des Elends als Folge von Geldlosigkeit) beinhalten.

  9. 9.

    Braun (2012, S. 28). Zur Rolle der ikonografischen und ästhetischen Mittel für die Akzeptanz von Münzen im Mittelalter: Steinbach (2019, S. 296).

  10. 10.

    Gabriel (2002, S. 22); ignoriert hier auch die Möglichkeit, sich unliebsamer rhetorischer Effekte des „sinnlichen Geldes“ zu entledigen: virtuelles Geld fault nicht, es kann weder verbrannt noch sonst zerstört werden, es ist weit schwieriger zu stehlen oder umzuverteilen, und es kann leichter zurückverfolgt, verschoben, neu-investiert und einer Person zugewiesen werden – es ist im Platonischen Sinne realer als materielles Geld.

  11. 11.

    Ueding und Steinbrink (2005, S. 285); damit ist einerseits das bildhafte Sprechen, andererseits aber auch das konkrete Zeigen angesprochen: man denke an Cäsars Umhang, Colin Powells Satellitenbilder oder O.J. Simpsons Handschuh.

  12. 12.

    Präziser müsste man von einem Wechselverhältnis sprechen: gerade der Einzug der Fotografie in die Massenmedien hat dazu geführt, dass nur noch das Sichtbare als Wirklichkeit akzeptiert wird, und daher umgekehrt die Wirklichkeit immer sichtbar zugerichtet werden muss (Büttner 2019, S. 38 f.). Das würde die These der Notwendigkeit der Bilder für das Funktionieren des Geldes untermauern.

  13. 13.

    Brodbeck (2012 (nach Oswald Spengler), S. 342).

  14. 14.

    Auch hier zeigt sich die Werbung als utopische Fiktion des Kapitals. Obenstehender Befund gilt allerdings nicht nur für die Werbung, sondern kann auch ex negativo als Kritik auftreten: wenn z. B. in einem Film eine Liebe als von Geldinteressen geleitete dargestellt wird.

    Generell stellt sich die Frage, ob die Ausbreitung jeglichen Paradigmas auf andere Bereiche nicht immer auch eine Monetarisierung oder kapitalistische Landnahme bedeutet, wenn dieses Paradigma selbst exklusiv über Geld verhandelt oder für sich schon kapitalistisch gedacht wird – also: ist z. B. die Medikalisierung der Gesellschaft inhärent eine Monetarisierung, weil Medikamente (etc.) Geld kosten. Das Gleiche liesse sich für Big Data, den Darwinismus oder eben die Bilderflut fragen.

  15. 15.

    Implizit angedeutet ist sie bspw. bei: Braun (2012, S. 279); Brodbeck (2012, S. 934 und 1010); Fohrmann (2019, S. 165); Weiss (2019, S. 129); Künzel (2019, S. 94); Heidenreich und Heidenreich (2008, S. 52–54); u. a.

  16. 16.

    Der Band Bildwissenschaft (Sachs-Hombach 2005) kennt gar keine Ökonomie, das Interdisziplinäre Handbuch zum Bild erwähnt das Geld nur marginal (Günzel und Mersch 2014, S. 146), in den Einführungen und Readern zur Visual Culture wird höchstens das Warenspektakel der Werbung thematisiert (z. B. Mirzoeff 1999, Cartwright und Sturken 2009), ebenso in der deutschen Einführung (Rimmele und Stiegler 2012). Entsprechend konstatieren Crosthwaite et al.: „There have, however, been very few attempts to grasp the integral importance of visual culture to both the operation of finance itself and a critical questioning of some of its assumptions and practices.“ (2014, S. 2).

  17. 17.

    Z. B. Musée de la Poste (1992); Pircher (2000); Harten und Ehling (2000); Schweizerische Nationalbank (2002); Holten (2016); Capeloa Gil und Gonçalves da Silva (2018); Eine Ausnahme bieten zumindest teilweise die Beiträge in Lim (2013) und Ellenbürger und Gregor (2019). Arbeiten zur Ästhetik und Ikonografie von Münzen und Banknoten sind hier nicht gemeint.

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Küffer, S. (2020). Das massenmediale Bild als konstitutives Moment des Geldes. In: Ötsch, W., Graupe, S. (eds) Imagination und Bildlichkeit der Wirtschaft. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-29411-3_10

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