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Miteinander oder gegeneinander? Aspekte des Wandels der Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden in der Geschichte der Vorlesung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland

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Zusammenfassung

Es mehren sich die Zeichen, dass deutsche Universitäten künftig kaum noch Vorlesungen anbieten, dafür aber individuell nutzbare digitale Lernprogramme. Wie konnte es so weit kommen? In diesem Beitrag wird der Bedeutungswandel der Vorlesung als traditionsreiche Form des Lehrens und Lernens rekonstruiert, die nicht nur in besonderer Weise die universitäre Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden repräsentiert, sondern auch Ausdruck des Grundrechts auf Freiheit der Wissenschaft und Lehre ist. Drei unterscheidbare bildungspolitische Phasen rahmen den Lehrbetrieb und prägen die Beziehungen zwischen Studierenden und ihren Professoren bis heute: die Bildungsexpansion, die Akademisierung und die Bologna-Reformen. Die Akzeptanz und Ausübung von Autorität stellte sich immer wieder als große Herausforderung für die Beteiligten im Hörsaal dar. Ein Exkurs (von Grit Grigoleit-Richter) zeigt, dass in der DDR die sozial- und geisteswissenschaftlichen Vorlesungen zunehmend von parteitreuen Hochschullehrern zur Indoktrination genutzt wurden.

Schlüsselwörter

Hörsaal – Ort der grundrechtlich verankerten Freiheit der Lehre Statusgruppen  Macht und Herrschaft  Generationsspezifische Verhaltensweisen Bildungsexpansion Akademisierung Bologna-Prozess 

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Authors and Affiliations

  1. 1.Helmut-Schmidt-Universität HamburgHamburgDeutschland

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