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Erhebungsmethoden und Determinanten des Workloads bei Leipziger Soziologiestudierenden

Zusammenfassung

Im Rahmen eines Pilotprojekts wird der Workload von Leipziger Soziologiestudierenden gemessen und erklärt. Die Befragten konnten dazu ihre Zeitverwendung mittels eines klassischen Papiertagebuchs oder über eine extra entwickelte Applikationssoftware (App) für Smartphones und Tablets protokollieren. Empirisch zeigt sich eine hohe inter- und intraindividuelle Varianz des Workloads. Im Mittel liegt dieser während des Semesters bei etwa 20 h pro Woche. Während der Prüfungszeit erhöht sich das mittlere Arbeitspensum auf knapp 35 h und kommt damit in die Nähe des administrativ vorgesehenen Wertes. Häufig vermutete potenziellen Einflussfaktoren wie z. B. Erwerbs- und Ehrenamtstätigkeiten beeinflussen den Workload nicht. Ebenso zeigt sich kein Zusammenhang zwischen der für das Studium verwendeten Zeit und verschiedenen Leistungsindikatoren. Wir vermuten, dass der mittlere Workload insgesamt zu gering ist, als dass solche Faktoren überhaupt wirksam werden können. Um studentischen Workload in einem breiteren Rahmen zu untersuchen, empfehlen wir insbesondere in die technische und methodische Entwicklung der Protokollierung von studentischer Zeitverwendung via App-Fragebögen zu investieren.

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Abb. 1
Abb. 2

Notes

  1. 1.

    ECTS steht für European Credit Transfer System.

  2. 2.

    In der Folge abgekürzt auch nur: Workload.

  3. 3.

    Siehe Hochschulrektorenkonferenz (2006) und Kultusministerkonferenz (2010).

  4. 4.

    Bei der Tagebuchmethode protokollieren die Befragten ihren Workload über einen definierten Zeitraum hinweg mittels eines Tagebuchs. Dies hat den Vorteil, dass die Protokollierung zeitnah geschieht, und somit potenzielle Verzerrungsfaktoren, wie beispielsweise Erinnerungslücken, wegfallen. Berger und Baumeister (2016) bieten einen Überblick über diese und weitere Methoden zur Workloadmessung.

  5. 5.

    Es existieren einige weitere Studien, die andere Messverfahren verwenden. Es ist symptomatisch für die bisher wenig ausgeprägte methodische Entwicklung des Feldes, dass für mehrere dieser Studien die genau Workloadmessmethode nicht erkennbar wird (z. B. Fleischhack et al. 2004; Jantowski 2009; Lüders et al. 2006; Oppermann 2011).

  6. 6.

    Damit ist ein Studienplan mit möglichst wenigen Lücken zwischen den Lehrveranstaltungen eines Tages gemeint (Schulmeister und Metzger 2018, S. 37–42).

  7. 7.

    Chatzitheochari et al. (2018) haben eine Pilotstudie mit jugendlichen Probanden durchgeführt, die ebenfalls den Vergleich von herkömmlichen Tagebucherhebungen mit einer App-gestützten Erhebung zum Inhalt hatte.

  8. 8.

    Vgl. Berger und Baumeister (2016) für eine detaillierte Beschreibung des Designs und dessen Vor- und Nachteile.

  9. 9.

    Laut dem Interessenverband „Bitkom“ ist die Verbreitung von Smartphones von 55 % im Jahr 2014 auf über 81 % im Jahr 2017 angestiegen (Haas 2018).

  10. 10.

    Technisch wurde die App kostenlos durch Ruslan Hrushchak, Sebastian Katzer und die Firma appPlant (http://www.appplant.de/) programmiert und bereitgestellt. Die App war für die Betriebssysteme Android (ab Version 3.1, z. B. für Smartphones von Samsung, LG, Nexus etc.) und iOS (für iPhones) vorhanden.

  11. 11.

    Als eine dritte „Nebentätigkeit“ wurde der Betreuungsaufwand, etwa von Kindern oder Familienangehörigen, erhoben. Die Anzahl der betroffenen Studierenden war in unserer Untersuchung mit sechs Fällen aber so gering, dass keine belastbaren Aussagen getroffen werden konnten.

  12. 12.

    Zum Vergleich: Schulmeister und Metzger (2011) haben sogar über ein ganzes Semester erhoben.

  13. 13.

    Verwertbarkeit wird hier sehr weit gefasst. Es gibt u. a. eine nicht unerhebliche Anzahl an Befragten, die überhaupt keinen Workloadwert protokolliert haben, und von denen lediglich die Angaben des Zusatzfragebogens vorlagen.

  14. 14.

    Durch die bereits in Abschn. 3.3 erwähnten anfänglichen technischen Probleme mit der App-Variante des Tagebuchs ist die Sommererhebung leider etwas stärker von diesen Problemen betroffen.

  15. 15.

    Auf eine Kontrolle des Masterstudiums wird im weiteren Verlauf verzichtet, da die Anzahl der Variablen in multivariaten Modellen mit geringer Fallzahl klein gehalten werden sollte, und sich in unseren Tests keine Effekte des Masterstudiums auf Workloadparameter gezeigt haben.

  16. 16.

    Man könnte an dieser Stelle spekulieren, dass der Zusammenhang zwischen Noten und Workload vielleicht nur während der Klausurzeit relevant wird.

  17. 17.

    Anders als Schulmeister und Metzger (2018) konnten wir keinen Zusammenhang zwischen der Präsenzzeit in der Universität und den einzelnen Leistungsindikatoren feststellen. Da sich in unseren Analysen keine relevanten Effekte im Zusammenhang mit den untersuchten Kovariaten zeigen, verzichten wir an dieser Stelle aus Platzgründen auf eine ausführlichere Analyse der einzelnen Dimensionen studentischen Workloads.

  18. 18.

    Interessant wäre an dieser Stelle noch eine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Arbeitszeit und Workload. Die entsprechenden Daten liegen in dieser Studie zwar vor, aber aufgrund der geringen Fallzahl sind valide Aussagen dazu leider nicht möglich.

  19. 19.

    Weitere Kontrollvariablen wurden geprüft aber nicht in die präsentierten Modelle aufgenommen, da sie keinen signifikanten Einfluss hatten und um aufgrund der geringen Fallzahl Overfitting zu vermeiden. Diese Kontrollvariablen sind unter anderem: das Alter, das Fachsemester und der Studiengang (Master oder Bachelor).

  20. 20.

    Ein finaler Einwand an dieser Stelle ist, dass der gemessene Workload zumindest im Falle der Studiennoten als Proxy für den Workload vor der jeweiligen Prüfungsleistung gelten kann. Zur Prüfung dieser These haben wir Modelle mit den Studiennoten als abhängige Variablen und dem Workload nebst weiterer Kontrollvariablen als unabhängige Variable geschätzt. Es ließen sich keine signifikanten Effekte feststellen.

  21. 21.

    Man könnte vermuten, dass auch die Art der Nebenjobs – insbesondere, ob es sich um universitäre oder sonstige handelt – einen Einfluss hat. Dies ist nicht der Fall. Aus Platzgründen wird diese Analyse hier nicht dargestellt.

  22. 22.

    Naheliegenderweise könnte man insbesondere den universitären Leistungsindikatoren auch eine kausale Abhängigkeit vom Workload unterstellen. Dieser Umstand wurde geprüft, und auch dort zeigen sich keine signifikanten Einflüsse.

  23. 23.

    Im Original „conscientiousness“, eine Dimension des in der Persönlichkeitspsychologie verbreiteten Modells der „Big Five“ (Costa und McCrae 1992).

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Baumeister, B., Berger, R. (2020). Erhebungsmethoden und Determinanten des Workloads bei Leipziger Soziologiestudierenden . In: Großmann, D., Engel, C., Junkermann, J., Wolbring, T. (eds) Studentischer Workload. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-28931-7_7

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