Advertisement

Gezählte Schritte sehen. Zur Transformation ästhetischer Bewegungserfahrungen im Rahmen digital unterstützter Zählpraktiken

Chapter
  • 1.7k Downloads
Part of the Medienbildung und Gesellschaft book series (MUG, volume 42)

Zusammenfassung

Der Aufsatz reformuliert digitalisiert gezählte Schrittpraktiken als hybridisierte ästhetische Praktiken. Die Überlegung fußt auf Auseinandersetzungen mit der Bedeutung von Bewegung und deren (empirische) Beobachtung sowie diesbezüglichen ästhetischen Aspekten. Wir betrachten dazu zunächst soziokulturelle und anthropologische Bedeutungen von Bewegung. Dabei werden Fragen nach der Bedeutungsverschiebung des Verhältnisses von Leib und Körper ebenso bearbeitet, wie daran anschließende Fragen nach der Verdinglichung des Selbst im Kontext des gesellschaftlichen Trends, Wertzuweisungen zunehmend mithilfe quantitativ fassbarer Indikatoren vorzunehmen. In Hinblick auf die Ästhetisierung von Bewegung schlagen wir in der Gegenüberstellung ‚traditionaler‘ Schrittpraktiken, die ohne digitalisiertes Zählen und Messen auskommen, mit digitalisiert gezählten Bewegungspraxen vor, letztere als hybridisierte Praktiken zu konzipieren. Anhand von empirischen Beispielen zeigen wir auf, inwiefern innerhalb von Selbstvermessungs-Apps und -Gadgets sowie Schrittzählpraktiken Ästhetisierungen zum Tragen kommen.

Schlüsselwörter

Menschliche Bewegung Selbstvermessung Self-Tracking Schrittzähler Quantifizierung Ästhetische Praktiken Rationalisierung von Bewegung Körpersoziologie 

Literatur

  1. Alkemeyer, T. (2003): Bewegen als Kulturtechnik. Neue Sammlung. Vierteljahres-Zeitschrift für Erziehung und Gesellschaft, 43 (3), S. 331–347.Google Scholar
  2. Bohn, C. (2012): Bildlichkeit und Sozialität. Welterzeugung mit visuellen Formen. In: Soziale Systeme 178 (2012), Heft 1 + 2, S. 40–68.Google Scholar
  3. Böhme, G. (2003): Leibsein als Aufgabe. Leibphilosophie in pragmatischer Hinsicht. Kusterdingen: Die Graue Edition.Google Scholar
  4. Bourdieu, P. (1993): Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  5. Bourdieu, P. (2015): Entwurf einer Theorie der Praxis auf der ethnologischen Grundlage der kabylischen Gesellschaft. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  6. Burckhardt, L. (2006): Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft. Berlin: Martin Schmitz Verlag.Google Scholar
  7. Busch, B. (1995): Belichtete Welt. Eine Wahrnehmungsgeschichte der Fotografie. Frankfurt: Fischer Taschenbuch.Google Scholar
  8. Foucault, M. (2014): Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  9. Fuchs, T. (2015): „Körper haben oder Leib sein“. In: Gesprächspsychotherapie und personenzentrierte Beratung, 3/15, S. 147–153.Google Scholar
  10. Gebauer, G. (2004): Ordnung und Erinnerung. Menschliche Bewegung in der Perspektive der historischen Anthropologie. In: Klein, G. (Hrsg.): Bewegung. Sozial- und kulturwissenschaftliche Konzepte. S. 23–41. Bielefeld: transcript.Google Scholar
  11. Heintz, B. (2010): Numerische Differenz. Überlegungen zu einer Soziologie des (quantitativen) Vergleichs. In: Zeitschrift für Soziologie, Jg. 39, Heft 3, Juni 2010, S. 162–181.Google Scholar
  12. Hugger, K.-U. & Walber, M. (2010). Digitale Lernwelten: Annäherungen aus der Gegenwart. In K.-U. Hugger & M. Walber (Hrsg.): Digitale Lernwelten. Konzepte, Beispiele und Perspektiven (S. 9–18). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  13. Iske, S. & Meder, N. (2010). Lernprozesse als Performanz von Bildung in den Neuen Medien. In K.-U. Hugger & M. Walber (Hrsg.): Digitale Lernwelten. Konzepte, Beispiele und Perspektiven (S. 21–37). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  14. Klinge, D. (2018): Die (implizite) Pädagogik von Self-Tracking - Handlungspraxis und Vermittlungsweisen der EntwicklerInnen im Spannungsfeld von Entrepreneurship, Technik und Design. In: Houben, D./Prietl, B. (Hrsg): Datengesellschaft. Einsichten in die Datafizierung des Sozialen. Bielefeld: Transcript.Google Scholar
  15. Klinge, D. & Krämer, F. (2018): Gesundheitspädagogische Ansprüche des Self-Trackings: Was schreiben EntwicklerInnen in Apps und Geräte ein und wie gehen NutzerInnen damit um? In: Brüninghaus, A./Heyen, N./Dickel, S. (Hrsg.): Personal Health Science. Persönliches Gesundheitswissen zwischen Selbstsorge und Bürgerforschung. Wiesbaden: VS Verlag.Google Scholar
  16. Lorenz, T. (1990): Die Psyche zählt statt erzählt. Zur Entdeckung einer kinemato-graphischen Mathematik der Seele. In: Hörisch, J. (Hrsg.): Armaturen der Sinne. Literarische und technische Medien 1870 bis 1920. S. 247–264. München: Wilhelm Fink.Google Scholar
  17. Manhart, S. (2008): Vermessene Moderne. Zur Bedeutung von Maß, Zahl und Begriff für die Entstehung der modernen Kultur. In: Baecker, D./ Kettner, M./ Rustemeyer, D. (Hrsg.): Über Kultur. Theorie und Praxis der Kulturreflexion. S. 191–218. Bielefeld: transcript.Google Scholar
  18. PwC PricewaterhouseCoopers AG (2015): Media Trend Outlook. Wearables: Die tragbare Zukunft kommt näher. Abgerufen am 23.01.2017 unter https://www.pwc-wissen.de/print_medium.php?code=15b6d1ea9a02f4ad0e17cda00d5ef16a.
  19. Reckwitz, A. (2015): Ästhetik und Gesellschaft – ein analytischer Bezugsrahmen. In: Reckwitz, A./ Prinz, S./ Schäfer, H. (Hrsg.): Ästhetik und Gesellschaft. Grundlagentexte aus Soziologie und Kulturwissenschaften. S. 13–52. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  20. Rustemeyer, D. (2009): Diagramme. Dissonante Resonanzen: Kunstsemiotik als Kulturtheorie. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft.Google Scholar
  21. Schäffer, B. (2015): Die Quantifizierung des Humanen. In: Pietraß, M. (Hrsg.): Krise und Chance: Humanwissenschaftliche Perspektiven. S. 42–47. Universität der Bundeswehr München.Google Scholar
  22. Schäffer, B. (2017): Organisationale Selbstbeschreibungen im Medium von Zahlen – Perspektiven dokumentarischer Zahlinterpretation. In: Amling, Steffen/ Vogd, Werner (Hrsg.) (2017): Dokumentarische Organisationsforschung – Perspektiven der praxeologischen Wissenssoziologie. Opladen: Budrich Verlag, S. 76–96.Google Scholar
  23. Thoreau, H. D. (2013) [1862]: Vom Wandern. Stuttgart: Reclam.Google Scholar
  24. Tudor-Locke, C. & Basset, D. R. (2004): How many Steps/Day Are Enough? Sports Medicine, Jg. 34, Heft 1, S. 1–8.Google Scholar
  25. Vidal, M. (2008): Time and Motion Study. In: Darity, W. A. Jr. (Hrsg.): International Encyclopedia of the Social Sciences. S. 365–366. Detroit: Macmillan Reference USA. Abgerufen am 23.06.2017 unter http://go.galegroup.com.0082cf3h1045.emedia1.bsb-muenchen.de/ps/retrieve.do?resultListType=RELATED_DOCUMENT&userGroupName=bayern&inPS=true&contentSegment=9780028661179&prodId=GVRL&isBOBIndex=true&docId=GALE|CX3045302751#365.
  26. Vormbusch, U. (2012): „Die Herrschaft der Zahlen. Zur Kalkulation des Sozialen in der kapitalistischen Moderne“, Frankfurt/New York: Campus Verlag.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2020

Authors and Affiliations

  1. 1.Universität der Bundeswehr MünchenNeubibergDeutschland

Personalised recommendations