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Jenseits des Notfalls: Plädoyer für eine differenzierte Betrachtung der Auswirkungen von Krisen auf Migrant/innen

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Zusammenfassung

Als Reaktion auf Appelle, die dazu aufriefen, Migrant/innen in Krisenzeiten weltweit besser zu schützen und zu unterstützen, wurde 2014 die Initiative Migrants in Countries in Crisis (MICIC) ins Leben gerufen, und zwar unter anderem von Peter Sutherland, dem UN-Sonderbeauftragten für Migration. Im ersten Teil dieses Kapitels zeichnen wir die Entstehung der MICIC-Initiative nach und stellen sie vor dem Hintergrund von drei eng miteinander verflochtenen, gleichwohl unterschiedlichen Debatten dar: der Debatte über Migrant/innen in Konfliktsituationen, der Debatte über von Naturkatastrophen betroffene Migrant/innen und der Debatte über in Transitländern gestrandete Migrant/innen. Im zweiten Teil des Kapitels untersuchen wir anhand einer vergleichenden Studie zu sechs Krisensituationen, die vom International Centre for Migration Policy Development (ICMPD) in Zusammenarbeit mit dem International Migration Institute an der Universität Oxford durchgeführt und von der Europäischen Union finanziert wurde, wie sich Krisen auf Migrant/innen auswirken.

Schlüsselwörter

  • Globale Wanderungsbewegungen
  • Migration
  • Initiative Migrants in Countries in Crisis (MICIC)
  • Resilienz
  • Krise
  • Krisenbewältigung
  • Irreguläre Migration

Wir danken Aurelie Sgro und Maegan Hendow für ihre Kommentare zu den Entwürfen für diesen Beitrag.

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Notes

  1. 1.

    Die MICIC-Leitlinien können eingesehen werden unter: https://micicinitiative.iom.int/guidelines. Die MICIC-Leitlinien werden jetzt durch Unterstützung beim Capacity-Building umgesetzt. Nähere Informationen dazu unter: https://www.icmpd.org/our-work/migrants-in-countries-in-crisis/capacity-building/.

  2. 2.

    Die Bevölkerungszahlen stammen aus der Datenbank der Weltbank, die im Internet unter http://databank.worldbank.org/data/reports.aspx?source=2&country=LBY aufgerufen werden kann; die geschätzten Migrant/innenzahlen stammen von Zampagni et al. (2017).

  3. 3.

    Libyen ist schon seit langem ein wichtiges Transitland für Flüchtlinge, die sich auf den Weg nach Europa machen. Dies gilt insbesondere für Migrant/innen aus den Ländern südlich der Sahara, vor allem vom Horn von Afrika, daneben aber auch aus anderen Ländern (Zampagni et al. 2017).

  4. 4.

    Als Reaktion auf diese Herausforderungen und zur Gewährleistung einer schnellen und zuverlässigen Nothilfe hat die IOM einen Notfall-Finanzierungsmechanismus ins Leben gerufen, der die Lücke zwischen dem Ausbruch einer Krise und den von den Gebern zugesagten Finanzierungen schließen soll. Nähere Informationen dazu sind der Website https://micicinitiative.iom.int/micicinitiative/iom-migration-emergency-funding-mechanism-mefm zu entnehmen.

  5. 5.

    Der Zusammenhang zwischen Migration und negativen Umweltveränderungen ist in den 2000er Jahren immer deutlicher geworden, weil es immer mehr Belege dafür gibt, dass die negativen Folgen des Klimawandels Auswirkungen auf die Mobilität der Menschen haben (siehe Foresight 2011). 2012 wurde die Nansen-Initiative (https://www.nanseninitiative.org) ins Leben gerufen, um die Herausforderungen zu bewältigen, die sich aus katastrophenbedingten grenzüberschreitenden Fluchtbewegungen ergeben. 2015 wurde die Initiative mit der Veröffentlichung der Agenda for the Protection of Cross-Border Displaced Persons in the Context of Disasters and Climate Change (Agenda zum Schutz von Vertriebenen im Kontext von Katastrophen und Klimawandelfolgen) abgeschlossen. Gegenstand dieser Schutzagenda sind speziell Menschen, die sich bei Eintritt einer Katastrophe im Ausland aufhalten. Die in der Schutzagenda niedergelegten Empfehlungen werden nun von der Platform on Disaster Displacement umgesetzt (siehe http://disasterdisplacement.org/).

  6. 6.

    https://www.unhcr.org/protection/idps/43ce1cff2/guiding-principles-internal-displacement.html

  7. 7.

    Roberta Cohens Arbeit wurde vom Institute for the Study of International Migration (ISIM) der Universität Georgetown im Rahmen des ISIM-Projekts zum Thema Migration in Krisensituationen in Auftrag gegeben, um daraus Lehren für die Entwicklung von Leitlinien im Rahmen des MICIC-Projekts zu ziehen. Neben dem EU-finanzierten MICIC-Projekt des ICMPD bildeten die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem ISIM-Projekt die zweite wichtige Grundlage für die MICIC-Initiative. Außerdem gehörte das ISIM der MICIC-Arbeitsgruppe an.

  8. 8.

    In Zusammenarbeit mit der MICIC-Initiative wurden zwei große Forschungsprojekte gefördert, nämlich das ISIM-Projekt Crisis Migration (https://isim.georgetown.edu/Crisis-Migration) und die ICMPD-Studie zu Migrant/innen in Krisenländern (siehe http://www.icmpd.org/our-work/migrants-in-countries-in-crisis/research/). Darüber hinaus wurden mehrere länderspezifische Studien, unter anderem zu Mexiko und Thailand, gesondert von der IOM in Auftrag gegeben. Die Forschungsergebnisse zu diesem Thema sind auf der Website der MICIC-Initiative unter https://micicinitiative.iom.int/resources-and-publications/studies-and-research zusammengefasst.

  9. 9.

    Aussage eines an der Initiative beteiligten Beraters gegenüber einem der Autoren, März 2016.

  10. 10.

    In Tunesien, einem der Länder, in denen eine Feldstudie durchgeführt wurde, standen die in Tunesien gestrandeten Migrant/innen im Mittelpunkt.

  11. 11.

    Die MICIC-Initiative berücksichtigte allerdings auch andere Ausländer/innen, z. B. Tourist/innen und andere Personen, die sich bei Ausbruch der Krise zufällig im Land aufhielten.

  12. 12.

    Einzelheiten zu den Ergebnissen der Studie werden in Kraler et al. (2017) vorgestellt.

  13. 13.

    Die meisten der in den MICIC-Leitlinien niedergelegten Prinzipien – nämlich acht von fünfzehn – beziehen sich auf die Phase vor der Krise. Bei Prinzip Nr. 3 („Migrant/innen zur Selbsthilfe befähigen“) geht es konkret darum, strukturelle Hürden und Probleme zu überwinden, durch die Migrant/innen besonders gefährdet werden (siehe MICIC-Initiative 2016).

  14. 14.

    Weitere Informationen über Capacity-Building-Maßnahmen finden Sie unter https://www.icmpd.org/our-work/migrants-in-countries-in-crisis/capacity-building/.

Literatur

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Gehrke, L., Kraler, A. (2020). Jenseits des Notfalls: Plädoyer für eine differenzierte Betrachtung der Auswirkungen von Krisen auf Migrant/innen. In: Beier, C., Messner, D., Preuß, HJ. (eds) Globale Wanderungsbewegungen. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-28237-0_7

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  • Publisher Name: Springer VS, Wiesbaden

  • Print ISBN: 978-3-658-28236-3

  • Online ISBN: 978-3-658-28237-0

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