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Gesellschaftliche Integration besonders benachteiligter Bevölkerungsgruppen: Was können theoretische Konzepte erklären?

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Wohnen nach der Flucht
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Zusammenfassung

Dieser Beitrag skizziert, wie sich theoretische Vorstellungen von gesellschaftlicher Integration besonders benachteiligter Gruppen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt haben. Sie waren in allen historischen Entwicklungsphasen unter anderem von Bedeutung, um den Zugang benachteiligter Bevölkerungsgruppen zu Wohnraum, ihre Teilhabe an gesellschaftlichen Teilsystemen und ihre Lebensqualität in urbanen Quartieren zu erklären. In Abhängigkeit von gesellschaftlichen Kontexten und von darin wirksamen normativen Orientierungen sowie politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wurden Integrationskonzepte stets kontrovers diskutiert. Denn sie sind raumzeitlich nur schwer verallgemeinerbar, weil sich Teilhabe- und Integrationsprozesse nach Gesellschaftstypen, Lebensräumen, beteiligten Akteuren und historischen Zeitfenstern erkennbar unterscheiden.

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Notes

  1. 1.

    Anomie entsteht nach Durkheim durch Verunsicherung in Bezug auf geltende gesellschaftliche Handlungsnormen infolge „pathologischer“ Arbeitsteilung und führt zu gesellschaftlichen Desintegrationsprozessen, die sich in Fragmentierungen, Polarisierung oder sogar in Selbstmord äußern können (Durkheim, 1992, S. 421 ff.).

  2. 2.

    Simmel (1992, S. 23) unterscheidet dabei zwei Bedeutungen von Gesellschaft, die er zum einen als „Komplex vergesellschafteter Individuen“ begreift und zum anderen als „Summe jener Beziehungsformen, vermöge deren aus den Individuen eben die Gesellschaft im ersten Sinne wird“.

  3. 3.

    In der fünfbändigen Studie The Polish Peasant in Europe and America (1918–1920) befassten sich zum Beispiel William Thomas und Florian Znaniecki bereits mit dem Phänomen, wie aus frommen Dörflern in Chicago nach einer Phase der Desorganisation weitgehend angepasste Industriestädter wurden.

  4. 4.

    Ähnlich argumentiert Termeer (2016, S. 66, 71) mit Verweis auf die Stilisierung der „creative class“ zum Motor einer postfordistischen Wirtschaft durch Richard Florida, der später eingestehen musste, dass Kreativwirtschaft dort wo sie sich etablieren konnte nicht zum Abbau, sondern eher zur Verschärfung sozialer Ungleichheit beigetragen hat.

  5. 5.

    Beispiele hierfür wären eine künstlerisch interessierte junge asiatische Gastarbeiterin in einem Pflegeberuf oder ein verarmter junger Unternehmer ohne formalen Berufsabschluss oder viele andere denkbare Variationen.

  6. 6.

    Dies bedeutet, dass die betreffenden Personen oder mindestens ein Elternteil nicht mit einer deutschen Staatsangehörigkeit geboren sind.

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Breckner, I. (2022). Gesellschaftliche Integration besonders benachteiligter Bevölkerungsgruppen: Was können theoretische Konzepte erklären?. In: Breckner, I., Sinning, H. (eds) Wohnen nach der Flucht. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-26079-8_2

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