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Unterstützung sicherstellen

  • Jana BrauweilerEmail author
  • Anke Zenker-Hoffmann
  • Markus Will
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Part of the essentials book series (ESSENT)

Zusammenfassung

Im Kapitel „Unterstützung“ befinden sich Regelungen zu Ressourcen, Schulung, Kommunikation und Dokumentation.

Im Kapitel „Unterstützung“ befinden sich Regelungen zu Ressourcen, Schulung, Kommunikation und Dokumentation.

7.1 Ressourcen

Anforderungen der Norm

Alle erforderlichen Ressourcen für Aufbau, Verwirklichung, Aufrechterhaltung und fortlaufende Verbesserung des SGA-MS sind zu bestimmen und bereitstellen.

Was soll damit erreicht werden?

Das Abschn. 7.1 ist im Prinzip eine Weiterführung der in Abschn.  5.1 und  5.3 definierten Normanforderungen an die oberste Leitung. Sie trägt die Verantwortung zur Schaffung der materiellen, personellen und finanziellen Voraussetzungen für die Umsetzung des SGA-MS.

Hilfestellungen für die Umsetzung in der Praxis

Die oberste Leitung muss die für das SGA-MS erforderlichen Ressourcen bestimmen und freigeben. Das Ressourcenverständnis ist umfänglich und bezieht sich auf:
  • Personal (Kenntnisse und Fähigkeiten)

  • Materielle Ressourcen (Inputs)

  • Infrastruktur (Gebäude, Ausrüstungen)

  • Technologie (Maschinen, Anlagen, EDV)

  • Finanzielle Mittel (Investitionsbudgets).

Es wird gefordert, dass sowohl die Ressourcen für die Einführung des SGA-MS zur Verfügung gestellt werden (z. B. Freigabe erforderlicher Schulungen, Einstellung von Praktikanten oder Finanzierung von Beratungsdienstleistungen), als auch Ressourcen für Daueraufgaben im SGA-MS zu bestimmen und bereit zu stellen sind. Dazu gehören Investitionsbudgets genauso wie Stellenpläne oder Schulungsbudgets.

Ein Punkt, der in der ISO 45001 (noch) keine Rolle spielt, sind formalisierte Anforderungen zum Umgang mit der Ressource Wissen. Gerade aber mit Blick auf die Bedeutung dieser Ressourcen zur Aufrechterhaltung aller Prozesse sowie im Zuge der Integration von Managementsystemen (Qualität, Energie, IT-Sicherheit etc.) können Organisationen sich auch im Rahmen ihres SGA-MS mit diesem Thema auseinandersetzen. D. h. das erforderliche interne und externe Wissen ist zu identifizieren sowie Prozesse zur Entwicklung und Übergabe des Wissens (z. B. bei neuen Produktionsprozessen oder im Zuge von Personalwechsel) zu etablieren.

7.2 Kompetenz

Aufgrund des Zusammenhanges dieser Normanforderung mit der Anforderung 7.3 „Bewusstsein“ werden beide Normanforderungen gemeinsam betrachtet.

Anforderungen der Norm

Die Organisation muss (Abschn. 7.2):
  1. 1.

    die erforderliche Kompetenz der Beschäftigten bestimmen, die Einfluss auf ihre SGA-Leistung haben

     
  2. 2.

    sicherstellen, dass die Beschäftigten auf Grundlage angemessener Ausbildung, Schulung oder Erfahrung kompetent sind und Gefährdungen erkennen können

     
  3. 3.

    einen Schulungsplan erstellen, der Maßnahmen zum Erwerb und zur Aufrechterhaltung der Kompetenz umfasst

     
  4. 4.

    Schulungen durchführen und die Wirksamkeit der Schulungen bewerten.

     

Es sind dokumentierte Informationen als Nachweis der Kompetenz zu führen.

Prinzipiell muss Bewusstsein aller Beschäftigten entwickelt werden zu (Abschn. 7.3):
  • SGA-Politik und -Zielen

  • Ansatzpunkten für SGA-gerechtes Verhalten in ihrem Tätigkeitsbereich (Beitrag für die Wirksamkeit des SGA-MS und der Vorteile einer verbesserten SGA-Leistung)

  • Folgen und möglichen Auswirkungen einer Nichterfüllung der Anforderungen des SGA-MS

  • Gefährdungen, SGA-Risiken und Maßnahmen, die dafür bestimmt wurden und für sie relevant sind

  • Befugnis, sich aus einer Arbeitssituation zurückzuziehen, wenn sie eine unmittelbare und ernste Gefahr für ihr Leben oder ihre Gesundheit ist und dass dieses Handeln ohne negative Folgen bleibt.

Was soll damit erreicht werden?

Während Abschn. 7.2 die Anforderungen an die Kompetenz der Beschäftigten definiert, umfasst Abschn. 7.3 zu vermittelnde Mindestinhalte zum SGA-MS für alle Beschäftigten. Dadurch soll gewährleistet werden, dass alle Personen, die für eine Organisation tätig sind, das erforderliche Wissen und das notwendige Bewusstsein haben, um Gefährdungen in ihrem Aufgabenbereich angemessen zu bestimmen und mit SGA-Risiken umzugehen. Damit sind explizit nicht nur Personen gemeint, die operative Tätigkeiten ausüben von denen SGA-Gefährdungen oder -Risiken ausgehen, sondern auch Personen, die eine Funktion oder Rolle einnehmen, die für das SGA-MS wichtig ist (wie z. B. die oberste Leitung oder die Führungskräfte). Weiterhin betrifft die Bewusstseinsbildung auch Auftragnehmer (siehe Fremdfirmenkoordination in Abschn.  8.1) oder Besucher (siehe Regelungen zur Notfallvorsorge in Abschn.  8.2).

Hilfestellungen für die Umsetzung in der Praxis

Die Organisation muss die Beschäftigten bestimmen, die Einfluss auf ihre SGA-Leistung haben. In Abschn.  4.2 haben wir den Begriff der „Beschäftigten“ definiert und festgestellt, dass dazu nicht nur die in der Organisation angestellten Beschäftigten gehören (oberste Leitung, leitendes Personal und nicht leitendes Personal), sondern auch nicht bei der Organisation angestellte Beschäftigte, soweit die Organisation Anteil am Einfluss auf ihre Arbeit oder arbeitsbezogene Tätigkeiten hat (z. B. Beschäftigte von externen Anbietern, Auftragnehmer, Leiharbeitnehmer).

Für die in der Organisation angestellten Beschäftigten sind in einem sich kontinuierlich wiederholenden Prozess folgende 3 Schritte abzuarbeiten.

1. Die erforderlichen Kompetenzen bestimmen

Die notwendigen Kompetenzen einer Stelle ergeben sich aus:
  • Arbeitsaufgaben (Maschinen, Prozesse, Stoffe)

  • Anforderungen neuer Prozesse, Anlagen, Stoffe

  • Rechtliche Anforderungen

  • Rolle (z. B. bei Ernennung zum Brandschutzbeauftragten)

  • hierarchische Einordnung im Unternehmen (z. B. Vorgesetzten- oder Mitarbeiterpflichten)

  • Unfällen/Vorfällen

  • Eigeninitiativen des Mitarbeiters z. B. im Rahmen von Mitarbeitergesprächen

  • Auditfeststellungen.

Kompetenz im Verständnis der ISO 45001 umfasst die Fähigkeit, SGA-Wissen und -Fertigkeiten im Arbeitskontext sicher anzuwenden,1 um sowohl mit den unter normalen Arbeitsbedingungen herrschenden Gefährdungen und Risiken richtig umzugehen, als auch in Notfallsituationen angemessen zu reagieren. Aus Sicht des SGA-MS muss hier genau festgehalten werden, welches Wissen und welche Fertigkeiten der Einzelne für ein SGA-gerechtes Arbeiten haben muss.

Sehr übersichtlich werden die erforderlichen Kompetenzen in einer Kompetenzmatrix zusammengestellt (vgl. Abb. 7.1), wie sie z. T. aufgrund der Anforderungen an die Ressource Wissen der ISO 9001:2015 verstärkt im Qualitätsmanagementsystem von Organisationen zu finden sind. Hier kann aufgesetzt werden.
Abb. 7.1

Formblatt Kompetenzmatrix und Schulungsplan

2. Schulungsplan erstellen

Kompetenzen sind, z. B. durch einen Soll-Ist-Abgleich von Stellenanforderung und -inhaber, zu entwickeln oder aufrechtzuerhalten. Dementsprechend kann auf Basis der Kompetenzmatrix der Schulungsbedarf für die Beschäftigten abgeleitet und die Kompetenzmatrix um den Schulungsplan erweitert werden (natürlich können Kompetenzmatrix und Schulungsplan auch als separate Dokumente geführt werden).

Für Schulungen oder Unterweisungen sind Termine und Verantwortlichkeiten sowie die Nachweisführung festzulegen (vgl. Abb. 7.1). Oftmals ist es zweckmäßig, die Erfassung der Kompetenzen und die Planung der Schulungen abteilungsspezifisch durchzuführen.

Gerade im Bereich des SGA gibt es strenge rechtliche Vorgaben für Unterweisungen und Schulungen, die auch in den Schulungsplan gehören. So die generelle Pflicht des Arbeitgebers Beschäftigte über SGA bezüglich ihres Arbeitsplatzes oder Aufgabenbereiches zu unterweisen nach § 12 ArbSchG oder die Unterweisung der Beschäftigten über Methoden und Verfahren bei der Verwendung von Gefahrstoffen nach § 14 GefStoffV. Bei der Entwicklung des Schulungsplanes ist auch zu beachten, dass Kompetenzen (insbesondere die von Beauftragten, wie z. B. Ersthelfern) aufrechterhalten werden und Schulungen wiederkehrend geplant werden müssen (z. B. Auffrischungsschulungen für Ersthelfer alle 2 Jahre gemäß DGUV Vorschrift 1 „Grundsätze der Prävention“ § 26 (3)).

Neben den erforderlichen stellenbezogenen Schulungen sind bei der Schulungsplanung die Normanforderung aus Abschn. 7.3 zu beachten, d. h. alle Mitarbeiter müssen mindestens geschult werden über die SGA-Politik und -Ziele, Ansatzpunkte für SGA-gerechtes Verhalten in ihrem Tätigkeitsbereich, Folgen und möglichen Auswirkungen einer Nichterfüllung der Anforderungen des SGA-MS sowie für sie relevante Gefährdungen, SGA-Risiken und Maßnahmen. Einzelne Punkte wie die SGA-Politik und -Ziele können allen Mitarbeitern gleichermaßen, z. B. im Rahmen einer jährlich wiederkehrenden Informationsveranstaltung zum SGA-MS, vermittelt werden. Die Bewusstseinsbildung über die für den Tätigkeitsbereich relevanten Gefährdungen und Handlungsansätze müssen i. d. R. zielgruppenspezifisch (z. B. nach Produktionsbereich oder nach Maschinen/Anlagen, Stoffen) und im Zusammenhang z. B. zu Unterweisungen nach § 14 GefStoffV geplant werden. Schulungen oder Unterweisungen sind aber nicht der einzige Ansatzpunkt für die Bewusstseinsbildung der Beschäftigten, sondern auch die in Abschn.  5.4 schon angesprochenen Formate der Mitwirkung und Beteiligung.

3. Schulungen durchführen und die Wirksamkeit bewerten

Für im Schulungsplan enthaltene Schulungen sind Nachweise zu führen, entweder über Teilnehmerlisten oder entsprechende Zertifikate. Die Wirksamkeit der Schulungen kann zum Abschluss der Schulung oder über andere Instrumente, wie z. B. online-Tests, bewertet werden.

Für die nicht in der Organisation angestellten Beschäftigten, wie Beschäftigte von externen Anbietern, Auftragnehmer, Leiharbeitnehmer müssen angemessene Formen der Ausbildung, Schulung oder Erfahrung vorhanden sein, wenn ihre Tätigkeiten für die SGA-Leistung der Organisation relevant sind. Leiharbeitnehmer können z. B. als separate Zielgruppe in den Schulungsplan aufgenommen und bei Arbeitsantritt geschult werden. Für externe Anbieter und Auftragnehmer kann das Thema über die Fremdfirmenkoordination geregelt werden (vgl. Abschn.  8.1).

7.3 Bewusstsein

Diese Normanforderung wurde im Zusammenhang mit Abschn. 7.2 betrachtet.

7.4 Interne und externe Kommunikation

Anforderungen der Norm

Die Organisation muss für die interne und externe Kommunikation einen Prozess festlegen, der enthält:
  • worüber

  • wann

  • mit wem

  • wie.

kommuniziert wird. Dabei müssen Diversitätsaspekte wie Sprache, Kultur, Lese-, Schreibfähigkeit, Behinderung beachtet werden. Ansichten externer interessierter Parteien (z. B. Beschwerden), Anforderungen aus rechtlichen Verpflichtungen und anderen Anforderungen (z. B. Berichtspflichten gegenüber Behörden) müssen berücksichtigt werden. Die kommunizierten Informationen müssen mit den im SGA-MS erzeugten Informationen übereinstimmen (z. B. Aktualität).

Ergänzend dazu muss auf relevante Äußerungen zum SGA-MS reagiert und, soweit angemessen, dokumentierte Informationen als Nachweis für ihre Kommunikation geführt werden.

Speziell für die interne Kommunikation wird geregelt, dass:
  • für das SGA-MS relevante Informationen und Änderungen intern zwischen den verschiedenen Ebenen und Funktionen der Organisation zu kommunizieren sind und

  • Kommunikationsprozesse es Beschäftigten ermöglichen sollen, zur fortlaufenden Verbesserung beizutragen.

Hinsichtlich der externen Kommunikation wird gefordert, dass relevante Informationen des SGA-MS, insbesondere wenn sie sich aus rechtlichen Verpflichtungen und anderen Anforderungen ergeben, kommuniziert werden müssen.

Was soll damit erreicht werden?

Über die HLS wurden die Anforderungen an die Kommunikation im Rahmen von Managementsystemen konkretisiert. Es wird die Festlegung eines Kommunikationsprozesses gefordert, der definiert, wer, wann, wie, welche Informationen zum SGA-MS erhält.

Hilfestellungen für die Umsetzung in der Praxis

Bei der Festlegung der Kommunikationsinhalte, -instrumente, -zielgruppen und -termine muss berücksichtigt werden, dass die Norm selber schon Vorgaben macht, welche Informationen intern bzw. extern zu kommunizieren sind. So ist die SGA-Politik gemäß Abschn.  5.2 allen Mitarbeitern bekannt zu machen und den anderen interessierten Parteien zur Verfügung zu stellen. Die Organisation muss festlegen, wie die SGA-Politik intern und extern kommuniziert wird. Einen Überblick über weitere nach ISO 45001 geforderte Kommunikationsinhalte gibt Tab. 7.1.
Tab. 7.1

Geforderte Kommunikationsinhalte nach ISO 45001

Normkap.

Geforderte Kommunikations-/Informationsinhalte

Int.

Ext.

5.1

Vermittlung der Bedeutung eines wirksamen SGA-Managements sowie der Erfüllung der Anforderungen des SGA-MS

x

 

5.2

SGA-Politik allen Mitarbeitern bekannt machen

x

 

5.2

SGA-Politik für interessierte Parteien verfügbar machen, soweit angemessen

 

x

5.3

Bekannt machen von Verantwortlichkeiten und Befugnisse relevanter Rollen auf allen Ebenen

 x

 

5.4

Bestimmen, was und wie zur Beteiligung der Beschäftigten kommuniziert wird

x

 

6.1.3

Betriebliche Handlungspflichten aus rechtlichen Verpflichtungen und anderen Anforderungen

x

 

6.2.1

Vermittlung der SGA-Ziele

x

 

7.3

Vermittlung des SGA-MS gemäß den Schwerpunkten aus Abschn. 7.3

x

 

7.4.1

Reaktion auf relevante Äußerungen

x

x

7.4.2

Kommunikation SGA-relevanter Informationen auf verschiedenen Ebenen und Funktionen

x

 

7.4.3

Kommunikation relevanter Informationen zum SGA-MS

 

x

8.2

Kommunikation und Bereitstellung relevanter Informationen des Notfallmanagements an alle Beschäftigten bezüglich ihrer Pflichten und Verantwortlichkeiten

x

 

8.2

Kommunikation relevanter Informationen des Notfallmanagements an Auftragnehmer, Besucher, Notfalldienste, Behörden und, soweit angemessen, die Ortsgemeinde

 

x

9.1.1

Ergebnisse der Überwachung

x

x

9.2.2

Kommunikation der Ergebnisse interner Audits an zuständige Führungskräfte sowie relevanter Auditergebnisse an Beschäftigte und, wo vorhanden, deren Vertretern sowie den anderen relevanten interessierten Parteien berichten

x

 

9.3

Kommunikation der Inputs für die Managementbewertung an die Oberste Leitung

x

 

9.3

Kommunikation relevanter Ergebnisse der Managementbewertungen den Beschäftigten und, wo vorhanden, deren Vertretern durch die Oberste Leitung

x

 

10.2

Berichterstattung von Vorfällen und Nichtkonformitäten

x

x

10.2

Übermittlung von dokumentierten Informationen über Nichtkonformitäten und Korrekturmaßnahmen an betroffene Beschäftigte und, wo vorhanden, deren Vertreter

x

x

10.3

Vermittlung relevanter Ergebnisse der fortlaufenden Verbesserung an die Beschäftigten und, wo vorhanden, deren Vertreter

x

 

Die Organisation muss festlegen, wie, an wen und wann diese Inhalte kommunizieren werden und welche weiteren Informationen sie kommunizieren muss (z. B. Grenzwertmessungen aufgrund rechtlicher Verpflichtungen oder das ISO 45001-Zertifikat an die Kunden infolge anderen Anforderungen) bzw. möchte (z. B. SGA-Bericht).

Zur Systematisierung der Kommunikationsinhalte, -instrumente, -zielgruppen und -termine empfiehlt es sich, eine Kommunikationsmatrix anzulegen (vgl. Abb. 7.2), differenziert nach:
Abb. 7.2

Formblatt Kommunikationsmatrix

  • interner Kommunikation, also zwischen den verschiedenen Ebenen und Funktionsbereichen der Organisation und

  • externer Kommunikation zu den externen interessierten Parteien (z. B. Behörden, Kunden, Zulieferer, Nachbarn).

Hier sollte auch gleich die Nachweisführung festgelegt werden.

Um die Anfragen der interessierten Parteien und die Reaktion darauf transparent nachweisen zu können, ist es zweckmäßig, diese ebenfalls in einem Formblatt zu dokumentieren (vgl. Abb. 7.3).
Abb. 7.3

Formblatt Dokumentation relevanter Äußerungen interessierter Parteien

7.5 Dokumentierte Informationen

Anforderungen der Norm

Im SGA-MS sind zu dokumentieren, die:
  1. a)
    von der Norm geforderten Informationen (vgl. Tab. 7.2) und
    Tab. 7.2

    Geforderte dokumentierte Informationen nach ISO 45001

    Normkap.

    Art der dokumentierten Information

    4.3

    Anwendungsbereich des SGA-MS

    5.2

    SGA-Politik

    5.3

    Rollen, Verantwortlichkeiten und Befugnisse

    6.1.1

    Ermittelte Risiken und Chancen, Abgeleitete Maßnahmen

    6.1.2.1/6.1.2.2

    Ermittelte Risiken aus Gefährdungen und Methodik zur Bewertung

    6.1.3

    Bindende Verpflichtungen und unternehmerische Handlungspflichten

    6.2.2

    SGA-Ziele und -Pläne

    7.2

    Kompetenznachweise

    7.4.1

    Nachweise zur internen und externen Kommunikation

    8.1.1

    Regelungen zu SGA-relevanten Prozessen

    8.2

    Regelungen zum Notfallmanagement und Notfallpläne

    9.1.2

    Ergebnisse der Compliance-Bewertung

    9.2.2

    Verwirklichung des Auditprogramms und Ergebnisse der Audits

    9.3

    Ergebnisse der Managementbewertung

    10.2

    Vorfälle, Nichtkonformitäten, getroffene Maßnahmen, Ergebnisse der Maßnahmen, Korrekturmaßnahme, Wirksamkeit

    10.3

    Informationen über die fortlaufende Verbesserung des SGA-MS

     
  2. b)

    Informationen, die die Organisation als notwendig für die Wirksamkeit des SGA-MS bestimmt (z. B. Lage- oder Medienpläne).

     
Es müssen Regelungen für die Erstellung und Aktualisierung der dokumentierten Informationen festgelegt werden, dazu gehören:
  • Kennzeichnung und Beschreibung (z. B. Titel, Datum, Autor oder Referenznummer)

  • Format (z. B. Sprache, Softwareversion, Grafiken) und Medium (z. B. Papier, elektronisch)

  • Überprüfung und Genehmigung vor Freigabe.

Sowohl interne als auch externe dokumentierte Informationen müssen gelenkt werden, d. h. es müssen Regelungen festgelegt werden für:
  • Verfügbarkeit, Verteilung, Zugriff, Auffindung, Verwendung

  • Ablage, Speicherung, Erhaltung

  • Informationssicherheit, Datenschutz

  • Aktualisierung, Überwachung von Änderungen

  • Kennzeichnung, Lenkung externer oder veralteter dokumentierter Informationen.

Was soll damit erreicht werden?

Wichtige Regelungen im SGA-MS müssen dokumentiert werden, um Aufbau, Funktionsweise und Umsetzungsstand des Managementsystems objektiv nachvollziehen zu können. Es gilt die Regel, nur was dokumentiert ist, ist nachprüfbar. Damit kommt der Dokumentation im Rahmen von internen und externen Audits eine wichtige Rolle zu.

Hilfestellungen für die Umsetzung in der Praxis

Mit Einführung der HLS wird nicht mehr zwischen Dokumenten und Aufzeichnungen unterschieden, sondern dafür der Begriff „Dokumentierte Informationen“ genutzt.2

Die ISO 45001 gibt an verschiedenen Punkten vor, welche dokumentierten Informationen mindestens vorzuhalten sind (siehe oben Punkt a) und Tab. 7.2).

Diese dokumentierten Informationen werden i. d. R. ergänzt um Informationen, die die Organisation als notwendig für die Wirksamkeit des SGA-MS bestimmt (siehe oben Punkt b). Das kann reichen von:
  • korrespondierenden Dokumenten aus dem Qualitätsmanagementsystem (z. B. Kunden-, Zulieferlisten)

  • internen SGA-relevanten Dokumenten (z. B. Lagepläne, Medienpläne) und

  • externen SGA-relevanten Dokumenten (z. B. Prüfberichte).

Die oben in Punkt a) und b) genannten Dokumente können also sein:
  • Vorgabedokumente (Prozessbeschreibungen/Verfahrensanweisungen, z. B. zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung)

  • Nachweisdokumente (Aufzeichnungen wie ausgefüllte Formblätter oder Checklisten, z. B. die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung)

  • Betriebsdokumente (z. B. Organigramm, Lagepläne) und andere interne Dokumente (z. B. Messprotokoll über Arbeitsplatzgrenzwerte)

  • externe Dokumente (Informationen von Vertragspartnern, externen Beauftragten, Normen).

Für interne und externe dokumentierte Informationen müssen Regeln für deren Erstellung und Lenkung definiert werden. Diese werden i. d. R. ebenfalls in Verfahrensanweisungen festgelegt und sind zum großen Teil auf den Dokumenten selber in deren Kopf- und Fußzeile erkennbar (siehe Abb. 7.4).
Abb. 7.4

Normgerechte Kennzeichnung dokumentierter Informationen

Um die Vielzahl der anfallenden dokumentierten Informationen zu systematisieren, empfiehlt es sich, eine Dokumentenmatrix anzulegen. Aus dieser wird der Aufbau der gesamten SGA-Dokumentation, die pro Gliederungspunkt mitgeltenden Dokumente sowie Regelungen zur Lenkung der Dokumente deutlich. Das Formblatt in Abb. 7.5 gibt ein (nicht vollständiges) Beispiel für den Abschn.  5.3 der ISO 45001. Die Oberpunkte der Gliederung (also Kap.  4,  5,  6, etc.) können für kurze Beschreibungen in Form von Handbuchkapiteln genutzt werden, um zu erläutern, was in dem jeweiligen Kapiteln aus Sicht des SGA-MS geregelt wird. Dies ist eine recht pragmatische Lösung, um den Aufbau der SGA-MS-Dokumentation für alle Nutzer zu erläutern und auf ein Handbuch (welches von der Norm auch nicht gefordert wird) zu verzichten. Alternativ sind auch webbasierte Anwendungen üblich. Grundsätzlich gilt, dass die Dokumentation so gering wie nötig, aber so aussagefähig wie möglich zu halten ist.
Abb. 7.5

Formblatt Aufbau einer Dokumentenmatrix

Abschließend wollen wir noch erwähnen, dass Organisationen bei der Dokumentation des SGA-MS i. d. R. nicht bei „Null“ beginnt, sondern auf vorhandenen Strukturen und Dokumenten aufbauen kann. Aufgrund der HLS werden sowohl für das Managementsystem, als auch für die erforderlichen dokumentierten Informationen ähnliche Anforderungen in der ISO 9001 für Qualitäts-, in der ISO 14001 für Umwelt- und in der ISO 50001 für Energiemanagementsysteme gelegt. Diese Synergien gilt es zu nutzen, indem geprüft wird, für welche Bereiche des Managementsystems schon Verfahrensanweisungen oder Formblätter vorliegen, die ergänzt/modifiziert werden können (z. B. interne, externe Kommunikation) und welche Bereiche aus Sicht des SGA-MS neu/separat werden müssen (z. B. Gefährdungsbeurteilung).

Fußnoten

  1. 1.

    Vgl. ISO 45001, Begriffe 3.23.

  2. 2.

    vgl. auch ISO 45001, Begriffe 3.24.

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Authors and Affiliations

  • Jana Brauweiler
    • 1
    Email author
  • Anke Zenker-Hoffmann
    • 2
  • Markus Will
    • 3
  1. 1.Professorin für Integrierte Managementsysteme, Fakultät Natur- und UmweltwissenschaftenHochschule Zittau/GörlitzZittauDeutschland
  2. 2.Fakultät Natur- und UmweltwissenschaftenHochschule Zittau/GörlitzZittauDeutschland
  3. 3.Fakultät Natur- und UmweltwissenschaftenHochschule Zittau/GörlitzZittauDeutschland

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