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Praktiken der Durchlässigkeit als Ausdruck einer spezifischen Selektionskultur

  • Judith HangartnerEmail author
Chapter
Part of the Kinder, Kindheiten und Kindheitsforschung book series (KKK, volume 20)

Zusammenfassung

Durchlässigkeit auf der Sekundarstufe I gilt bildungspolitisch als wichtiges Instrument zur Gewährung von Chancengleichheit, da sie es ermöglicht, frühere Selektionsentscheide zu korrigieren. Im Kontrast dazu analysiert dieser Beitrag Durchlässigkeit als Ausdruck einer spezifischen Selektionskultur. Basierend auf einer ethnografischen Studie zur kommunalen Governance wird analysiert, wie kommunale Akteur_innen die Durchlässigkeit ihrer Schule interpretieren und dabei unterschiedliche Deutungen offenbaren. Mit Mary Douglas und Bruno Latour wird die in dieser Gemeinde praktizierte Durchlässigkeit in Relation zur Klassifikation, zur Überschreitung der Klassifikationsgrenzen sowie zu damit verbundenen Trennungs- und Reinigungspraktiken analysiert. Im diskutierten ethnografischen Beispiel wird Durchlässigkeit in Selektionspraktiken übersetzt, welche die ‚Reinheit‘ der fachspezifischen Klassifikation erhöhen und damit die hierarchisierende Ordnung verfestigen.

Schlüsselwörter

Selektion Durchlässigkeit Sekundarstufe I Ethnografie Praxistheorie Klassifikation 

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Authors and Affiliations

  1. 1.Pädagogische Hochschule BernBernSchweiz

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