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„Schon wieder Zara!“ Differenzkonstruktionen im Schulalltag

  • Maria KassisEmail author
Chapter
Part of the Kinder, Kindheiten und Kindheitsforschung book series (KKK, volume 20)

Zusammenfassung

In diesem Beitrag wird anhand des Einzelfalls ‚Zara‘ der Frage nachgegangen, wie in pädagogischen Einrichtungen Differenz(en) hergestellt und soziale Ungleichheit(en) reproduziert werden. Die Praktiken der beobachteten Lehrpersonen zielen darauf, Zara zu einer ‚richtigen‘ Schülerin zu sozialisieren, die den Erwartungen der Lehrpersonen entsprechen soll. Dabei darf sie den Unterricht in seiner praktischen Umsetzung nicht stören. Zara wird häufig klassenöffentlich durch ein direktes doing difference stigmatisiert und – wohl unbeabsichtigt – sukzessive aus dem Korpus der Klasse ausgeschlossen. Eine indirekte Ethnisierung lässt sich in den Argumentationen der Lehrpersonen festgestellen, wenn sie Zaras Eltern aus kulturellen und sprachlichen Gründen als unfähige Erziehungsberechtigte adressieren.

Schlüsselwörter

Kinder mit Migrationshintergrund beim Übergang vom Kindergarten in die Schule Doing difference Bildungsungleichheit Ethnografische Forschung 

Literatur

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Campus MuttenzMuttenzSchweiz

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