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Mit „Strichern“ niederschwellig arbeiten: Zur Herstellung einer unzugänglichen Problemgruppe

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Zusammenfassung

Als öffentlich anerkannte Problemgruppe werden „Stricher“ insbesondere durch niederschwellige Anlauf- und Beratungsstellen unterstützt. Der Beitrag fokussiert auf die Hervorbringungen von „Strichern“ im Kontext der Inanspruchnahme dieser spezifischen sozialpädagogischen Unterstützungsleistungen. Mittels einer ethnomethodologisch ausgerichteten Ethnografie und der Trans-Sequentiellen Analyse einer Anlauf- und Beratungsstelle für „Stricher“ zeigt der Artikel auf, wie die Praktiken von Sozialpädagog*innen „Stricher“ als unzugänglich und problembelastet (re-)produzieren. Dabei wird deutlich, dass die Hervorbringungsweisen von „Strichern“ und die Problemgruppenkonstruktion nicht nur bühnenabhängig divergieren, sondern auch von situativ-lokalen und praktischen Erfordernissen abhängig sind.

Schlüsselwörter

Social Problems Work Doing Social Problems Problemgruppen Ethnomethodologie Trans-Sequentielle Analyse Ethnografie Männlich-homosexuelle Sexarbeit Niederschwellige Soziale Arbeit 

Literatur

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© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Sozialwissenschaften, DFG-Projekt „Wissenspolitiken in der gegenwärtigen Regulierung der Prostitution in Deutschland“Universität AugsburgAugsburgDeutschland

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