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Energiewende pp 155-203 | Cite as

Der Mythos vom Energiewendekonsens. Ein Erklärungsansatz zu den bisherigen Koordinations- und Steuerungsproblemen bei der Umsetzung der Energiewende im Föderalismus

  • Christine ChemnitzEmail author
Chapter
Part of the Energietransformation book series (ENETRA)

Zusammenfassung

Die Energiewende wurde in den Jahren 2010/2011 unter Berücksichtigung der Funktionsweise des Föderalismus beschlossen und befindet sich seitdem in der Umsetzungsphase; dies unter der Spannung der von Lehmbruch 2000 (1976) beschriebenen „Verwerfung“ zwischen dem Regelsystem des Parteienwettbewerbs und dem kooperativen Föderalismus einerseits und der von Scharpf et al. (1976) beschriebenen „Politikverflechtung“ andererseits, die als ein Verbund aus über mehrere Ebenen hinweg agierenden Akteuren und als ein Geflecht von formalen und informellen Regelungsstrukturen sowie horizontalen und vertikalen Kooperationen beschrieben werden kann. Dabei erfolgten insbesondere im Jahr 2011 die Lesungen und Beratungen sowie der Beschluss zur Energiewende im Bundestag und Bundesrat zeitlich eng getaktet: Die von der Bundesregierung nach dem Unglück von Fukushima im März 2011 eingesetzte Ethik-Kommission „Sichere Energieversorgung“ hatte hierbei ihre Empfehlungen am 30. Mai 2011 vorgelegt; bereits am 6. Juni 2011 wurde der Kabinettsbeschluss über das gesamte Energiewendepaket einschließlich des Atomausstiegs auf Basis dieser Empfehlungen gefasst. Es folgten in einer sehr engen zeitlichen Abfolge am 09.06.2011 die erste Lesung im Bundestag und am 17.06.2011 die erste Beratung im Bundesrat.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Ruhr-Universität BochumBochumDeutschland

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