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Eine »ganz andre Sprache« in Heinrich von Kleists Penthesilea und Der Findling

  • Jill BühlerEmail author
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Zusammenfassung

Der Umstand, dass sich Heinrich von Kleists Penthesilea mit ihrer Hundemeute auf ihren Geliebten Achill stürzt, ihn zerreißt und schließlich als Erklärung für ihr Handeln angibt, sie habe schlicht Küsse und Bisse verwechselt, macht sie für Richard von Krafft-Ebing zum weiblichen Sinnbild für das Zusammenfallen von Blutdurst und Wollust. Penthesileas rein sprachliche Begründung ihrer Verwechslung der beiden Begriffe in Rücksicht auf den Umstand, dass sich dieses Wortpaar reime, nimmt jedoch Positionen der Sprachforschung (August Ferdinand Bernhardi und Friedrich Rückert) und der Naturphilosophie (Gotthilf Heinrich Schubert) zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf, die solche Erscheinungen bereits reflektieren. Auch in der Erzählung Der Findling erfahren die Ähnlichkeits- und Verwandtschaftsverhältnisse, um deren Sicherstellung sich die Sprachtheorie bemüht, eine tiefe Erschütterung. In Zusammenschau mit einer den Text durchdringenden Ersetzungslogik auf figuraler sowie sprachlicher Ebene stellt der Findling das anthropologische Wissen, das sich auch mit dem starkem Geschlechtsinstinkt des Protagonisten befasst, als etwas nicht Gefestigtes dar, das immer auch in sein Gegenteil umschlagen kann.

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Authors and Affiliations

  1. 1.KarlsruheDeutschland

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