Ordnung, Krise, Schließung. Anmerkungen zum Begriff Migrationsregime aus zugehörigkeitstheoretischer Perspektive

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Part of the Migrationsgesellschaften book series (MIGRAGS)

Zusammenfassung

Der vorliegende Beitrag widmet sich der Frage, welche analytischen Elemente ein Migrationsregime zu einem Migrationsregime machen. Es geht um die Identifikation jener grundlegenden theoretischen Bestimmungsmerkmale, die es erlauben eine klarere theoretische Fassung des Begriffs Migrationsregime vorzunehmen. Diese Bestimmung wird aus zugehörigkeitstheoretischer Perspektive vorgenommen. Migrationsregime stellen in dieser Perspektive ein heterogenes Ensemble an Praktiken dar, mit dem symbolische Mitgliedschaft in natio-ethno-kulturell codierten Zugehörigkeitsräumen, habituelle Wirksamkeit sowie Möglichkeiten der biografischen Bindung an den Raum reguliert werden und zwar nicht allein mit Bezug auf „Migrant_innen“, sondern allgemein. Der Regulation von natio-ethno-kulturell codierten Zugehörigkeitsordnungen läuft hierbei voraus, dass ein signifikanter Regulationsbedarf erfolgreich kommuniziert und wahr gemacht wird, in anderen Worten: eine bestimmte Krise als gegeben ausgegeben wird und entsprechende regulative Krisenlösungen plausibler und legitimer Weise nach sich zieht. Migrationsregime stellen vorläufige politische Schließungen in einem durch komplexe Akteurskonstellationen hervorgebrachten antagonistischen Feld der Aushandlung einer politischen Ordnung dar, die als Zwang wie als Ermöglichung wirkt.

Schlüsselwörter

Migrationsregime Zughörigkeitsordnung Krise Hegemonie Regulation Subjektivierung 

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für PädagogikCarl von Ossietzky UniversitätOldenburgDeutschland

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