Medizinethik II: Sterbehilfe – „Das Meer in mir“

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Zusammenfassung

Gegenwärtige ethische Herausforderungen am Lebensende hängen häufig mit den gewachsenen intensivmedizinischen Errungenschaften zusammen. Die lebensstützenden und lebensverlängernden Maßnahmen eröffnen positive und wünschenswerte Möglichkeiten für den Umgang mit Krankheit und Gebrechlichkeit. Sie werfen aber auch Fragen nach den verantwortbaren Grenzen des medizinisch Machbaren und nach einem selbstbestimmten Sterben in Würde auf. – Nach einer allgemeinen Einführung in den Bereich der Medizinischen Ethik, die auch auf die spezifische Perspektive der theologischen Ethik eingeht (1), erfolgt ein kurzer Überblick über das ethische Problemfeld der Sterbehilfe (2). Anhand des Films „Das Meer in mir“ (E/I/F 2004, R: Alejandro Amenábar) wird die ethische Kontroverse um aktive Sterbehilfe und assistierten Suizid im Spannungsfeld von Selbstbestimmung, Fürsorge und Lebensschutz sowie zwischen allgemeinen Regelungen und existenziellen Entscheidungen veranschaulicht (3). Ein Ausblick auf aktuelle gesellschaftliche Debatten zum Themenfeld „Sterben in Würde“ schließt den Beitrag ab (4).

Schlüsselwörter

Autonomie Fürsorge Lebensende Lebensschutz Medizinethik Sterbebegleitung Sterbehilfe Sterben in Würde Assistierter Suizid 

Literatur

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Authors and Affiliations

  1. 1.Moraltheologisches SeminarRheinische Friedrich-Wilhelms-Universität BonnBonnDeutschland

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