Familien- und Geschlechterethik: Beziehung und Gesellschaft – „Höhere Gewalt“

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Zusammenfassung

Familienethik reflektiert die Familie in Bezug auf ihre jeweils aktuelle individuelle und gesellschaftliche Lage und entwickelt ethische Kriterien sowie Handlungsoptionen, die einem gelingenden und glückenden Familienleben dienen sollen. Durch den Wandel des Geschlechterverhältnisses und insbesondere durch die Veränderung der Rolle der Frau gewinnt die auf Gleichberechtigung und gemeinsame Verantwortung für Kinder angelegte Partnerschaft an Bedeutung. Die Rollenerwartungen von Mann und Frau sind nun nicht mehr vorgegeben, sondern bedürfen der Abklärung und der Umsetzung im Alltag. Der Film „Höhere Gewalt“ (SE 2014, R: Ruben Östlund) erzählt die Geschichte einer Familie, die Zeuge eines bedrohlichen Lawinenabgangs wird, wobei sich der Ehemann allein in Sicherheit bringt, ohne sich um seine Frau und seine Kinder zu kümmern. Die folgende Krise des familialen Beziehungsgefüges offenbart die Dominanz individueller und sozialer Rollenerwartungen und lotet die individuellen Grenzen im Umgang mit Schuld aus. Der Beitrag entwickelt dazu ein Konzept von Partnerschaft, das Gleichheit und Eigenständigkeit von Frau und Mann mit der Bereitschaft zum Vertrauen, zum Verzicht sowie zur Versöhnung verbindet.

Schlüsselwörter

Familie Familienethik Geschlechterverhältnis Rollenerwartung Anerkennung Arbeitsteilung Partnerschaft Höhere Gewalt 

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Authors and Affiliations

  1. 1.Lehrstuhl für Christliche SozialethikLudwig-Maximilians-Universität MünchenMünchenDeutschland

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