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Irritation als produktives Moment im bewegungsbezogenen Bildungsprozess?

  • Tobias RegenbrechtEmail author
  • Ingrid Bähr
  • Claus Krieger
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Zusammenfassung

In einer didaktischen Wendung des transformatorischen Bildungsbegriffes wird angenommen, dass Irritationen von Schüler/innen in der Auseinandersetzung mit fachlichen Gegenständen ein produktives Moment von Fachunterricht sein können. Zur empirischen Bearbeitung dieser These wurde im Fach Sport im Regelunterricht von 9 Schulklassen ein „irritationsfreundliches“ Unterrichtssetting umgesetzt, das die Konfrontation mit einem neuen Unterrichtsgegenstand (Rola-Bola) oder die Verfremdung bekannter Unterrichtsgegenstände (Tchoukball; Gerätturnen) thematisierte. Die durchgeführten Stunden wurden videographiert und die Akteurssicht durch Schüler/inneninterviews ergänzt. Die Daten wurden nach den Verfahrensschritten der Grounded Theory ausgewertet und ein vorläufiges Modell des Handelns und Erlebens von Schüler/innen in Irritationssituationen rekonstruiert. Die Kategorien des Modells werden anhand zweier Fallbeispiele veranschaulicht. Im Ergebnis zeigt sich, dass sich die Schüler/innen zwar (in unterschiedlichem Maße offen) auf die Situationen einlassen, jedoch auch relativ schnell versuchen, diese wieder zu „schließen“ indem sie v.a. auf Bekanntes zurückgreifen. Insgesamt erscheinen dadurch bildungsrelevante Transformationen kaum erkennbar.

Schlüsselwörter:

Sportunterricht offener Unterricht Bildung Unterrichtsforschung Sportdidaktik Ungewissheit Irritation Schüler/innenperspektive Grounded Theory 

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Authors and Affiliations

  • Tobias Regenbrecht
    • 1
    Email author
  • Ingrid Bähr
    • 1
  • Claus Krieger
    • 1
  1. 1.Universität HamburgHamburgDeutschland

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