Advertisement

Soziale Innovation durch Bricolage: Der „Geist des Tüftelns“ im ländlichen Raum

  • Peter Biniok
  • Stefan Selke
Chapter
Part of the Sozialwissenschaften und Berufspraxis book series (SUB)

Zusammenfassung

Zukunftssichere Lebensbedingungen im ländlichen Raum resultieren nicht allein aus

Infrastrukturmaßnahmen; vielmehr sind auch lokale Engagementkulturen bedeutsam. Solche Zusammenschlüsse heterogener Akteure (Zivilgesellschaft, Unternehmen, Wissenschaft, etc.) besitzen ein hohes Potential sozialer Innovationsfähigkeit.

Der Beitrag diskutiert die Entwicklung sozialer Innovationen im Kontext des „Regional

Centre of Expertise Southern Black Forest“ (RCE). Das in Baden-Württemberg erst- und einmalige Kompetenzzentrum hat die Funktion eines „Hubs“ inter- und transdisziplinärer Praxisforschung im Kontext von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Die zwischen Hochschule Furtwangen und Praxisfeldern angesiedelte Forschung erprobt soziale Praktiken bottom-up mit dem Ziel der Transformation regionaler Lebensverhältnisse.

Der thematische Fokus des Beitrags liegt auf Nutzungsformen von Internet und Smartphone bei Senioren und der Herausbildung einer entsprechend angepassten Lernumgebung. Gefragt wird, welche theoretischen Rahmungen und methodischen Hilfsmittel im Prozess dieser Praxisforschung hilfreich waren.

Die Hervorbringung der sozialen Innovation wird als soziale Dynamisierung durch Bricolage diskutiert. Bricolage ist dabei eine besondere Form lokaler und kollektiver Aushandlungen, die auf dem kreativen Umgang mit vorhandenen Ressourcen basiert. Idealerweise werden dabei die Interessen aller Akteure in Einklang gebracht: der Projektverlauf etwa orientiert sich sowohl an wissenschaftlichen Kriterien als auch an Relevanzsetzungen der außerwissenschaftlichen Akteure.

Deutlich wird, dass Sozialwissenschaftler Teil lokaler Strukturierungsprozesse sind, in denen soziale Innovationen entstehen. Daraus lässt sich die These ableiten, dass nur gemeinsam ausgehandelte Innovationen in situ zu Transformationen führen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Baker, T., A. S. Miner und D. T. Eesley. 2003. Improvising firms: bricolage, account giving and improvisational competencies in the founding process. Research Policy 32: 255–276.Google Scholar
  2. Biniok, P. 2013. Wissenschaft als Bricolage. Transcript.Google Scholar
  3. Biniok, P. 2016. Soziotechnische Assistenzensembles. In Zweite Transdisziplinäre Konferenz „Technische Unterstützungssysteme, die die Menschen wirklich wollen“, Hrsg. Weidner, Robert, 269–283. Hamburg.Google Scholar
  4. Biniok, P. und I. Menke. 2015. Societal Participation of the Elderly: Information and Communication Technologies as a „Social Junction“. Anthropology & Aging 36: 164–181.Google Scholar
  5. Biniok, P. und S. Selke. 2015. Forschungsprojekt SONIA: Gesellschaftliche Teilhabe Älterer durch Technik und Soziales. Ländlicher Raum 66: 74–77.Google Scholar
  6. Biniok, P., I. Menke, und S. Selke. 2016. Social Inclusion of Elderly People in Rural Areas by Social and Technological Mechanisms. In Ageing and Technology: Perspectives from the Social Sciences, Hrsg. E. Domínguez-Rué und L. Nierling, 93–117. Bielefeld: transcript.Google Scholar
  7. Brewer, J. 2013. The Public Value of Social Sciences. London: Bloomsbury.Google Scholar
  8. Eiermann, H., C. Gollner, F. Preßmar, B. Steinhöfel, C. Wedel und J. Wein. 2015. Silver Surfer – Sicher online im Alter. Lernbuch für aktive Internetnutzer. Ludwigshafen: Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz.Google Scholar
  9. Groß, M., H. Hoffmann-Riem und W. Krohn. 2005. Realexperimente. Ökologische Gestaltungsprozesse in der Wissensgesellschaft. Bielefeld: Transcript.Google Scholar
  10. Illich, I. 2009. Tools for Conviviality. London: Boyars Publishers.Google Scholar
  11. Käppner, J. 2010. Die Insel im Schwarzwald. Süddeutsche Zeitung Online. http://www.sueddeutsche.de/politik/ein-ort-in-dem-es-kaum-arbeitslose-gibt-die-insel-im-schwarzwald-1.883289 Zugegriffen: 5. Juli 2017.
  12. Kerr, C. 2001. The Uses of the University. Cambridge, MA: Harvard University Press.Google Scholar
  13. Lévi-Strauss, C. 1968. Das wilde Denken. Frankfurt am Main: Suhrkamp.Google Scholar
  14. Merz, M. und P. Biniok. 2016. The Local Articulation of Contextual Resources: From Metallic Glasses to Nanoscale Research. In The Local Configuration of New Research Fields. On Regional and National Diversity, Hrsg. M. Merz und P. Sormani, 99–116. Dordrecht, Heidelberg, London, New York: Springer.Google Scholar
  15. Nowotny, H., P. Scott und M. Gibbons. 2001. Re-Thinking Science: Knowledge and the Public in an Age of Uncertainty. London: Polity Press with Blackwell Publishers.Google Scholar
  16. Schneidewind, U. 2016. Gestaltende Hochschulen. Beiträge und Entwicklungen der Third Mission. In Die Hochschule. Journal für Wissenschaft und Bildung 1: 14–21.Google Scholar
  17. Schneidewind, U. und M. 2014. Transformative Wissenschaft. Marburg: Metropolis.Google Scholar
  18. Selke, S. 2016. Experimentelle Wende oder: die Lust am Ausprobieren. Öffentliche Wissenschaft und konsultative Forschung im Reallabor „Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit Südschwarzwald“. Humane Wirtschaft 5: 17–19.Google Scholar
  19. Selke, S. 2017a. Konsultative Öffentliche Soziologie. In Experimentelle Gesellschaft – das Experiment als wissensgesellschaftliches Dispositiv? Hrsg. S. Böschen, M. Groß und W. Krohn. Frankfurt a. M.: Campus.Google Scholar
  20. Selke, S. 2017b. Betriebsamkeit statt Gelehrsamkeit. Öffentliche Hochschulen als ‚Werkzeuge‘ konvivialer Gesellschaften. In Öffentliche Gesellschaftswissenschaften. Hrsg. S. Selke und A. Treibel, 245–277. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  21. Unger von, H. 2014. Partizipative Forschung. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  22. Unzicker, K. und G. Hessler, Hrsg. 2012. Öffentliche Sozialforschung und Verantwortung für die Praxis. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.BerlinDeutschland
  2. 2.FurtwangenDeutschland

Personalised recommendations