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An die Urnen, Schweizerinnen!

Die Erfindung der Wählerin im eidgenössischen Wahlkampf von 1971
  • Zoé KergomardEmail author
Chapter

Zusammenfassung

Während die Geschichte der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz seit einigen Jahrzehnten sehr gut erforscht ist, weiß man noch wenig darüber, wie die damit ergehende Verdoppelung der Wählerschaft das politische Leben der Schweiz veränderte. Wie sollte frau zur Wählerin oder gar zur Kandidatin werden? Wie sollte sich ihre neue politische Rolle als nun vollberechtigte Stimmbürgerin in der schweizerischen Gesellschaft der 1970er Jahren verstehen lassen? Dieser Beitrag verfolgt die Erfindung der helvetischen Wählerin anhand des eidgenössischen Wahlkampfes von 1971. Im Vorfeld der Wahlen herrschte in der helvetischen Öffentlichkeit zunächst Unsicherheit gegenüber einer Unbekannten der Wahl: dem zu erwartenden weiblichen Wahlverhalten, das den Gegenstand von zahlreichen Debatten und Umfragen bildete. Um die vermutete Unberechenbarkeit des Wahlverhaltens zu kanalisieren und vor allem der erwarteten weiblichen Wahlabstinenz entgegenzutreten, einigten sich die Bundesbehörden sowie politischen Parteien auf die Notwendigkeit einer raschen Nachhilfe in Sachen Staatskunde. Schließlich gestalten die politischen Parteien eine Art Sonderkampagne für Frauen, um sie für ihre Kandidatinnen und Kandidaten zu gewinnen. Somit trugen die politischen Eliten im Wahlkampf dazu bei, die neuen Wählerinnen als separate Gruppe zu definieren. Ironischerweise sah sich folglich das traditionelle bipolare Geschlechtermodell trotz Einführung des Frauenstimmrechts für einige Zeit weiter bestätigt.

Schlüsselwörter

Frauenstimmrecht Schweiz Wahlkampf Politische Parteien Mobilisierung Geschlecht Bürgerschaft Wahlverhalten 

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.FribourgSchweiz

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