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Liquiditätsregulierung: LCR, NSFR und AMM

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Zusammenfassung

Lange Zeit galt das Liquiditätsrisiko als reines „consequentual-risk“, d. h. als bloß mögliche Folge einer rasch abschmelzenden Kapitalbasis. Durch die jüngste Finanzkrise und die damit verbundenen Verwerfungen auf den Geld- und Kapitalmärkten wurde diese verbreitete Annahme weitgehend revidiert. Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) schlug im Rahmen des Programms „Basel III“ als Reaktion unter anderem die Etablierung einheitlicher Liquiditätskennzahlen vor. Diese wurden im europäischen Bankenaufsichtsrecht durch die Verordnung „CRR“ verankert. Der vorliegende Beitrag bietet eine Einführung in die Ursachen, Wirkungen und Reaktionen der globalen und europäischen Bankenregulierung im Bereich des Liquiditätsrisikos.

Zusammenfassung

Lange Zeit galt das Liquiditätsrisiko als reines „consequentual-risk“, d. h. als bloß mögliche Folge einer rasch abschmelzenden Kapitalbasis. Durch die jüngste Finanzkrise und die damit verbundenen Verwerfungen auf den Geld- und Kapitalmärkten wurde diese verbreitete Annahme weitgehend revidiert. Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) schlug im Rahmen des Programms „Basel III“ als Reaktion unter anderem die Etablierung einheitlicher Liquiditätskennzahlen vor. Diese wurden im europäischen Bankenaufsichtsrecht durch die Verordnung „CRR“ verankert. Der vorliegende Beitrag bietet eine Einführung in die Ursachen, Wirkungen und Reaktionen der globalen und europäischen Bankenregulierung im Bereich des Liquiditätsrisikos.

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Notes

  1. 1.

    Zu bemerken ist hier allerdings, dass gerade die zulässige Nutzung interner Modelle im Bereich der Errechnung der Eigenmittelanforderungen diese Vereinheitlichung und Vergleichbarkeit weitgehend verhindert, siehe auch EBA13.

  2. 2.

    Basel 2.5 bildete erste Übergangsschritte zur Etablierung von Basel III.

  3. 3.

    Um nicht-intendierte prozyklische Wirkungen zu vermeiden, ist bei den Vorgaben zur transparenten Offenlegung von Liquiditätskennzahlen besondere Vorsicht geboten. Schließlich erscheint es aus mikro- und makroprudenzieller Perspektive eher kontraproduktiv, dem Markt die bloß potenzielle Illiquidität eines Marktteilnehmers im Stressszenario der LCR über dessen eigene Website offenzulegen.

  4. 4.

    Der Grundsatz der Maximalharmonisierung verbietet es Mitgliedstaaten insbesondere, strengere als in den europäischen Rechtsakten vorgesehene Standards zu erlassen. Der europäische Gesetzgeber erhofft sich mit diesem Ansatz die weitgehende Schaffung eines „level playing field“. Gerade im Liquiditätsregime wird dieser Grundsatz jedoch an mehreren Stellen, siehe etwa Art. 412 Abs. 5 CRR, aufgeweicht. Beachte auch das „Austriacum“ des Liquiditätsverbunds nach § 27a BWG.

  5. 5.

    Bis dahin wird das Erfordernis zur stabilen Refinanzierung in der Säule II, d. h. nach idiosynkratischen Annahmen, abgebildet.

  6. 6.

    Meines Erachtens hat der österreichische Gesetzgeber hier primär einen pragmatischen Ansatz verfolgt, um das bis dahin bestehende System weitgehend erhalten zu können. So ließen sich etwa die Vorgaben zum Stress-Testing und zum FTP kaum aus den nationalen Vorschriften ableiten.

  7. 7.

    Zu beachten ist hier die österreichische Umsetzung von Art 86 Abs. 3 CRD IV auf genereller Basis (§ 12 Abs. 4 KI-RMV). Die zuständige Behörde stellt die Systemstabilität in diesem Fall durch eine Art „Beweislastumkehr“ zur systemischen Verantwortlichkeit sicher.

  8. 8.

    So werden in Österreich etwa Kreditinstitute, die überwiegend das Factoringgeschäft betreiben, von den Anforderungen nach Teil 6 CRR ausgenommen (§ 3 Abs. 2a BWG). Gleiches gilt u. a. für KAGs (§ 3 Abs. 4 und 4a BWG) und BMVK (§ 3 Abs. 7 BWG).

  9. 9.

    Die FMA hat in ihrem Informationsblatt „Information für Kreditinstitute zur Zustimmung der Aufsichtsbehörde zur Freistellung von der Anwendung der Liquiditätsanforderungen auf Einzelbasis gem. § 30c BWG i. V. m. Art. 8 CRR („Liquiditäts-Waiver“)“ angekündigt, Kreditinstitute auch im Falle einer Freistellung von Art. 412 CRR nicht von ihrer Verpflichtung zur Meldung zu befreien. Damit erhält die Aufsichtsbehörde einen intensiveren Einblick in die Risikotreiber der Liquiditätsuntergruppe.

  10. 10.

    Höchste Konsolidierungsstufe in EU (bzw. EWR bei Transponierung von CRR und CRD IV).

  11. 11.

    Höchste Konsolidierungsstufe im Mitgliedstaat, ungeachtet, ob das Institut einem anderen Institut im EWR nachgeordnet ist oder nicht.

  12. 12.

    Im Vergleich zu den Kapitalanforderungen nach CRR ist insgesamt zu bemerken, dass die europäische Liquiditätsregulierung grenzüberschreitende Sachverhalte weitgehend binnenmarktfördernd ausgestaltet und diesbezügliche Verfahren und Privilegierungen ermöglicht, siehe auch die Argumentation in Eur14b. Siehe auch die irritierende Formulierung in Erw.Gr. 15 letzter Satz delVO (EU) 61/2015.

  13. 13.

    Auch hier werden die Unterschiede zur bisherigen quantitativen Liquiditätsregulierung nach § 25 BWG i. d. F. BGBl. I Nr. 77/2011 offenkundig. Die österreichische Norm war vergangenheits- und durchschnittsorientiert und inkludierte kein Fremdwährungsrisiko. Zudem war eine Meldung nur auf unkonsolidierter Ebene erforderlich. Hingegen fordert die LCR eine zukunftsorientierte Cashflow-Sicht (im Nenner) auf Einzel- und konsolidierter Basis sowie in signifikanten Fremdwährungen.

  14. 14.

    Die zu meldenden Zeitbänder der NSFR reichen von „innerhalb von drei Monaten“ bis hin zu „nach zwölf Monaten“ (Art. 427 Abs. 2 CRR).

  15. 15.

    Quelle: Art 4 delVO (EU) 61/2015

  16. 16.

    Gemäß Art. 39 soll die LCR ab 1.10.2015 gelten. Als Einschleifregelung wurden die Vorgaben des Basler Ausschusses, wenn auch mit verspätetem Geltungsbeginn, übernommen. Demnach muss die LCR ab Oktober 2015 mit 60 %, aufbauend bis 100 % im Jahr 2018, eingehalten werden (Art. 38 delVO (EU) 61/2015).

  17. 17.

    Spiegelbildlich sind auch die Aufsichtsmaßnahmen durch die zuständigen Behörden zu sehen. So würde die Vorschreibung eines erhöhten Liquiditätspuffers in Stresszeiten zu potenziellen Zielkonflikten, insbesondere der Verhinderung des Ziels der effektiven Adressierung von Abflüssen, führen.

  18. 18.

    Angesicht der generellen Begrenzung der Anrechnung von Zuflüssen (75 %-Begrenzung) kann diese Situation nur bei Inanspruchnahme besonderer Ausnahmeregelungen, z. B. im Falle von Sonderbankgeschäftsmodellen (vgl. Art. 33 Abs. 3 delVO (EU) 61/2015), vorkommen.

  19. 19.

    Art. 25 Abs. 2 und 3 delVO (EU) 61/2015 erhöht den Abflussfaktor bei Privatkundeneinlagen in spezifizierten Fällen, etwa bei besonders hohem Einlagenumfang (€ 500.000), Bindung der Einlage an eine oder mehrere (komplexe) Benchmarks oder bei Vorliegen eines reinen Internetkontos (ohne physische Bankpräsenz). Je nach Kombination ist eine Abflussrate von 15 % oder 20 % anzunehmen (Art. 25 Abs. 3 delVO (EU) 61/2015). Die dadurch materiell weitgehend derogierten Leitlinien der EBA („EBA-Leitlinien zu Privatkundeneinlagen, die anderen Abflüssen unterliegen, GL (EBA) 1/2013“) können als Interpretationshilfe herangezogen werden.

  20. 20.

    So fallen grundsätzlich auch Einlagen im Liquiditätsverbund nach Art. 16 delVO unter den Begriff der operativen Einlage. In der Praxis dürfte diese Anerkennung jedoch durch die Anrechnung als HQLA i. S. d. Art. 16 delVO derogiert werden.

  21. 21.

    Quelle: BCB14a, Rz 2.

  22. 22.

    Siehe jedoch die Regelungen zur Bestandsgefährdung nach BWG: Eine Bestandsgefährdung nach § 22a Abs. 1 BWG liegt ua dann vor, wenn „die Liquiditätsdeckungsanforderung für einen Zeitraum von zumindest einer Meldeperiode gemäß Art. 412 Abs. 1 CRR nicht mehr erfüllt wird oder vom bevorstehenden Eintritt einer Nichterfüllung auszugehen ist“ (§ 22a Abs. 1 Z. 4 BWG). Bei der Prüfung der Voraussetzungen einer Bestandsgefährdung sind mögliche zusätzliche Mindesteigenmittelerfordernisse oder zusätzliche Liquiditätsanforderungen gemäß § 70 Abs. 4a Z. 1 und 11 BWG zu berücksichtigen (§ 22a Abs. 1 letzter Unterabsatz BWG).

  23. 23.

    Denkbar wäre hier etwa die Einrechnung des höchsten innerhalb der 30-Tage auftretenden Nettomittelabflusses im Nenner der LCR.

  24. 24.

    Weiterführend kann hier auf Hardy und Hochreiter (2014) verwiesen werden. Siehe zur Adressierung des systemischen Liquiditätsrisikos auch Ste14, S. 235f.

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Stern, T. (2017). Liquiditätsregulierung: LCR, NSFR und AMM. In: Cech, C., Helmreich, S. (eds) Meldewesen für Finanzinstitute. Springer Gabler, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-14616-0_7

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