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Das Lebensende als Randgebiet des Sozialen? Zur Praxis des ‚guten‘ Sterbens zu Hause am Beispiel der ambulanten Hospiz- und Palliativarbeit

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Zusammenfassung

Gutes’ Sterben heute ist ein professionell versorgtes, sozial begleitetes und im normativen Anspruch individuelles und selbstbestimmtes Sterben zu Hause. Mit dieser programmatischen und institutionell aufbereiteten Individualisierung des Sterbens soll die für die Moderne charakteristische prekäre Randexistenz des Sterbenden aufgehoben und der Sterbende gleichsam re-sozialisiert werden. Im vorliegenden Beitrag wird gezeigt, mit welchen Kommunikations- und Handlungsmustern, mit welchen ‚Sterbe-Dingen‘ die ehren- und hauptamtlichen, professionellen und Laien-‚Grenzarbeiter‘ ihrem Ziel des ‚guten‘ Sterbens folgen und damit das Lebensende als Randgebiet des Sozialen im Privaten für, mit oder zuweilen auch gegen die betroffenen ‚Randständigen‘ her- und sicherstellen – und welcher Zusammenhang mit sozialer Ungleichheit, Macht und Herrschaft dabei erkennbar ist.

Schlüsselwörter

Gutes’ Sterben Sterben zu Hause Hospiz Palliativ Privatheit Materialität Ambivalenz Ungleichheit Macht 

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Authors and Affiliations

  1. 1.AugsburgDeutschland

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