Advertisement

Prekäre Wissenschaftskarrieren und die Illusion der Chancengleichheit

  • Christina Möller
Chapter

Zusammenfassung

Christina Möller untersucht in ihrem Beitrag die Effekte von sozialer Herkunft auf die Erfolgs- und Karrierebedingungen von Wissenschaftler_innen und betrachtet diesen Zusammenhang im Kontext des gegenwärtigen strukturellen Wandels in der Wissenschaft. Wie Möller belegt, lässt sich parallel zur Ausweitung atypischer Beschäftigungsverhältnisse in der Wissenschaft und einer steigenden Verunsicherung der Berufsperspektiven des akademischen Mittelbaus in den letzten Jahren eine soziale Schließung innerhalb der Gruppe der Professor_innen beobachten. Die erhöhte Konkurrenzsituation im Feld produziert sozialstrukturelle Ausschlüsse, die insbesondere den Nachwuchs aus hochschulfernen sozialen Klassen betreffen. Doch auch Frauen und andere marginalisierte, insbesondere mehrfach benachteiligte Gruppen sind durch die jüngeren Prozesse der Hierarchisierung und Ausdifferenzierung des wissenschaftlichen Feldes mit alten und neuen sozialen Selektionsmechanismen konfrontiert.

Literatur

  1. „Abstrampeln für die Forschung“. Von Kathrin Fromm. Zeit online vom 4. September 2014. http://www.zeit.de/2014/35/wissenschaft-forschung-wissenschaftler. Zugegriffen: 26. Oktober 2016.
  2. BMBW [Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft] (1986). Das soziale Bild der Studentenschaft in der Bundesrepublik Deutschland. 11. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. Bad Honnef: Bock.Google Scholar
  3. Bourdieu, Pierre (1981). Klassenschicksal, individuelles Handeln und das Gesetz der Wahrscheinlichkeit. In Helmut Köhler, Beate Krais, Achim Leschinsky, & Gottfried Pfeffer (Hrsg.), Titel und Stelle. Über die Reproduktion sozialer Macht (S. 169–226). Frankfurt am Main: Europäische Verlagsanstalt.Google Scholar
  4. Bourdieu, Pierre, & Passeron, Jean-Claude (1971). Die Illusion der Chancengleichheit. Untersuchungen zur Soziologie des Bildungswesens am Beispiel Frankreichs. Stuttgart: Klett.Google Scholar
  5. Brendel, Sabine, & Metz-Göckel, Sigrid (2001). Das Studium ist schon die Hauptsache, aber … Maschinenbau, Wirtschafts- und Erziehungswissenschaften aus Sicht von Studierenden einer Universität und einer Fachhochschule im Revier. Bielefeld: Kleine Verlag.Google Scholar
  6. Burkhardt, Anke, & Nickel, Sigrun (2015). Die Juniorprofessur. Neue und alte Qualifizierungswege im Vergleich. Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  7. Deutscher Bundestag (1984). Entwurf eines Gesetzes über befristete Arbeitsverträge mit wissenschaftlichem Personal an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Bundestags-Drucksache 10/2283 vom 8. November 1984.Google Scholar
  8. Deutsches Studentenwerk (1957). Das soziale Bild der Studentenschaft in Westdeutschland und Berlin. 2. Sozialerhebung für das Jahr 1956. Bonn.Google Scholar
  9. Deutsches Studentenwerk (1974). Das soziale Bild der Studentenschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Ergebnisse der 7. Sozialerhebung für das Jahr 1973. Frankfurt am Main.Google Scholar
  10. Deutsches Studentenwerk (1964). Das soziale Bild der Studentenschaft in Westdeutschland und Berlin. 4. Sozialerhebung für das Jahr 1963. Bonn.Google Scholar
  11. Deutsches Studentenwerk (1977). Das soziale Bild der Studentenschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Ergebnisse der 8. Sozialerhebung für das Jahr 1976. Frankfurt a.M.Google Scholar
  12. Dörre, Klaus, & Neis, Matthias (2008). Geduldige Prekarier? Unsicherheit als Wegbegleiter wissenschaftlicher Karrieren. Forschung und Lehre 15 (10), 672–674.Google Scholar
  13. Engler, Steffani (2001). „In Einsamkeit und Freiheit“? Zur Konstruktion der wissenschaftlichen Persönlichkeit auf dem Weg zur Professur. Konstanz: UVK-Verl.-Ges.Google Scholar
  14. Findeisen, Ina (2011). Hürdenlauf zur Exzellenz. Karrierestufen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  15. Funken, Christiane, Rogge, Jan-Christoph, & Hörlin, Sinje (2015). Vertrackte Karrieren. Zum Wandel der Arbeitswelten in Wirtschaft und Wissenschaft. Frankfurt a.M.: Campus.Google Scholar
  16. „Gestatten, Dr. prekär. Eine Studie über die Lage der Doktoranden an der Universität.“ Von Torsten Harmsen. Berliner Zeitung vom 28. Februar 2009. http://www.zewk.tu-berlin.de/fileadmin/f12/Downloads/koop/tagungen/wiss_prekariat_09/10_Presse.Berliner_Zeitung.28.2.09.pdf. Zugegriffen: 26. Oktober 2016.
  17. GWK [Gemeinsame Wissenschaftskonferenz] (2015). Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung. 19. Fortschreibung des Datenmaterials (2013/2014) zu Frauen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen. Bonn: GWK.Google Scholar
  18. GWK [Gemeinsame Wissenschaftskonferenz] (2016). Weg frei für Exzellenzstrategie, für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Förderinitiative „Innovative Hochschule“. Pressemitteilung vom 17. Juni 2016. http://www.gwk-bonn.de/fileadmin/Pressemitteilungen/pm2016-09.pdf. Zugegriffen: 10. Oktober 2016.
  19. Hartmann, Michael (2002). Der Mythos von den Leistungseliten. Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft. Frankfurt a.M.: Campus.Google Scholar
  20. Hasenjürgen, Brigitte (1996). Soziale Macht im Wissenschaftsspiel. SozialwissenschaftlerInnen und FrauenforscherInnen an der Hochschule. Münster: Westfälisches Dampfboot.Google Scholar
  21. Jongmanns, Georg (2011). Evaluation des Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG). Gesetzesevaluation im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Hannover: HIS GmbH.Google Scholar
  22. Isserstedt, Wolfgang, Middendorff, Elke, Kandulla, Maren, Borchert, Lars, & Leszczensky, Michael (2010). Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2009. 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks durchgeführt von der HIS Hochschul-Informations-System. Bonn, Berlin.Google Scholar
  23. Konsortium Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs (2013). Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013. Statistische Daten und Forschungsbefunde zu Promovierenden und Promovierten in Deutschland. Bielefeld: Bertelsmann.Google Scholar
  24. Krais, Beate (2008). Wissenschaft als Lebensform. Die alltagspraktische Seite akademischer Karrieren. In Yvonne Haffner, & Beate Krais (Hrsg.), Arbeit als Lebensform? Beruflicher Erfolg, private Lebensführung und Chancengleichheit in akademischen Berufsfeldern (S. 177–211). Frankfurt a.M., New York: Campus.Google Scholar
  25. Lange-Vester, Andrea, Teiwes-Kügler, Christel (2013). Zwischen W3 und Hartz IV. Arbeitssituation und Perspektiven von wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Opladen: Verlag Barbara Budrich.Google Scholar
  26. Lenger, Alexander (2015). Arbeitskraftunternehmertum und projektbasierter Kapitalismus im wissenschaftlichen Feld. In Stephan Lessenich (Hrsg.), Routinen der Krise – Krise der Routinen. Verhandlungen des 37. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Trier 2014. Trier. http://publikationen.soziologie.de/index.php/kongressband/article/view/36/pdf_10. Zugegriffen: 10. Oktober 2016.
  27. Matthies, Hildegard, & Simon, Dagmar (Hrsg.) (2008). Wissenschaft unter Beobachtung. Effekte und Defekte von Evaluationen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  28. Merton, Robert K. (1985). Der Matthäus-Effekt in der Wissenschaft. In Robert K. Merton, Entwicklung und Wandel von Forschungsinteressen. Aufsätze zur Wissenschaftssoziologie (S. 147–171). Frankfurt a.M.: Suhrkamp.Google Scholar
  29. Middendorff, Elke, Apolinarski, Beate, Poskowsky, Jonas, Kandulla, Maren, & Netz, Nicolai (2013). Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in Deutschland 2012. 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks durchgeführt durch das HIS-Institut für Hochschulforschung, hrsg. vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Bonn: Bundesministerium für Bildung und Forschung.Google Scholar
  30. Miethe, Ingrid, Soremski, Regina, Suderland, Maja, Dierckx, Heike, & Kleber, Birthe (2015). Bildungsaufstieg in drei Generationen. Zum Zusammenhang von Herkunftsmilieu und Gesellschaftssystem im Ost-West-Vergleich. Opladen: Budrich.Google Scholar
  31. Mittelstraß, Jürgen (1982). Wissenschaft als Lebensform. Reden über philosophische Orientierungen in Wissenschaft und Universität. Frankfurt a.M.: Suhrkamp Taschenbuch Verlag.Google Scholar
  32. Möller, Christina (2015). Herkunft zählt (fast) immer. Soziale Ungleichheiten unter Universitätsprofessorinnen und -professoren. Weinheim, Basel: Beltz Juventa.Google Scholar
  33. Möller, Christina (2017). Internationalität und soziale Ungleichheit. Professor/-innen mit Migrationsbiografie an der Universität. In Aylâ Neusel, & Andrä Wolter (Hrsg.), Mobile Wissenschaft. Von der Internationalisierung der Hochschule zur transnationalen Wissenschaft. Reihe Hochschule und Gesellschaft (S. 311–332). Frankfurt a. M., New York: Campus.Google Scholar
  34. Münch, Richard (2011). Akademischer Kapitalismus. Über die politische Ökonomie der Hochschulreform. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.Google Scholar
  35. Nagl, Manfred, & Hill, Paul B. (2010). Professoren der Ingenieurwissenschaften und der Informatik: Eine Häufung sozialer Aufsteiger. Aachen. http://4ing-online.de/fileadmin/uploads/pdf/Befragungsbericht_soziale_Aufsteiger_23.10.09.pdf. Zugegriffen: 4. November 2016.
  36. Neckel, Sighard (2008). Flucht nach vorn. Die Erfolgskultur der Marktgesellschaft. Frankfurt a.M.: Campus.Google Scholar
  37. Neusel, Aylâ, & Wolter, Andrä (2016). Auf dem Weg zur Transnationalität? Eine explorative Studie über Professorinnen und Professoren mit Migrationsbiographie an deutschen Hochschulen. Das Hochschulwesen 64 (1+2), 42–54.Google Scholar
  38. Rogge, Jan-Christoph (2015). The winner takes it all? Die Zukunftsperspektiven des wissenschaftlichen Mittelbaus auf dem akademischen Quasi-Markt. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 67 (4), 685–707.Google Scholar
  39. „Die Tonnenideologie der Forschung“. Von Alfred Kieser. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. März 2016. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/akademische-rankings-die-tonnenideologie-der-forschung-1997844-p2.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2. Zugegriffen: 26. Oktober 2016.
  40. Weber, Max (2002 [1919]). Wissenschaft als Beruf. In Dirk Kaesler (Hrsg.), Max Weber: Schriften 1894–1922 (S. 474–513), Stuttgart: Kroener.Google Scholar
  41. Wirth, Angelika (2015). Es wird eng und enger – Der Stellenmarkt für Professuren im Jahr 2014. Forschung und Lehre (22) 12, 1016–1021.Google Scholar
  42. „Wissenschaft prekär: Kettenjobber, Leiharbeiter, Forschungsknechte“. Von Franziska Reif. Spiegel Online vom 29. Mai 2012. http://www.spiegel.de/karriere/wie-junge-wissenschaftler-an-den-unis-geknechtet-werden-a-835467.html. Zugegriffen: 26. Oktober 2016.
  43. Wissenschaftsrat (1982). Zur Problematik befristeter Arbeitsverhältnisse mit wissenschaftlichen Mitarbeitern. Köln: Wissenschaftsrat.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.DortmundDeutschland

Personalised recommendations