Dienststellenentwicklung – die Aufgabe des Höheren Polizeivollzugsdienstes

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Zusammenfassung

Die Dienststelle ist als Subsystem der umfassenden Polizeiorganisation zu verstehen – seine relevante Umwelt sind demnach übergeordnete Behördenebenen, aber auch das regionale Handlungsfeld, in dem die Dienststelle agieren muss. Die Führung einer Basisorganisationseinheit muss dabei zwei zentrale Aufgaben bewältigen: a) das sensible Management ihrer Umwelt bzw. ihres Kontextes sowie b) die Bearbeitung der internen Organisationsanforderungen, der dabei auftretenden Spannungen, Widersprüche und oft schlecht definierten Situationen. Diese beiden Handlungsfelder bestimmen in ihrer jeweiligen Eigenlogik sowie ihrer Spannung zueinander die Führung der Dienststelle. In diesem Sinne nimmt der Beitrag eine dezidiert organisationssoziologische Perspektive ein. Die zentrale Grundannahme lautet: Gerade die Organisationssoziologie kann die Komplexität, Widersprüchlichkeit und Dynamik der gelebten Alltagsorganisation verständlich machen und für die Professionalität der hier notwendigen Führungsarbeit a) Orientierungswissen, b) brauchbare Führungsinstrumente sowie c) die notwendige Rollenreflexion bereitstellen. Der hier dargelegte Ansatz unterscheidet sich demnach von organisationspsychologischen Angeboten und klassischen Managementkonzepten, die eher von einem (motivations-)technischen Steuerungsoptimismus geprägt sind als von der unmittelbaren Erfahrung der Führung in komplexen Organisationen wie der Polizei. Zielgruppe dieses Textes sind Dienststellenleitungen im Gehobenen wie im Höheren Polizeivollzugsdienst.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Deutsche Hochschule der PolizeiMünsterDeutschland

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