Advertisement

Woher kommt der Wunsch nach größerer Selbstbestimmung für Schottland?

  • Roland SturmEmail author
Chapter
Part of the essentials book series (ESSENT)

Zusammenfassung

Zur Beantwortung dieser Frage ist es wichtig, zwischen der Autonomie der schottischen Gesellschaft und dem politischen Projekt einer eigenen schottischen Staatlichkeit zu unterscheiden. Die Autonomie der schottischen Gesellschaft hat historische Wurzeln und wurde im Vereinigten Königreich nie in Frage gestellt. Sie basiert auf der Art und Weise wie das Vereinigte Königreich entstand – weitgehend nicht durch Zwang, sondern durch Vertrag. Schon 1603 wurde Schottland mit England und Irland durch einen dynastischen Zufall vereinigt. Mit dem Tode Königin Elisabeth I starb die Linie der Tudors aus, und der Stuart König Jakob VI von Schottland übernahm den Thron in London als Jakob I (Union of the Crowns). Dieser dynastische Zufall hatte keine besonderen Folgen für die Eigenständigkeit der schottischen Gesellschaft. 1707 verabschiedeten die Parlamente in Edinburgh und London Gesetze, um durch die Vereinigung beider Parlamente, eine Union beider Länder zu schaffen (Union of Parliaments). Schottland war wegen eines fehlgeschlagenen kolonialen Abenteuers in Panama (Gründung einer Kolonie „Caledonia“) und dem damit gescheiterten Versuch, Welthandelsnation zu werden, Ende des 17. Jahrhunderts finanziell erschöpft. Die Einsicht wuchs, dass sich wirtschaftliche Interessen besser mit als gegen England verwirklichen ließen. England bot die Union mit Schottland den Vorteil, dass Schottland in Zukunft keinen Anspruch mehr auf die englische Krone erheben konnte. Auch wenn umstritten ist, wie beliebt die Entscheidung in Schottland war und wieviel Geld an wen floss, um diese Entscheidung zu erleichtern, bleibt festzuhalten, dass die Parlamentsunion für Schottland keine völlige Anpassung des Landes an die Vorgaben einer englischen Vorherrschaft bedeutete. Schottland wurde in wichtigen gesellschaftlichen Bereichen weiterhin Autonomie zugesichert.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-NürnbergErlangenDeutschland

Personalised recommendations