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Interview mit dem Jobsharing-Team Katja Geiger und Anja Wreesmann

  • Brigitte Abrell
Chapter

Zusammenfassung

Anja Wreesmann ist alleinerziehend mit Kind, ihre Tochter ist zum Zeitpunkt des Interviews sieben Jahre alt. Sie arbeitet in 85 % Teilzeit. Katja Geiger ist verheiratet und hat zwei Kinder, zum Zeitpunkt des Interviews sechs und elf Jahre alt. Sie arbeitet in 45 % Teilzeit. Zusammen leiten die beiden die Abteilung Kundenservicecenter (1,3-Stelle) bei der Kreissparkasse Augsburg und sind für 45 Mitarbeiterzuständig. Das Tandem besteht seit drei Jahren.

Anja Wreesmann ist alleinerziehend mit Kind, ihre Tochter ist zum Zeitpunkt des Interviews sieben Jahre alt. Sie arbeitet in 85 % Teilzeit.

Katja Geiger ist verheiratet und hat zwei Kinder, zum Zeitpunkt des Interviews sechs und elf Jahre alt. Sie arbeitet in 45 % Teilzeit.

Zusammen leiten die beiden die Abteilung Kundenservicecenter (1,3-Stelle) bei der Kreissparkasse Augsburg und sind für 45 Mitarbeiterzuständig. Das Tandem besteht seit drei Jahren. Die Kreissparkasse Augsburg hat zirka 700 Mitarbeiter, davon sind 60 % Frauen. Seit 2008 lässt sich das Unternehmen regelmäßig durch das Audit berufundfamilie für seine familienfreundliche Personalpolitik zertifizieren (das Teilzeitmodell siehe Abb.  13.1 ).
Abb. 13.1

Job-Sharing-Modell von Katja Geiger und Anja Wreesmann

Frau Geiger, Frau Wreesmann, wie kam es zu Ihrem Arbeitszeitmodell Jobsharing?

Geiger: Dieses Kundenservicecenter habe ich zusammen mit einer anderen Kollegin aufgebaut, auch damals schon im Jobsharing-Modell. Aus familiären und beruflichen Gründen haben meine Tandempartner zweimal gewechselt. Auch nach der letzten Veränderung wurde wieder eine Partnerin für mich gesucht. Ich wurde an der Personalauswahl beteiligt und habe mich für eine Kollegin aus meinem Team entschieden, die früher ein Servicecenter bei einer anderen Bank geleitet hat, und das ist Anja. Für das Entgegenkommen meines Arbeitgebers bei diesem Teilzeitmodell bin ich sehr dankbar.

Wreesmann: Als ich nach meinen drei Jahren Elternzeit zur Kreissparkasse gewechselt bin, war ich mir nicht sicher, ob ich, aufgrund der neuen familiären Situation, wieder eine Führungsaufgabe übernehmen will. Im Arbeitsalltag merkte ich jedoch schnell, dass mir mein früherer Job fehlte. Daher freute ich mich sehr über das Angebot, im Jobsharing führen zu können. Ich bin froh und dankbar, dass mir diese Stelle hier angeboten wurde.

Wann erbringen Sie Ihre Arbeitszeit?

Wreesmann: Ich arbeite an fünf Tagen die Woche, in der Regel von 8.30 Uhr bis 15.30 Uhr. Am Montag vom Home-Office aus. An einem Tag in der Woche bin ich meistens länger da. Das ist oft der Donnerstag, wenn meine Tochter beim Tanzen ist und ich eine längere Arbeitszeit gut einrichten kann. Es ist mir wichtig, Präsenz bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu zeigen, von denen auch längere Arbeitszeiten erwartet werden.

Geiger: Ich habe zwei ganze Arbeitstage in der Woche, den Montag und den Mittwoch. Der Mittwoch ist der Tag, an dem wir beide gleichzeitig im Büro sind. Um mir das Arbeiten zu ermöglichen, tritt meine Schwiegermutter beruflich kürzer und betreut an diesen Tagen unsere Kinder.

Ist es für Sie wichtig, dass sich Ihre Arbeitszeit an einem Tag überschneidet?

Geiger: Ja, wir telefonieren auch am Montag miteinander, um uns abzustimmen, doch der persönliche Kontakt am Mittwoch ist am effektivsten, besser als sich nur per E-Mail auszutauschen. Und dann ist es einfach schön, einen Tag im Team zu arbeiten.

Wie ist die Vertretung geregelt?

Geiger: Wir vertreten uns im Urlaub gegenseitig und stimmen uns bei der Planung selbstverständlich ab. Wenn ich Anja vertrete, bleibe ich an meinen beiden Arbeitstagen länger im Büro, damit ich alle dringlichen Arbeiten erledigen kann und nichts liegen bleibt.

Wreesmann: Einige Aufgaben kann man auch mal verschieben, bis wir wieder die normale Besetzung haben. Das funktioniert in dieser Form gut. Die gleiche Vertretung gilt für Krankheitstage. Sollte einer von uns beiden längere Zeit ausfallen, können wir in dieser Zeit zusätzlich Aufgaben an unsere Gruppenleiter abgeben. Dafür sind wir alle zusammen ein sehr gutes Team.

Wie teilen Sie die Arbeit untereinander auf?

Wreesmann: Wir haben die Aufgaben nach Gebieten unterteilt, damit sich nicht jeder um alles kümmern muss. Die ursprüngliche Einteilung, die wir beim Start unseres Tandems abgesprochen haben, hat sich im Laufe der Zeit zu einer Arbeitsteilung entwickelt, die unsere unterschiedlichen Stärken berücksichtigt. Ich bin beispielsweise ein Zahlenmensch und habe deshalb mehr diesen Bereich übernommen und Katja hat ihren Schwerpunkt in der Personalführung. Aber wir kennen uns im Thema der jeweils anderen so weit aus, dass wir uns gegenseitig vertreten können.

Geiger: Mir ist wichtig, dass jeder seinen eigenen Bereich beim Jobsharing hat, in dem er seine Stärken ausleben kann, denn Anja und ich sind ungleiche Persönlichkeiten und können uns deshalb sehr gut ergänzen.

Treffen Sie Entscheidungen generell gemeinsam?

Geiger: Entscheidungen, die sofort getroffen werden müssen, trifft jeweils der, der gerade da ist. Das Ergebnis akzeptiert und trägt die Partnerin mit. Grundsätzliche Dinge diskutieren wir schon und teilen uns auch gegenseitig unsere Bauchschmerzen mit. Aber wenn wir zu einer gemeinsamen Entscheidung gekommen sind, wird diese hinterher nicht mehr infrage gestellt, auch wenn es mal eine Fehlentscheidung war. Dann haben WIR diese Entscheidung getroffen und dann werden WIR auch die Suppe auslöffeln.

Wreesmann: In unsere Überlegungen fließen immer die Erfahrungen von uns beiden ein. Wo zwei Köpfe denken, werden Entscheidungen sicherer.

Wer nimmt an Meetings teil?

Wreesmann: Da ich den höheren Zeitanteil habe, nehme ich an den meisten Meetings und Besprechungen teil und gebe die Informationen weiter.

Geiger: Ich würde mir schon wünschen, zeitweise auch dabei zu sein. Leider werden unsere Arbeitszeiten bei der Planung oft nicht berücksichtigt.

Wer ist der Chef gegenüber den Mitarbeitern?

Wreesmann: Wir beide. Wir haben anfangs versucht, eine Aufteilung vorzunehmen, aber das hat sich nicht bewährt. Heute sind wir beide für alle Mitarbeiter zuständig und wechseln uns beispielsweise auch bei den Betreuungsgesprächen ab. Dabei unterhalten wir uns vierteljährlich mit jedem einzelnen Mitarbeiter über deren Zielerreichung, geben und holen Feedback ein und besprechen den weiteren Weg.

Geiger: Bei den alle drei Jahre stattfindenden Beurteilungsgesprächen stimmen wir uns gegenseitig und auch mit den fachlich vorgesetzten Gruppenleitern über unsere Einschätzung ab.

Wird versucht, Sie gegeneinander auszuspielen?

Wreesmann: Normalerweise nicht, aber wir bieten auch keine Gelegenheit dazu. Wir sprechen uns eng ab, vor allem in den Fällen, in denen es unserer Erfahrung nach besonders wichtig ist.

Geiger: Wir übernehmen beispielsweise auch beide die Moderation von Teammeetings und unterteilen dabei die Mitarbeiter in Gruppen. Mit zwei Teams arbeitet Anja und ich mit den anderen. Um für eine einheitlich Ausrichtung zu sorgen, ist es notwendig, sich vorher auf gleichlautende Aussagen zu verständigen.

Ist Ihr Modell bei den Mitarbeiten akzeptiert?

Geiger: Auf jeden Fall, aber wir bemühen uns auch sehr um ein gutes Einvernehmen und eine persönliche Note im Team, das hauptsächlich aus berufstätigen Müttern und Vätern besteht. Die Rückmeldung in unserem persönlichen Monitoring war sehr positiv und bestärkt uns auf unserem Weg.

Wreesmann: Natürlich ist es so, dass zwei unterschiedliche Charaktere voneinander abweichende Schwerpunkte haben, auch verschiedene Ansätze und Ideen zur Personalführung. Damit umzugehen war anfangs sowohl für uns selbst als auch für unsere Mitarbeiter nicht immer einfach. Mittlerweile hat sich diese Konstellation bei allen Beteiligten gut eingespielt und wird ohne Weiteres akzeptiert.

Und bei den Vorgesetzten und Kollegen?

Geiger: Von unserem direkten Vorgesetzten wird unsere Arbeit sehr geschätzt. Wir haben viel Freiraum, die Art und Weise wie wir unsere Aufgaben erledigen wollen, zu gestalten. Er schenkt uns sein Vertrauen und gibt uns Rückhalt.

Wreesmann: Im Kollegenkreis sind wir schon Exotinnen, zumal wir fast die einzigen Frauen im Führungsbereich sind und auch die einzigen mit diesem Arbeitsmodell. Wir verhalten uns wahrscheinlich in Teilbereichen anders als die Männer, aber es ist enorm wichtig in der Männerwelt dabei zu sein und aus Sicht der Frauen zu agieren. Schließlich haben wir im Haus einen sehr hohen Anteil an weiblichen Mitarbeitern.

Können Sie in Teilzeit weiter befördert werden?

Geiger: Bisher wurde mir noch kein Angebot gemacht. Ich müsste auf jeden Fall meine Teilzeitquote auf mindestens 60 % erhöhen. Darüber würde ich schon nachdenken und dann auch gerne einen Teil der Arbeit von zuhause aus erledigen. Eine Frau in Teilzeit zu befördern wäre jedenfalls eine deutliche Geste und auch eine gute Werbung für unser Haus.

Wreesmann: Da bei uns Führungsstellen auch in Teilzeit angeboten werden, ist eine Beförderung grundsätzlich möglich. Es gab allerdings schon länger keine gehobenen Positionen mehr zu vergeben, deshalb habe ich mir persönlich keine Gedanken über einen Funktionswechsel gemacht.

Welche Erfahrung machen Sie mit dem Home-Office?

Wreesmann: Das Home-Office hat den Vorteil, dass ich an diesem Tag flexibler bin als an anderen und auch mal einen privaten Termin erledigen kann. Außerdem hole ich am Montag regelmäßig meine Tochter von der Schule ab und esse mit ihr zusammen zu Mittag. Das wünscht sie sich zur Abwechslung von der Nachmittagsbetreuung, zu der sie an den anderen Tagen gerne hingeht. Meine Tochter weiß, dass ich nach unserer Mittagspause noch arbeiten muss. In dieser Zeit macht sie entweder ihre Hausaufgaben oder geht spielen.

Worauf müssen Führungskräfte achten, wenn sie im Jobsharing-Modell arbeiten?

Geiger: Entscheidend ist es, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Sich gegenseitig zu vertrauen und ein gutes Bauchgefühl in der Zusammenarbeit zu haben. Ich finde es auch wichtig, sich gut zu ergänzen und sich nicht zu ähnlich zu sein, sich keinen Zwilling als Partner zu suchen!

Wreesmann: Genau, klare Aufgabenteilung zu haben, keine Machtkämpfe auszufechten und sich konsequent an Abmachungen zu halten erleichtert einiges.

Wie findet man einen geeigneten Jobsharing-Partner?

Geiger: Den findet man. In unserem Unternehmen arbeiten zirka 700 Mitarbeiter. Da gibt es viele Mütter, die gerne wieder arbeiten würden.

Welche Fehler sollte eine Führungskraft in einem Tandem vermeiden?

Wreesmann: Man darf nicht alles selbst machen wollen. Entscheidungen und unterschiedliche Ansichten sind grundsätzlich hinter verschlossenen Türen zu besprechen. Diese Diskussionen gibt es, doch letztendlich findet sich immer eine Lösung, die wir beide vertreten können.

Hinweis:

Die Interviews wurden im Zeitraum von Juni 2013 bis August 2014 geführt. Inzwischen können sich Änderungen in der beruflichen und persönlichen Situation der Interviewpartner ergeben haben.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.Abrell CoachingMemmingenDeutschland

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