Übergriffiger Staat und störrische Zivilgesellschaft?

Internationale Freiwilligendienste zwischen Subsidiarität und politischer Verantwortung
Chapter
Part of the Bürgergesellschaft und Demokratie book series (BÜD, volume 44)

Zusammenfassung

Das Verhältnis zwischen Staat und Zivilgesellschaft in den Freiwilligendiensten wird viel diskutiert und wenig analysiert. Dieser Beitrag analysiert die Rollenverteilung zwischen Staat und Zivilgesellschaft in den „deutschen“ internationalen Freiwilligendiensten. Damit sind von Deutschland aus angebotene unterschiedliche Formate wie weltwärts oder der Internationale Jugendfreiwilligendienst (IJFD) gemeint.

Nach einer kurzen Vorstellung der Besonderheiten internationaler Freiwilligendienste besteht die vorliegende Untersuchung aus zwei Teilen: Der erste Teil stellt einige theoretische Zugänge zum Verhältnis zwischen Staat und Zivilgesellschaft vor und hat dabei stets die internationalen Freiwilligendienste im Blick. Dabei wird deutlich, dass das Prinzip der politischen Verantwortung dem Subsidiaritätsprinzip Grenzen aufzeigt.

Der empirische Teil beleuchtet die konkrete Aufgabenverteilung zwischen zivilgesellschaftlichen Trägern und staatlichen Förderern in den unterschiedlichen Dienstformen. In der Praxis zeigt sich, dass das Verhältnis zwischen Staat und Zivilgesellschaft in den internationalen Freiwilligendiensten sehr unterschiedliche Ausprägungen aufweist, innerhalb der jeweiligen Dienstform jedoch recht konsistent ist.

Schlüsselwörter

Bürokratietheorien Dritter Sektor Gemeinwohlorientierung Ownership Prinzipal-Agent-Theorie Subsidiaritätsprinzip 

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Authors and Affiliations

  1. 1.Lehrstuhl für Vergleichende PolitikwissenschaftUniversität zu KölnKölnDeutschland
  2. 2.Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche FakultätUniversität zu KölnKölnDeutschland

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