Advertisement

Krise, Krisenmanagement und Krisenkommunikation

Chapter
  • 17k Downloads

Zusammenfassung

Der vorliegende Beitrag setzt bei der Definition von Krisen an. Eine Krise ist die Störung einer Gewohnheit. Im engeren Sinn ist eine Krise ein Prozess mit vier Variablen latenter Ungewissheit. An diese Definitionen schließt sich eine Betrachtung des Verhältnisses von Krise und Kommunikation an. Sie erklärt zum einen, dass Krisen als Störung von Gewohnheit Aktualität besitzen und damit notwendig Gegenstand öffentlicher Aufmerksamkeit werden. Krisenkommunikation ist von daher ein Normalfall, der aber gerade deshalb eines Regelwerks für Ungeregeltes bedarf. Unter Rückgriff auf Strukturen der Mediengesellschaft zeigt sich weiterhin, dass auf der gesellschaftlichen Ebene Risiken und Krisen generell zunehmen werden und zum anderen, dass der Vormarsch von Fiktionen und die Auflösung des Wahrheitsbegriffes die Kommunikation nicht nur komplexer, sondern selbst auch riskanter machen: Krisen können – der Fall Brent Spar ist der prominente Kronzeuge – durch Kommunikation nicht nur beigelegt, sondern auch herbeikommuniziert werden. Dabei zeigt sich auch, dass Krisenkommunikation nicht heißen kann, Prinzipien der Unternehmenskommunikation im Ernstfall zu fluten, sondern sie ganz im Gegenteil gerade dann zu befolgen: Es fehlt an einer systematischen Aufarbeitung von klugen Strategien und daraus gewonnenen Erfahrungen. Change Management kann als Sonderfall von Krisenmanagement begriffen werden, so dass die Bestände an Erkenntnissen und Erfahrungen von Change Kommunikation und Krisenkommunikation aufgeschlüsselt und füreinander fruchtbar gemacht werden können. Die steigende Zahl von Krisen und die damit steigende Relevanz von Krisenmanagement rufen nach mehr gesichertem Wissen.

Literatur

  1. Baerns, B., & Joachim, K. (1996). Fehlfunktion im Mediensystem. Brent Spar und die Medien, Sage & Schreibe, 2, 20–21.Google Scholar
  2. Bateson, G. (1981). Ökologie des Geistes. Frankfurt: Suhrkamp.Google Scholar
  3. Beck, U. (1986). Risikogesellschaft Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt am Main: Suhrkamp.Google Scholar
  4. Berg, K., & Kiefer, M.-L. (1996). Massenkommunikation 5 Eine Langzeitstudie zur Mediennutzung. Baden: Nomos.Google Scholar
  5. Bruhn, M. (1992). Integrierte Unternehmenskommunikation. Ansatzpunkte für eine strategische und operative Umsetzung integrierter Kommunikationsarbeit. Stuttgart: Poeschel.Google Scholar
  6. Burke, K. (1961). The Rhetoric of Religion. New York: Beacon.Google Scholar
  7. Deekeling, E., & Oliver, B. (2003). Identity Management – Die große Herausforderung im Corporate Change. In G. Bentele., P. Manfred., S. Gregor (Hrsg.), Kommunikationsmanagement (Loseblattsammlung).(S. 1–16). Neuwied: Luchterhand  Kap. 1.18.
  8. Shell, D. (1995). Die Ereignisse um Brent Spar in Deutschland, Als Man. verv. Hamburg: Deutsche Shell.Google Scholar
  9. Frenkel-Brunswik, E. (1949). Intolerance of Ambiguity. Journal of Personality, 18, 108–143.CrossRefGoogle Scholar
  10. Grunig, J. E., & Todd, H. (1984). Managing public relations. Fort Worth: Harcourt Brace.Google Scholar
  11. Hecker, S. (1997). Kommunikation in ökologischen Unternehmenskrisen. Der Fall Shell und Brent Spar. Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  12. Jaspers, K. (1979): Die geistige Situation der Zeit. (Bd. 5). De Gruyter: Berlin New York (11932).Google Scholar
  13. Jodeleit, B. (2010). Social media relations. Heidelberg: dpunkt.verlag.Google Scholar
  14. Johanssen, K. P. (1998). Betrachtungen zu einem Krisenfall [“Brent Spar”]. Public Relations Forum, 4 (3), 169–172.Google Scholar
  15. Kepplinger, H. M. (1978). Kommunikation in der Ölkrise des Winters 1973. Ein Paradigma für Wirkungsstudien. Publizistik, 23, 337–356.Google Scholar
  16. Kepplinger, H. M. (2005). Die Mechanismen der Skandalisierung. München: Olzog.Google Scholar
  17. Knebel, H.-J. (1970). Ansätze zu einer soziologischen Metatheorie subjektiver und sozialer Systeme. Stuttgart: Enke.Google Scholar
  18. Kocks, K. (1998). PR-Krisen durch Krisen-PR? In M. Klaus, & Z. Rainer (Hrsg.), Das Handbuch der Unternehmenskommunikation. Köln u. a. (S. 134–140). Luchterhand: Verlag Deutscher Wirtschaftsdienst.Google Scholar
  19. Krusche, B. (2008). Paradoxien der Führung. Aufgaben und Funktionen für ein zukunftsfähiges Management. Heidelberg: Auer.Google Scholar
  20. Laumer, R., & Jürgen, P. (Hrsg.). (2006). Krisen-PR in der Praxis. Wie Kommunikations-Profis mit Krisen umgehen. Münster: Daedalus.Google Scholar
  21. Luhmann, N. (2003). Einführung in die Systemtheorie. Darmstadt: Wiss. Buchgesellschaft.Google Scholar
  22. Merten, K. (1973). Aktualität und Publizität. Publizistik, (18), 216–235.Google Scholar
  23. Merten, K. (2005). Zur Ausdifferenzierung der Mediengesellschaft: Wirklichkeitsmanagement als Suche nach Wahrheit. In A. Klaus & N. Christoph (Hrsg.), Alte Medien – Neue Medien. Festschrift für Jan Tonnemacher (S. 21–39). Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  24. Merten, K. (2006). Nur wer lügt kann kommunizieren. pressesprecher, 4, (1), 22–25.Google Scholar
  25. Merten, K. (2008). Einführung in die Kommunikationswissenschaft. (Vol. 3). Münster/London: Lit.Google Scholar
  26. Merten, K. (2009). Zur Theorie des Gerüchts. Publizistik 54, (1), 15–42.Google Scholar
  27. Merten, K. (2013). Konzeption von Kommunikation. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  28. Mintzberg, H. (1973). The Nature of Managerial Work. New York: Harper & Row.Google Scholar
  29. Neujahr, E. (Hrsg.). (2005). PR in schwierigen Zeiten: SOS-Krise: souverän – orientiert – sicher. München: Meidenbauer.Google Scholar
  30. Oelert, Jochen (2003). Internes Kommunikationsmanagement. Rahmenfaktoren, Gestaltungsansätze und Aufgabenfelder. Wiesbaden.Google Scholar
  31. Popper, K. R. (1984). Auf der Suche nach einer besseren Welt. München: Piper Piper.Google Scholar
  32. Scherler, P. (1996). Kommunikation mit externen Anspruchsgruppen als Erfolgsfaktor im Krisenmanagement eines Konzerns. Erfahrungen aus dem Fall Brent Spar (Greenpeace vs. Shell). Basel: Helbing & Lichtenhahn.Google Scholar
  33. Steinmann, H., & Georg, S. (1993). Management. Grundlagen der Unternehmensführung, Bd. 3. Wiesbaden: Gabler.Google Scholar
  34. Thießen, A. (2011). Organisationskommunikation in Krisen. prmagazin 42(7), 68–73.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

Authors and Affiliations

  1. 1. Institut für KommunikationswissenschaftWestfälische Wilhelms-Universität MünsterMünsterDeutschland

Personalised recommendations