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Die Sozialität des Erinnerns

Part of the series Soziales Gedächtnis, Erinnern und Vergessen – Memory Studies pp 39-58

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Gedächtnis, Wissensvorrat und symbolische Form. Zwei Vorschläge aus Wissenssoziologie und Kulturphilosophie

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Zusammenfassung

Zur weiteren theoretischen Durchdringung des Forschungsfelds der memory studies schlage ich zum einen vor, Gedächtnis als denjenigen Teil des individuellen wie des kollektiven Wissensvorrats zu verstehen, der die Vergangenheit zum Inhalt hat. Ich gehe dabei von der sozialkonstruktivistischen Wissenssoziologie Peter L. Bergers und Thomas Luckmanns sowie Alfred Schütz’ Lebenswelt-Analyse aus und mache sie für eine Systematisierung der Befunde empirischer memory studies fruchtbar. Zum anderen muss die Beschreibung der kulturellen Existenz des Menschen als animal symbolicum um das Kapitel der Erinnerung erweitert werden. Was Ernst Cassirer als die symbolische Form der Geschichte beschrieb, soll hier daher als die symbolische Form Erinnerungskultur verstanden werden. Erinnerungskulturen sorgen dafür, gesellschaftlichen Zusammenhalt herzustellen, vor allem, indem sie helfen, Wirklichkeit herzustellen und Legitimationskrisen zu bewältigen. Während Cassirer sich jedoch auf die Historiographie bezog, erweitert mein Vorschlag sein Verständnis auf alle – auch alltäglichen – Formen kollektiver Erinnerung.