Narration und Argument in der Politik: Die erzähltheoretische Kategorie der Fiktionalität in der Autorisierungstheorie von Hobbes’ Leviathan

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Zusammenfassung

Der Aufsatz kritisiert die Standarddeutung der Autorisierungstheorie in Hobbes’ Leviathan und bezieht damit zugleich Stellung zu der in der Hobbes-Forschung nach wie vor umstrittenen Frage nach Hobbes als einem Wegbereiter des Liberalismus. Es wird dafür argumentiert, dass es sich bei der Autorisierungstheorie um eine Theorie bedingter Autorisierung handelt und Hobbes durch die bewusste Verwendung der Kategorie der Fiktionalität deutlich macht, dass die Rechtmäßigkeit der künstlichen Person des Staates von der Anerkennung durch deren Autoren abhängig ist. Für die Erforschung narrativer Formen des politischen Denkens können aus dieser Analyse Schlussfolgerungen gezogen werden: Narration und Argument sind in politiktheoretischen Texten nicht nur oftmals eng verbunden, sondern sind daneben auch nicht von vornherein auf gegensätzliche Funktionen, etwa der Herrschaftsstabilisierung oder -kritik, festgelegt. Es wird gezeigt, dass Narrationen durchaus herrschaftskritisches Potential besitzen können, wenn sie mit einer Reflexion auf die besonderen Merkmale von Narrationen verbunden werden: Die Fiktionalität von Narrationen kann als Argument für die Grenzen fiktiver Entitäten, wie es Souverän oder Untertan sind, herangezogen werden.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.Lehrstuhl für politische PhilosophieInstitut für Politikwissenschaft der Universität Erlangen-NürnbergErlangenDeutschland

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