Zwischen Fiktion und historischer Wahrheit: Die Autobiographie Arnold Brechts als narrative Form politischen Denkens

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Zusammenfassung

Autobiographien stellen aus narrationstheoretischer Perspektive eine besondere Textgattung dar, da die Übergänge zwischen historischer Wahrheit und autobiographischer Fiktion fließend sind. Die erzählte Lebensgeschichte, die mit der tatsächlichen Geschichte nicht übereinstimmen muss, ist Teil des „autobiographischen Pakts“ (Lejeune), in dem Autor, Erzähler und Protagonist identisch sind. Die Autobiographie von Arnold Brecht ist besonders gut dafür geeignet, das Methodenarsenal der politischen Ideengeschichte mit jenem der Narrationstheorie zu verknüpfen. Brechts Entgegensetzung von „Politikferne“ und eminent politischem Denken ist eines der Narrative seiner Autobiographie, die wiederum selbst als Narrativ auf drei Ebenen fungiert: in ihr drückt sich erstens das Selbstbild der Person Arnold Brecht aus; zweitens kann sie gelesen werden als historisch-politisches Zeugnis und zugleich als politisch-wissenschaftliche Stellungnahme jener Zeit, in der Brecht seine Autobiographie schrieb; und drittens wirkt sie als geschichtspolitisches Narrativ mit Blick auf jene Zeit, von der hier erzählt wird.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Politik- und KommunikationswissenschaftUniversität GreifswaldGreifswaldDeutschland

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