„All sorrows can be borne if you put them in a story“. Funktionen der Narrativität für das politische Denken bei Hannah Arendt

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Zusammenfassung

„All sorrows can be borne if you put them in a story“: Dieses Motto stellt Hannah Arendt dem Kernkapitel ihres handlungstheoretischen Hauptwerks Vita activa voran. Der Beitrag zeigt, dass eine solche Aussage an derart exponierter Stelle weniger verwunderlich ist, als es zunächst erscheint. Geschichten erzählen ist bei Arendt meist eng verknüpft mit Geschichte erzählen. Sie will vergangene Erfahrungen für die Gegenwart fruchtbar machen. Dabei wendet sie sich einer eigentümlichen, nicht-traditionellen Weise der Geschichtsschreibung zu. Diese soll nicht konservieren, sondern vielmehr neue Zusammenhänge aufzeigen und das Althergebrachte aufbrechen. So wird es möglich, die Vergangenheit mit neuen Augen zu betrachten und neue Kontexte aufzuwerfen, in denen sie uns bis heute noch etwas zu sagen hat. Erst ein derartiges narrativ geprägtes Verstehen kann zu einem tatsächlichen Neuanfang führen. Gerade bei Sachverhalten der zwischenmenschlichen Angelegenheiten, die sich einer rein rationalen Wissenschaftslogik entziehen, kann sich ein solches Vorgehen als angemessen erweisen.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für PolitikwissenschaftUniversität RegensburgRegensburgDeutschland

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