Die große Erzählung von der geglückten Volksherrschaft und deren literarische Störung – Eine exemplarische Darlegung anhand vergessener Romane der Zwischenkriegszeit

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Zusammenfassung

Narrative sind Erzählungen, die Wirklichkeit hervorbringen, Deutungen stabilisieren und derart naturalisieren, dass alternative Denkmöglichkeiten ausgeschlossen scheinen. Ein prominentes Beispiel ist die Erzählung der Demokratie als geglückte Errungenschaft „unserer“ Kultur, auch wenn dieses Narrativ mit Erfahrungen im politischen Feld, das weitgehend über Ausschlussprinzipien funktioniert (vgl. Bourdieu), nicht vereinbar ist. Schon lange bevor postdemokratische Phänomene theoretisch gefasst wurden, finden sich in der literarischen Moderne Gegenerzählungen, in denen derartige Exklusionsmechanismen veranschaulicht sind. Dieser Beitrag zeigt am Beispiel fundamentaler Wechsel von Sicht- und Teilungsprinzipien (Bourdieu) den Nutzen bzw. die politische Notwendigkeit einer disziplinenübergreifenden Forschung auf, die die Aufteilung des Sinnlichen (Rancière) als Angelegenheit von Wissenschaft, Politik und Kunst begreift.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für GermanistikUniveristät WienWienÖsterreich

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