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Klassenunterschiede im Zugang zu transnationalem Humankapital. Eine qualitative Studie zu schulischen Auslandsaufenthalten

Part of the Sozialstrukturanalyse book series (SSA)

Zusammenfassung

Um an Prozessen der Globalisierung partizipieren zu können, wird die Verfügung über transnationales Humankapital (Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle Kompetenzen etc.) zu einer zunehmend bedeutsamen Ressource. Ein Auslandsaufenthalt während der Schulzeit ist eine effektive Variante, dieses Kapital zu erwerben. Auf der Grundlage von Leitfadeninterviews mit Eltern schulpflichtiger Jugendlicher und mit Bezugnahme auf die Theorie Pierre Bourdieus versucht der Beitrag, klassenspezifische Prozesse und Mechanismen des Erwerbs von transnationalem Kapital zu identifizieren und kommt dabei zu folgenden Ergebnissen. 1) Kinder aus unteren sozialen Klassen nehmen an Schüleraustauschprogrammen sehr selten teil, weil ihnen die entsprechenden notwendigen Kapitalien fehlen. 2) Je nach Ausstattung mit ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital zeigen sich innerhalb der Mittelklasse zwei typische Zugangsweisen zu schulischen Auslandsaufenthalten. Gerade für Eltern aus der unteren Mittelklasse ist es dabei nicht einfach, ihren Kindern einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen, weil es ihnen im Vergleich zur oberen Mittelklasse an den notwendigen materiellen Ressourcen, den über das soziale Kapital vermittelten Sicherheiten und Informationen und vor allem an einer spezifischen Form des kulturellen Kapitals mangelt, nämlich eigenen transnationalen Erfahrungen. Darum besteht zunächst eine habituelle Distanz gegenüber Praktiken wie dem Auslandsschuljahr. 3) Trotz dieser Unterschiede in der Kapitalausstattung gelingt es manchen Kindern aus der unteren Mittelklasse, einen Auslandsaufenthalt zu erleben. Der Beitrag beschreibt daher auch die Kompensationsstrategien, die Eltern und Kinder mit ungünstiger Kapitalausstattung an den Tag legen, um transnationales Humankapital zu erwerben.

Der Beitrag ist im Kontext des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojekts „Transnationales Humankapital und soziale Ungleichheit“ entstanden und präsentiert erste Ergebnisse der qualitativen Teilstudie, die als Komplementärstudie zu einer quantitativen Auswertung von Daten des Sozio-oekonomischen Panels konzipiert ist (vgl. Gerhards und Hans 2013). Wir danken den von uns interviewten Eltern für ihre Bereitschaft, an dieser Untersuchung mitzuwirken, sowie Kristina Herbst und Sarah Rasche für die Unterstützung bei der Auswertung der qualitativen Interviews.

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Carlson, S., Gerhards, J., Hans, S. (2014). Klassenunterschiede im Zugang zu transnationalem Humankapital. Eine qualitative Studie zu schulischen Auslandsaufenthalten. In: Gerhards, J., Hans, S., Carlson, S. (eds) Globalisierung, Bildung und grenzüberschreitende Mobilität. Sozialstrukturanalyse. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-02439-0_7

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