Advertisement

Klassenunterschiede im Zugang zu transnationalem Humankapital. Eine qualitative Studie zu schulischen Auslandsaufenthalten

  • Sören CarlsonEmail author
  • Jürgen Gerhards
  • Silke Hans
Chapter
Part of the Sozialstrukturanalyse book series (SSA)

Zusammenfassung

Um an Prozessen der Globalisierung partizipieren zu können, wird die Verfügung über transnationales Humankapital (Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle Kompetenzen etc.) zu einer zunehmend bedeutsamen Ressource. Ein Auslandsaufenthalt während der Schulzeit ist eine effektive Variante, dieses Kapital zu erwerben. Auf der Grundlage von Leitfadeninterviews mit Eltern schulpflichtiger Jugendlicher und mit Bezugnahme auf die Theorie Pierre Bourdieus versucht der Beitrag, klassenspezifische Prozesse und Mechanismen des Erwerbs von transnationalem Kapital zu identifizieren und kommt dabei zu folgenden Ergebnissen. 1) Kinder aus unteren sozialen Klassen nehmen an Schüleraustauschprogrammen sehr selten teil, weil ihnen die entsprechenden notwendigen Kapitalien fehlen. 2) Je nach Ausstattung mit ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital zeigen sich innerhalb der Mittelklasse zwei typische Zugangsweisen zu schulischen Auslandsaufenthalten. Gerade für Eltern aus der unteren Mittelklasse ist es dabei nicht einfach, ihren Kindern einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen, weil es ihnen im Vergleich zur oberen Mittelklasse an den notwendigen materiellen Ressourcen, den über das soziale Kapital vermittelten Sicherheiten und Informationen und vor allem an einer spezifischen Form des kulturellen Kapitals mangelt, nämlich eigenen transnationalen Erfahrungen. Darum besteht zunächst eine habituelle Distanz gegenüber Praktiken wie dem Auslandsschuljahr. 3) Trotz dieser Unterschiede in der Kapitalausstattung gelingt es manchen Kindern aus der unteren Mittelklasse, einen Auslandsaufenthalt zu erleben. Der Beitrag beschreibt daher auch die Kompensationsstrategien, die Eltern und Kinder mit ungünstiger Kapitalausstattung an den Tag legen, um transnationales Humankapital zu erwerben.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Ball, Stephen J. 2003. Class strategies and the education market. The middle classes and social advantage. London: RoutledgeFalmer.CrossRefGoogle Scholar
  2. Bertaux, Daniel und Isabelle Bertaux-Wiame. 1991. „Was du ererbt von deinen Vätern…“. Transmissionen und soziale Mobilität über fünf Generationen. BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History 4 (1): 13–40.Google Scholar
  3. Bourdieu, Pierre. 1987. Die feinen Unterschiede. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Google Scholar
  4. Bourdieu, Pierre. 1985. Sozialer Raum und „Klassen“. In Sozialer Raum und „Klassen“. Leçon surla leçon. 2 Vorlesungen, hrsg. von Pierre Bourdieu, 7–46. Frankfurt/Main: Suhrkamp.Google Scholar
  5. Bourdieu, Pierre. 1983. Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In Soziale Ungleichheiten, hrsg. von Reinhard Kreckel, 183–198. Göttingen: Schwartz.Google Scholar
  6. Brake, Anne und Peter Büchner. 2003. Bildungsort Familie: Die Transmission von kulturellem und sozialem Kapital im Mehrgenerationenzusammenhang. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 6 (4): 618–639.CrossRefGoogle Scholar
  7. Brooks, Rachel und Johanna Waters. 2010. Social networks and educational mobility: the experience of UK students. Globalisation, Societies and Education 8 (1): 143–157.CrossRefGoogle Scholar
  8. Brown, Phillip. 2000. The globalisation of positional competition? Sociology 34 (4): 633–653.Google Scholar
  9. Büchner, Charlotte. 2004. Investition in Humankapital: Auslandsaufenthalte von Schülern. DIWWochenbericht 45/2004: 709–712.Google Scholar
  10. Burzan, Nicole. 2010. Dynamiken (in) der gesellschaftlichen Mitte. Zur Einleitung. In Dynamiken (in) der gesellschaftlichen Mitte, hrsg. von Nicole Burzan und Peter A. Berger, 7–20. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.CrossRefGoogle Scholar
  11. Butler, Tim. 1995. The debate over the middle classes. In Social change and the middle classes, hrsg. von Tim Butler und Mike Savage, 26–36. London: UCL Press.Google Scholar
  12. Carlson, Sören. 2013. Becoming a mobile student – a processual perspective on German degree student mobility. Population, Space and Place 19 (2): 168–180.CrossRefGoogle Scholar
  13. Deutscher Bundestag. 2013. Auswahlverfahren Parlamentarisches Patenschafts-Programm. http://www.bundestag.de/bundestag/europa_internationales/internat_austausch/ppp/auswahlverfahren.html. Zugegriffen: 19.3.2013.
  14. Devine, Fiona. 2004. Class practices. How parents help their children get good jobs. Cambridge: Cambridge University Press.CrossRefGoogle Scholar
  15. Finger, Claudia. 2011. The social selectivity of international mobility among German university students. A multi-level analysis of the impact of the Bologna Process. WZB Discussion Paper SP I 2011–503. Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin.Google Scholar
  16. Gerhards, Jürgen. 2010. Mehrsprachigkeit im vereinten Europa. Transnationales Kapital als Ressource in einer globalisierten Welt. Wiesbaden: VS Verlag.Google Scholar
  17. Gerhards, Jürgen und Silke Hans. 2013. Transnational human capital, education, and social inequality. Analyses of international student exchange. Zeitschrift für Soziologie 42 (2): 99–117.Google Scholar
  18. Heath, Sue. 2007. Widening the gap: pre-university gap years and the ‘economy of experience’. British Journal of Sociology of Education 28 (1): 89–103.CrossRefGoogle Scholar
  19. Heublein, Ulrich, Christopher Hutzsch und Markus Lörz. 2008. Auslandsmobilität deutscher Studierender: Ausmaß, Motive und Gründe des Desinteresses. Bildung und Erziehung 61 (4): 437–450.Google Scholar
  20. Kelle, Udo und Susann Kluge. 2010. Vom Einzelfall zum Typus. Fallvergleich und Fallkontrastierung in der qualitativen Sozialforschung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2., überarb. Aufl.CrossRefGoogle Scholar
  21. King, Russell, Allan Findlay, Jill Ahrens und Mairead Dunne. 2011. Reproducing advantage: the perspective of English school leavers on studying abroad. Globalisation, Societies and Education 9 (2): 161–181.CrossRefGoogle Scholar
  22. Koehn, Peter H. und James N. Rosenau. 2002. Transnational competence in an emergent epoch. International Studies Perspectives 3 (2): 105–127.CrossRefGoogle Scholar
  23. Kratz, Fabian. 2012. Der Einfluss der sozialen Herkunft auf die internationale Mobilität und den Stellensuchradius von Studierenden und Hochschulabsolventen. Soziale Welt 63 (1): 45–64.Google Scholar
  24. Lange-Vester, Andrea und Christel Teiwes-Kügler. 2006. Die symbolische Gewalt der legitimen Kultur. Zur Reproduktion ungleicher Bildungschancen in Studierendenmilieus. In Soziale Ungleichheit im Bildungssystem. Eine empirisch-theoretische Bestandsaufnahme, hrsg. Von Werner Georg, 55–92. Konstanz: UVK.Google Scholar
  25. Lareau, Annette. 2003. Unequal childhoods: class, race, and family life. Berkeley: University of California Press.Google Scholar
  26. Lareau, Annette. 2002. Invisible inequality: social class and childrearing in black families and white families. American Sociological Review 67 (5): 747–776.CrossRefGoogle Scholar
  27. Lörz, Markus und Marian Krawietz. 2011. Internationale Mobilität und soziale Selektivität: Ausmaß, Mechanismen und Entwicklung herkunftsspezifischer Unterschiede zwischen 1990 und 2005. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 63 (2):185–205.CrossRefGoogle Scholar
  28. Mau, Steffen. 2012. Lebenschancen. Wohin driftet die Mittelschicht? Berlin: Suhrkamp.Google Scholar
  29. Mau, Steffen. 2007. Transnationale Vergesellschaftung. Die Entgrenzung sozialer Lebenswelten. Frankfurt/Main: Campus.Google Scholar
  30. Murphy-Lejeune, Elizabeth. 2002. Student mobility and narrative in Europe. The new strangers. London: Routledge.Google Scholar
  31. Przyborski, Aglaja und Monika Wohlrab-Sahr. 2009. Qualitative Sozialforschung. Ein Arbeitsbuch. München: Oldenbourg, 2., korr. Aufl.Google Scholar
  32. Schmidt, Volker H. und Tiffany Jordan Chuang May. 2014. Educating Global Citizens. In Globalisierung, Bildung und grenzüberschreitende Mobilität, hrsg. von Jürgen Gerhards, Silke Hansund Sören Carlson, 49–72. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar
  33. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin. 2010. Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2010. Fortschreibung für den Zeitraum 2008–2009. http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/basisdaten_stadtentwicklung/monitoring/download/2010/monitoring_soziale_stadtentwicklung_endbericht_2010.pdf. Zugegriffen: 7.3.2013.
  34. Strauss, Anselm L. 1994. Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Datenanalyse und Theoriebildung in der empirischen soziologischen Forschung. München: Wilhelm Fink.Google Scholar
  35. Terbeck, Thomas. 2012. Handbuch Fernweh. Der Ratgeber zum Schüleraustausch. Cappenberg: Weltweiser, 11., vollständig überarb. u. erw. Aufl.Google Scholar
  36. Thomas, Alexander, Celine Chang und Heike Abt. 2007. Erlebnisse, die verändern. Langzeitwirkungen der Teilnahme an internationalen Jugendbegegnungen. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht.Google Scholar
  37. Tucci, Ingrid und Gert G. Wagner. 2003. Fremdsprachenkenntnisse als wichtige Zusatzqualifikation im Dienstleistungssektor. Wochenbericht des DIW Berlin 70 (41): 611–615.Google Scholar
  38. Waters, Johanna und Rachel Brooks. 2010. Accidental achievers? International higher education, class reproduction and privilege in the experiences of UK students overseas. British Journal of Sociology of Education 31 (2): 217–228.CrossRefGoogle Scholar
  39. Weenink, Don. 2008. Cosmopolitanism as a form of capital: parents preparing their children for a globalizing world. Sociology 42 (6):1089–1106.CrossRefGoogle Scholar
  40. Weichbrodt, Michael. 2014. Einjährige Schüleraustauschprogramme in Deutschland – gesellschaftliche Bedeutung, historische Entwicklung und Struktur der Anbieterorganisationen. In: Globalisierung, Bildung und grenzüberschreitende Mobilität, hrsg. von Jürgen Gerhards, Silke Hans und Sören Carlson, 73–92. Wiesbaden: Springer VS.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.Inst. für SoziologieFreie Universität BerlinBerlinDeutschland
  2. 2.Freie Universität BerlinBerlinDeutschland

Personalised recommendations