Advertisement

Beeinflussung durch Verständigung? Die kommunikative Qualität von Pressemitteilungen politischer Parteien in österreichischen Nationalratswahlkämpfen. Ein Langzeitvergleich: 1970–2008

Chapter

Zusammenfassung

In demokratisch organisierten pluralistischen Demokratien sind politische Akteure auf die Zustimmung der Bürger angewiesen – vor allem in Wahlkampfzeiten. Diese konzentrierten Phasen politischer Kommunikation eignen sich zum Studium öffentlicher Diskurse besonders gut. Begreift man sie als öffentliche Kommunikationen von Akteuren über Themen, Positionen, Begründungen und Deutungen, dann liegt nahe, dort auch die Chance auf Verständigung über politische Streitfragen zwischen den Kommunikationspartnern zu unterstellen. Aus kommunikativer Perspektive besteht genau darin ihre Qualität, denn ein Mindestmaß an Verständigung gilt als Basis für eine (demokratisch wünschenswerte) argumentative Auseinandersetzung mit der jeweiligen Thematik. Im Fokus unserer Studie stehen die Pressemitteilungen politischer Parteien in Österreich. Über Pressemitteilungen treten die Parteien schriftlich in den Diskurs über aktuelle Kampagnenthemen. Pressemitteilungen bestimmen in hohem Maß die Medienagenda und sind damit zentrale Faktoren im öffentlichen Verständigungsprozess. Wir fragen, ob und inwieweit diese Pressemitteilungen als „verständigungsorientiert“ begriffen werden können. Die Verständigungsqualität wird über einen von uns generierten „Index für Verständigungsorientierung“ gemessen. Ein verständigungsorientierter – und damit: ein qualitativ hochwertiger – Beitrag zum öffentlichen politischen Diskurs liegt dann vor, wenn die Parteien in den Pressemitteilungen ihre Positionen entsprechend begründen, wenn sie bei strittigen Themen (issues) Vorschläge zur Konfliktlösung machen und wenn sie ihrem politischen Gegenüber mehr oder weniger respektvoll begegnen. Zudem finden (sprachliche) Kontexte Beachtung, in denen Zweifel geäußert werden. Analysematerial sind 1341 Pressemitteilungen politischer Parteien in Österreich aus vier Jahrzehnten (1970, 1983, 1999, 2008).

Literatur

  1. Bentele, G. (1998). Politische Öffentlichkeitsarbeit. In U. Sarcinelli (Hrsg.), Politikvermittlung und Demokratie in der Mediengesellschaft (S. 124–145). Opladen: Westdeutscher Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  2. Bentele, G. (2005). Zukünftige Trends politischer Öffentlichkeitsarbeit. In A. Balzer, M. Geilich, & S. Rafat (Hrsg.), Politik als Marke. Politikvermittlung zwischen Kommunikation und Inszenierung (S. 96–99). Münster: Lit.Google Scholar
  3. Burkart, R. (2002). Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft (4. überarbeitete und aktualisierte Aufl.). Wien: Böhlau/UTB.Google Scholar
  4. Burkart, R. (2013a). Verständigungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit (VÖA) revisited: Das Konzept und eine selektive Rezeptionsbilanz aus zwei Jahrzehnten. In O. Hoffjann & S. Huck-Sandhu (Hrsg.), UnVergessene Diskurse. 20 Jahre PR- und Organisationskommunikationsforschung (S. 264–287). Wiesbaden: Springer-VS.Google Scholar
  5. Burkart, R. (2013b). Normativität in der Kommunikationstheorie. In M. Karmasin, M. Rath, & B. Thomaß (Hrsg.), Normativität in der Kommunikationswissenschaft (S. 133–150). Wiesbaden: Springer-VS.CrossRefGoogle Scholar
  6. Burkart, R., & Rußmann, U. (2010). Qualität des öffentlichen politischen Diskurses in der österreichischen Wahlkampfkommunikation. Codebuch: Codieranweisungen und Codierschema (FWF-Projekt 21147-G14). Wien: Universität Wien. Online verfügbar unter: http://publizistik.univie.ac.at/institut/ma/burkart/forschung/QPD/. Zugegriffen: 18. März 2014.
  7. Burkart, R., Rußmann, U., & Grimm, J. (2010). Wie verständigungsorientiert ist Journalismus? Ein Qualitätsindex am Beispiel der Berichterstattung über Europa im Österreichischen Nationalratswahlkampf 2008. In H. Pöttker & C. Schwarzenegger (Hrsg.), Europäische Öffentlichkeit und journalistische Verantwortung (S. 256–281). Köln: Halem-Verlag.Google Scholar
  8. Dörner, A., & Vogt, L. (2002). Wahlkampf als Ritual. Zur Inszenierung der Demokratie in der Multioptionsgesellschaft. In Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament“ (B. 15–16, S. 15–22/2002).Google Scholar
  9. Ferree, M. M., Gamson, W. A., Gerhards, J., & Rucht, D. (2002). Shaping abortion discourse. Democracy and the public sphere in Germany and the United States. Cambridge: Cambridge University Press.CrossRefGoogle Scholar
  10. Gastil, J. (2008). Political communication and deliberation. Thousand Oaks: Sage.CrossRefGoogle Scholar
  11. Gerhards, J. (1997). Diskursive versus liberale Öffentlichkeit. Eine empirische Auseinandersetzung mit Jürgen Habermas. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 49, 1–39.Google Scholar
  12. Gerhards, J. (2003). Diskursanalyse als systematische Inhaltsanalyse. Die öffentliche Debatte über Abtreibungen in den USA und in der Bundesrepublik im Vergleich. In R. Keller, A. Hirseland, W. Schneider, & W. Viehöver (Hrsg.), Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. Band II: Forschungspraxis (S. 299–324). Opladen: Leske und Budrich.CrossRefGoogle Scholar
  13. Gerhards, J., Neidhardt, F., & Rucht, D. (1998). Zwischen Palaver und Diskurs: Strukturen öffentlicher Meinungsbildung am Beispiel des Abtreibungsdiskurses in der Bundesrepublik. Opladen: Westdeutscher Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  14. Gibson, R., Nixon, P., & Ward, S. (Hrsg.). (2003). Political parties and the Internet: Net gain? London: Routledge.Google Scholar
  15. Gutmann, A., & Thompson, D. (2004). Why deliberative democracy? Princeton: Princeton University Press.Google Scholar
  16. Habermas, J. (1971). Vorbereitende Bemerkungen zu einer Theorie der kommunikativen Kompetenz. In J. Habermas & N. Luhmann (Hrsg.), Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie – Was leistet Systemforschung? (S. 101–141). Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  17. Habermas, J. (1981). Theorie des kommunikativen Handelns (Bd. 1: Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung. Bd. 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft). Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  18. Habermas, J. (1990). Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Mit einem Vorwort zur Neuauflage 1990. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  19. Habermas, J. (1991). Erläuterungen zur Diskursethik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  20. Habermas, J. (1992). Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaates. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  21. Habermas, J. (1995). Vorstudien und Ergänzungen zur Theorie des kommunikativen Handelns. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  22. Jarren, O., & Donges, P. (2006). Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft. Eine Einführung (2. überarbeitete Aufl.). Wiesbaden: VS Verlag.Google Scholar
  23. Klingemann, H.-D., & Voltmer, K. (2002). Politische Kommunikation als Wahlkampfkommunikation. In O. Jarren, U. Sarcinelli & U. Saxer (Hrsg.), Politische Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft. Ein Handbuch (S. 396–405). Opladen: VS Verlag.Google Scholar
  24. Kuhlmann, C. (1999). Die öffentliche Begründung politischen Handelns. Zur Argumentationsrationalität in der politischen Massenkommunikation. Opladen: Westdeutscher Verlag.CrossRefGoogle Scholar
  25. Melischek, G., Rußmann, U., & Seethaler, J. (2010). Agenda Building in österreichischen Nationalratswahlkämpfen, 1970–2008. In F. Plasser (Hrsg.), Politik in der Medienarena. Praxis politischer Kommunikation in Österreich (S. 101–143). Wien: facultas.wuv.Google Scholar
  26. Peters, B. (1994). Der Sinn von Öffentlichkeit. In F. Neidhardt (Hrsg.), Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegung (S. 42–76). Opladen: Westdeutscher Verlag.Google Scholar
  27. Plasser, F. (2006). Massenmedien und politische Kommunikation. In H. Dachs, (Hrsg.), Politik in Österreich (S. 525–537). Wien: Manz.Google Scholar
  28. Plasser, F. (Hrsg.). (2012). Erfolgreich wahlkämpfen. Massenmedien und Wahlkampagnen in Österreich. Wien: facultas.wuv.Google Scholar
  29. Respectresearchgroup. (2009). Zentrale Facetten des Respektbegriffs. Online verfügbar unter www.respectresearchgroup.org/respekt_1654__Definition_und_zentrale_Facetten_des_Respektsbegriffes.htm. Zugegriffen: 20. Mai 2013.
  30. Rußmann, U. (2012a). Kampagnen im Web: Neue Formen der Wahlkampfkommunikation. In F. Plasser (Hrsg.), Erfolgreich wahlkämpfen. Massenmedien und Wahlkampagnen in Österreich (S. 189–207). Wien: facultas.wuv.Google Scholar
  31. Rußmann, U. (2012b). Themenmanagement der Parteien im Wahlkampf: Eine Analyse der Presseaussendungen. In F. Plasser (Hrsg.), Erfolgreich wahlkämpfen. Massenmedien und Wahlkampagnen in Österreich (S. 141–162). Wien: facultas.wuv.Google Scholar
  32. Schnädelbach, H. (1992). Zur Rehabilitierung des animal rationale. Vorträge und Abhandlungen 2. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.Google Scholar
  33. Schulz, W. (2008). Politische Kommunikation. Theoretische Ansätze und Ergebnisse empirischer Forschung (2. vollständig überarbeitete und erweiterte Aufl.). Wiesbaden: VS-Verlag.Google Scholar
  34. Schweitzer, E., & Albrecht, S. (2011). Das Internet im Wahlkampf. Analysen zur Bundestagswahl 2009. Wiesbaden: VS-Verlag.Google Scholar
  35. Spörndli, M. (2003). Discourse quality and political decisions: An empirical analysis of debates in the German conference committee. Berlin: Social Science Research Center Berlin, WZB. Online verfügbar unter http://skylla.wz-berlin.de/pdf/2003/iv03-101.pdf. Zugegriffen: 19. Nov .2013.
  36. Spörndli, M. (2004). Diskurs und Entscheidung. Eine empirische Analyse kommunikativen Handelns im deutschen Vermittlungsausschuss. Wiesbaden: VS-Verlag.Google Scholar
  37. Steenbergen, M. R., Bächtiger, A., Spörndli, M., & Steiner, J. (2003). Measuring political deliberation: A discourse quality index. Comparative European Politics, 1, 21–48.CrossRefGoogle Scholar
  38. Voltmer, K. (1999). Medienqualität und Demokratie. Eine empirische Analyse publizistischer Informations- und Orientierungsleistungen in der Wahlkampfkommunikation. Baden-Baden: Nomos.Google Scholar
  39. Wiek, U. (1996). Politische Kommunikation und Public Relations in der Rundfunkpolitik: Eine politikfeldbezogene Analyse. Berlin: VISTAS.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Publizistik- und KommunikationswissenschaftUniversität WienWienÖsterreich
  2. 2.Institut für Kommunikation, Marketing & SalesFH Wien der WKWWienÖsterreich

Personalised recommendations