Advertisement

Inszenierte Schlüsselereignisse: Die Medienresonanz der Verkehrssicherheitskampagne Runter vom Gas!

  • Marcus Maurer
  • Richard Lemke
Chapter

Zusammenfassung

Auch wenn groß angelegte Kampagnen wie beispielsweise die Verkehrssicherheitskampagne Runter vom Gas! von einem erheblichen Teil der Bevölkerung direkt wahrgenommen werden (siehe Klimmt und Maurer in diesem Band), ist das Ausmaß der medialen Berichterstattung über eine Kampagne aus mehreren Gründen eine wichtige Erfolgsgröße für deren Wirkung. Zum einen steigt mit der Menge und Frequenz medialer Berichterstattung die Gesamtsumme der Kontakte der Bevölkerung mit der Botschaft der Kampagne (Multiplikatorenrolle der Massenmedien). Zum anderen gewinnt die Kampagne durch journalistische Berichterstattung für die Bevölkerung an Konkretheit und Seriosität: Die Medien konstruieren die an sich wenig manifeste Kampagne als Teil der Realität für das Publikum. Darüber hinaus wird ihnen in der Regel eine größere Glaubwürdigkeit zugeschrieben als den Urhebern der Kampagnenbotschaften. Man kann folglich annehmen, dass sich die Wirksamkeit einer Kampagne steigern lässt, wenn es gelingt, sie möglichst oft in der journalistischen Berichterstattung der Massenmedien zu platzieren. Dies hat zugleich den positiven Effekt, dass für diese Form der Multiplikatorenleistung keine Kosten anfallen. Ob über eine Kampagne berichtet wird, liegt dann zwar in den Händen der Journalisten. Allerdings lässt sich deren Bereitschaft, über eine Kampagne zu berichten, mit einigen Mitteln mehr oder weniger subtil erhöhen. Neben informellen Gesprächen mit einzelnen Journalisten sind dies vor allem Pressekonferenzen und Pressemitteilungen. Umgekehrt kann eine kritische Berichterstattung der Wirkung einer Präventionskampagne abträglich sein, weil sich das Publikum auch an negativen Urteilen von Journalisten orientieren kann. Auch deshalb ist es von Bedeutung, die mediale Berichterstattung über Verkehrssicherheitskampagnen zu untersuchen.

Literatur

  1. Barth, H., & Donsbach, W. (1992). Aktivität und Passivität von Journalisten gegenüber Public Relations. Fallstudie am Beispiel von Pressekonferenzen zu Umweltthemen. Publizistik, 37(2), 151–165.Google Scholar
  2. Emmer, M., Vowe, G., & Wolling, J. (2011). Bürger online. Die Entwicklung der politischen Online-Kommunikation in Deutschland. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.Google Scholar
  3. Fishman, M. (1980). Crime waves as ideology. Social Problems, 25, 531–543.CrossRefGoogle Scholar
  4. Jackob, N. (2012). Gesehen, gelesen – geglaubt? Warum die Medien nicht die Wirklichkeit abbilden und die Menschen ihnen dennoch vertrauen. München: Olzog.Google Scholar
  5. Kepplinger, H. M., & Habermeier, J. (1995). The impact of key events on the presentation of reality. European Journal of Communication, 10, 371–390.CrossRefGoogle Scholar
  6. Kepplinger, H. M., & Maurer, M. (2004). Der Einfluss der Pressemitteilungen der Bundesparteien auf die Berichterstattung im Bundestagswahlkampf 2002. In J. Raupp & J. Klewes (Hrsg.), Quo vadis Public Relations? Auf dem Weg zum Kommunikationsmanagement: Bestandsaufnahme und Entwicklungen (S. 113–124). Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.CrossRefGoogle Scholar
  7. Mitchelstein, E., & Boczkowski, P. J. (2009). Between tradition and change. A review of recent research on online news production. Journalism, 10(5), 562–586.CrossRefGoogle Scholar
  8. Niederdeppe, J., Farrelly, M. C., Thomas, K. Y., Wenter, D., & Weitzenkamp, D. (2007). Newspaper coverage as indirect effects of a health communication intervention. The Florida Tobacco Control Program and youth smoking. Communication Research, 34(4), 382–405.CrossRefGoogle Scholar
  9. Raupp, J., & Vogelgesang, J. (2009). Medienresonanzanalyse. Eine Einführung in Theorie und Praxis. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.Google Scholar
  10. Scheufele, B. (2003). Frames – Framing – Framing-Effekte. Theoretische und methodische Grundlegung des Framing-Ansatzes sowie empirische Befunde zur Nachrichtenproduktion. Wiesbaden: Westdeutscher.Google Scholar
  11. Winett, L. B., & Wallack, L. (1996). Advancing public health goals through the mass media. Journal of Health Communication, 1(2), 173–196.CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für KommunikationswissenschaftFriedrich-Schiller-Universität JenaJenaDeutschland
  2. 2.Institut für PublizistikJohannes Gutenberg-Universität MainzMainzDeutschland

Personalised recommendations