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Möglichkeiten für die landwirtschaftliche Entwicklung im Sukumaland

  • Dietrich Freiherr Von Rotenhan
Part of the Afrika-Studien book series (AFRIKA-STUDIEN, volume 11)

Zusammenfassung

Die Entwicklungsländer allgemein und so auch Tansania sind auf eine rasche und billige Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion für die Deckung des Nahrungsbedarfes einer schnell anwachsenden Bevölkerung, die Ausweitung des Exportes, die Anhebung der inländischen Kaufkraft für gewerbliche Güter und für die Finanzierung der Industrialisierung angewiesen1. Die landwirtschaftliche Produktion kann zwar durch umfangreiche Kapitalinvestitionen in Bewässerungsanlagen, Meliorationsprojekte, Plantagenunternehmungen, Siedlungsvorhaben u. a. m. rasch und nachhaltig gesteigert werden. Investitionen dieser Art sind jedoch teuer. In den meisten Fällen ist die Aufwands-Ertragsrelation so ungünstig, daß hohe Subventionen erforderlich werden. Zudem wiegt die Durchführung selbst einer größeren Zahl von Projekten nur gering im Verhältnis zu der Gesamtproduktion eines Landes. In Europa, den USA und Japan wurde der hauptsächliche und „billige“ Beitrag zur landwirtschaftlichen Entwicklung durch die Aktivierung der Produktionsreserven im bäuerlichen Bereich geleistet2. Es liegt infolgedessen nahe, zu fragen, ob entsprechende Möglichkeiten im tropischen Afrika und so auch im Sukumaland bestehen.

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Literaturs

  1. 1.
    Johnston, B. F., u. J. W. Mellor: Die Rolle der Landwirtschaft in der wirtschaftlichen Entwicklung. „Zeitschrift für ausländische Landwirtschaft“, Jg. 1 (1962), S. 24.Google Scholar
  2. 2.
    Schultz, Th.: Investment in Man: An Economist’s View. A. E. R. Paper No. 5905, Chicago 1959.Google Scholar
  3. 1.
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  6. 1.
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  8. 1.
    Peat, J. E., u. K. J. Brown, a. a. O., „East African Agricultural and Forestry Journal“, Vol. XXVI (1960), S. 107.Google Scholar
  9. 1.
    Vgl. auch: Johnston, B. F.: The Choice of Measure for Increasing Agricultural Productivity, A Survey of Possibilities in East Africa. „Tropical Agriculture“, Vol. 41 (1964), S. 99.Google Scholar
  10. 2.
    Peat, J. E., u. K. J. Brown, a. a. O., “The Empire Journal of Experimental Agriculture”, Vol. XXIX (1961), S. 119 ff.Google Scholar
  11. 1.
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  12. 1.
    Peat, J. E., u. K. J. Brown, a. a. O., “The Empire Journal of Experimental Agriculture”, Vol. XXX (1962), S. 223.Google Scholar
  13. 2.
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  14. 3.
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  15. 4.
    Bei der Beurteilung der auf Ukerewe erzielten Ergebnisse ist zu beachten, daßGoogle Scholar
  16. — Landmangel und geringe Flächenerträge die Bauern der Insel offenbar für Beratung aufgeschlossener gemacht haben als die Bauern der wohlhabenderen Anbauregionen des FestlandesGoogle Scholar
  17. — die hohen sowie gleichmäßig verteilten Niederschläge günstige Voraussetzungen für die Wirkung der Mineraldüngung bietenGoogle Scholar
  18. — die Beraterdichte ungewöhnlich hoch war. In der gesamten „Lake-Province“ entfallen etwa 2000 Bauern auf einen landwirtschaftlichen Instrukteur. Auf Ukerewe waren es nur 300 bis 400Google Scholar
  19. — die Bauern über Zweck, Ziel und Ausführung des Vorhabens durch Vorträge, Diskussionen, Betriebsbesichtigungen, Plakate und Filmvorführungen gründlich unterrichtet wurden. Hierbei fanden die Landwirtschaftsbeamten Unterstützung durch die dörflichen Entwicklungskomitees, die Genossenschaftsbeamten, die Partei und durch Frauenvereine. Darüber hinaus unterstrich die Beteiligung von Regierungs-und Parlamentsmitgliedern die „nationale Bedeutung“ des Vorhabens.Google Scholar
  20. 1.
    Neuentwicklungen von Geräten sind weitgehend unnötig. Andere Länder bieten eine Fülle zweckmäßiger und billiger Werkzeuge an. Hierzu schreibt Constantinesco: „In Tanganyika fehlt es an eigenständigen Werkzeugen, die weiterentwickelt werden könnten. Die bisher verwendeten Geräte und Maschinen werden aus Europa und Nordamerika importiert. Ein großer Teil dieser Ausrüstungen ist aber für den örtlichen Einsatz nicht nur ungeeignet, sondern auch zu teuer. Demgegenüber ist die Landmaschinenindustrie Indiens und Japans seit langem auf die Bedürfnisse von Klein-und Kleinstbetrieben eingestellt. Unsere Aufmerksamkeit sollte daher aus Gründen der besseren Geeignetheit als auch aus komparativen Kostenvorteilen mehr auf das Angebot des Ostens als auf das des Westens ausgerichtet sein“.Google Scholar
  21. Constantinesco, I.: Report on a Visit to the Far-East to study Indigenous and Improved Farm Implements and Machinery for Small Peasant Farmers in the Tropics. Tengeru 1962, S. 2.Google Scholar
  22. 2.
    Gegenwärtig wird auf dem Markt für den üblichen Schwingpflug ein Häufelkörper angeboten, der gegen den Scharkörper ausgewechselt wird. Der Vorteil dieser Kombination liegt in den geringen Kosten. Demgegenüber ist sowohl die einreihige Arbeitsweise, der häufig notwendige Umbau als auch die schwierige Führung des Gerätes von Nachteil. Anzustreben ist daher ein Vielfachgerät, das zum Aufdämmen, zur Vorbereitung der Pflanzlöcher, zum Abdecken der Saat als auch für die Pflegearbeiten verwendbar ist und für den Baumwoll-, Mais-und Erdnußanbau gleichermaßen benutzt werden kann.Google Scholar
  23. 1.
    In der Untersuchung hatten zwei Betriebe in Kwimba einen Teil ihrer für Baumwolle vorgesehenen Ackerfläche (etwa 4 ha) durch einen Lohnunternehmer pflügen lassen. Der hierfür übliche Preis liegt zwischen DM 50 und DM 70/ha. Bei Zugrundelegung eines mittleren Baumwollertrages von 640 kg = DM 400/ha belaufen sich somit die Unkosten auf 12 bis 17% des zu erwartenden Rohertrages.Google Scholar
  24. 2.
    Ende 1963 befanden sich in der „Lake-Province“ 313 einsatzbereite Schlepper. Hiervon gehörten 159 der Genossenschaft und 154 „kleinen Unternehmern“, d. h. vorwiegend indischen und arabischen Händlern sowie Angehörigen von ehemaligen HäuptlingsfamilienGoogle Scholar
  25. 1.
    Versuche zur Besatzdichte in Ukiriguru deuten darauf hin, daß der natürliche Graswuchs durchaus in der Lage ist, 1 bis 1, 5 Rindereinheiten je ha bei ganzjährigem Weidegang ohne Zufutter zu tragen. Endgültige Erfahrungen liegen jedoch noch nicht vor. Vgl. Rounce, N. V., a. a. O., 1949, S. 105 und Annual Report 1962/63 (Ukiriguru), “Grazing Management Trial”, W. R., Project Xii, S. 1.Google Scholar
  26. 7.
    v. Rotenhan, Bodennutzung 97Google Scholar
  27. 1.
    Projekte dieser Art sind unter britischer Verwaltung in Ostafrika über mehrere Millionen Hektar Hutungen durchgeführt worden. Sie erwiesen sich als unpopulär. Die Trockenheit 1961/62, insbesondere aber die chwächung der Regierungsautorität in den Jahren des Übergangs zur Unabhängigkeit führte zum Zusammenbruch der meisten Unternehmungen dieser ArtGoogle Scholar
  28. 2.
    Im benachbarten Kenya befindet sich fast das gesamte Grasland in den Gebieten mit hohen Niederschlägen und gutem Graswuchs bereits in der Hand von Einzelbauern. Der individuelle Besitz an Weideland erweist sich dort als Voraussetzung für die Haltung von Leistungsrassen zur Milcherzeugung.Google Scholar
  29. 3.
    Auf Ukerewe sind die anfänglichen Versuche zur Aufteilung und Privatisierung des Graslandes bereits festzustellen. Weitgehend abgeschlossen ist der Individualisierungsprozeß auf der Nachbarinsel Ukara.Google Scholar
  30. 1.
    Vgl. hierzu: Nyerere, J. K.: The Second Scramble, Dar es Salaam 1961.Google Scholar
  31. Ders.: Presidents Address to the National Assembly, Dar es Salaam, 10. Dezember 1962.Google Scholar
  32. Ders.: Ujamaa, the Basis of African Socialism. Dar es Salaam 1962.Google Scholar
  33. Mboya, T.: Freedom and After, London 1963, S. 163 ff.Google Scholar
  34. Tanganyika Standard, Farming Revolution Demanded, Dar es Salaam, 18. Juni 1963, No. 10150.Google Scholar
  35. Tanganyika, Republic of, Tanganyika’s Five-Year-Plan for Economic and Social Development, 1. July 1964 30. June 1969, Dar es Salaam 1964.Google Scholar
  36. 1.
    International Bank for Reconstruction and Development: Experiences with Agricultural Development in Tropical Africa: Baltimore, Maryland, 1967.Google Scholar
  37. 2.
    Zu einigen grundlegenden Gedanken der israelitischen Entwicklungshilfe und-planung in Tansania vgl. auch: State of Israel, Ministry of Foreign Affairs: New Settlement and African Development in Tanganyika. Be’er Sheva 1961, passim.Google Scholar
  38. 1.
    Pläne für ein großzügiges Bewässerungsvorhaben (230000 ha) im Süd-Sukumaland wurden bereits von der Deutschen Kolonialverwaltung ausgearbeitet. Mitte der 50er Jahre griff die englische Administration dieses sog. Wembere-Projekt erneut auf, ließ es jedoch fallen, als sich zeigte, daß die vorliegenden Böden wenig bewässerungswürdig sind. Vgl. hierzu: Verhandlungen der Kolonial-Technischen Kommission des Kolonialwirtschaftlichen Komitees, Berlin 1910, Nr. 1 und Berlin 1913, Nr. 1.Google Scholar
  39. Gibbs, A. L. et al.: Report on Smith Sound Scheme, London 1955/56.Google Scholar
  40. Ders.: Water Resources Survey of the Nile Basin in Tanganyika, London 1956.Google Scholar
  41. 1.
    Schon heute ist Ukerewe ein bedeutender Lieferant an Obst und Gemüse für das Festland. So wurden 1963 2500 t Bananen nach Mwanza geliefert. Die Nachfrage konnte jedoch nicht gedeckt werden, so daß größere Mengen dieser Frucht aus Bukoba und Tarime herangeschafft werden mußten. Im gleichen Jahr exportierte die Insel 1400 t Citrusfrüchte nach Mwanza, Musoma, aber auch nach Kenya. Hinzuweisen ist ferner auf eine bescheidene, aber ausbaufähige Kaffee-produktion, die 1963 38 t im Werte von DM 37240 erbrachte. Vgl. auch: Annual Report, Department of Agriculture, Mwanza Region 1963, S. 13 und S. 16.Google Scholar

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© Springer-Verlag Berlin — Heidelberg 1966

Authors and Affiliations

  • Dietrich Freiherr Von Rotenhan

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