Advertisement

Zusammenfassung

Die Untersuchung des neurotischen Charakters ist ein wesentlicher Teil der Neurosenpsychologie. Wie alle psychischen Erscheinungen ist er nur im Zusammenhang mit dem ganzen seelischen Leben zu erfassen, Ene flüchtige Kenntnis der Neurose genügt, um das Besondere daran herauszufinden. Und alle Autoren, die dem Problem der Nervosität nachgegangen sind, haben mit besonderem Interesse gewisse Charakterzüge ins Auge gefaßt. Das Urteil war ein allgemeines, daß der Neurotiker eine Reihe scharf hervortretender Charakterzüge bietet, die das Maß des Normalen überschreiten. Die große Empfindlichkeit, die Reizbarkeit, die reizbare Schwäche, die Suggestibiltät, der Egoismus, der Hang zum Phantastischen, die Entfremdung von der Wirklichkeit, aber auch speziellere Züge, wie Herrschsucht, Bösartigkeit, opfervolle Güte, kokettes Wesen, Feigheit und Ängstlichkeit, Zerstreutheit figurieren in den meisten Krankengeschichten, und man müßte alle gründlichen Autoren namhaft machen, um ihren Beitrag zu bestätigen. Von den Neueren ist insbesondere Janet zu nennen, der die Traditionen der berühmten französischen Schule fortführt und namhafte scharfsinnige Analysen zutage gefördert hat. Insbesondere seine Betonung des „sentiment d’incomplétude“ des Neurotikers stimmt so sehr mit den von mir erhobenen Befunden überein, daß ich in meinen Arbeiten eine Erweiterung dieser wichtigsten Grundtatsache aus dem Seelenleben des Neurotikers erblicken darf. Meine Feststellungen über die Einheit der Persönlichkeit bedeuten dazu einen dauernden psychologischen Gewinn, der die Rätsel des double vie, der Polarität, der Ambivalenz (Bleuler) gelöst hat.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© J.F. Bergmann in München 1928

Authors and Affiliations

  • Alfred Adler
    • 1
  1. 1.WienÖsterreich

Personalised recommendations