Zusammenfassung

Wenn in der nachfolgenden Untersuchung von Krisen katholischer Frömmigkeit und Konversionen zum Protestantismus die Rede sein soh, so erscheinen Katholizismus und Protestantismus nicht als Gegenstände historischer und dogmengeschichtlicher Untersuchung oder konfessioneller Apologetik und auch nicht als Typen der soziologischen Selbstgestaltung der christlichen Idee; sondern sie erscheinen als Geistestypen, als Gesamtheiten seelischer Einstellung zu Welt und lieben, die trotz ihrer Kompliziertheit doch als anschauliche Einheiten gegeben sind. Wie bei dem einzelnen Menschen der seelische Halt, den er besitzt, verliert oder findet, der charakteristische Ausdruck für die in ihm lebendigen Kräfte ist, so läßt sich auch die spezifische Eigenart eines Geistestypus daran veranschaulichen, welchen Halt er dem Menschen bietet gegenüber jenen,,Grenzsituationen“, die Sinn und Wert des Lebens in Frage zu stellen drohen. Es handelt sich bei den verschiedenen Geistestypen um bewegte und bewegende Kräfte, nicht um ruhende Ganzheiten; infolgedessen läßt sich ihre eigentümliche geistige Struktur immer dann am besten erkennen, wenn der Halt, den sie bieten, irgendwie in Frage gestellt wird und in Kämpfen und Krisen, Auflösungs- und Umschmelzungsprozessen ein neuer Halt gewonnen werden muß.

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Literatur

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Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1925

Authors and Affiliations

  • W. Heinsius

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