Die Rechtsverhältnisse in der Verwaltung. Öffentliche Pflichten und Rechte

  • Walter Jellinek
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Zusammenfassung

Die Lehre von den Rechtssubjekten war voranzustellen, da das Rechtsverhältnis Rechtssubjekte voraussetzt. Unter Rechtsverhältnis verstehen wir nämlich die Beziehung zwischen mindestens zwei Rechtssubjekten, kraft deren das eine Rechtssubjekt dem andern gegenüber etwas tun oder nicht tun soll, darf oder kann. Bis vor kurzem hatte die Wissenschaft des Verwaltungsrechts nur geringen unmittelbaren Anlaß, sich mit dem Wesen des Rechtsverhältnisses zu befassen. Während die ZPO. im § 256 von jeher Klagen auf Feststellung des Bestehens oder Nichtbestehens eines Rechtsverhältnisses vorsieht, gibt es verwaltungsgerichtliche Feststellungsklagen über Rechtsverhältnisse des öffentlichen Rechts in dieser Allgemeinheit erst seit kurzem und nur in Hamburg1 und Bremen2. Die hamburgischen Verwaltungsgerichte (VG. und OVG.) ließen z. B. die Klage eines Oberlehrers dahin zu, daß ihm nicht verboten werden könne, sich Professor zu nennen, mit Recht, da in Frage stand, ob das Rechtssubjekt Staat dem Rechtssubjekt Oberlehrer gegenüber ein Verbot aussprechen dürfe oder nicht3. Ebenso verlangte ein Kläger Feststellung eines Rechtsverhältnisses, als er geltend machte, die Friedhofsdeputation sei nicht berechtigt, die Aufstellung eines Kissensteines auf dem ihm gehörigen Grabe von besonderer Genehmigung abhängig zu machen4. Klage auf Feststellung eines Rechtsverhältnisses ist es aber auch, wenn ein Gastwirt Feststellung begehrt, daß das Dulden gewisser Tänze keine Abhaltung von Tanzlustbarkeiten im Sinne des § 33 c GewO. darstelle, oder wenn jemand festgestellt wissen will, daß er nach Art seines Gewerbes eines Wandergewerbescheines nicht bedarf. Nur die Neuheit der Einrichtung entschuldigt es, daß das hamburgische Verwaltungsgericht (nicht OVG.) in beiden Fällen die Klage als unzulässig abwies5. Denn im ersten Falle war zu entscheiden, ob der Staat gegen das Dulden der Tänze, im zweiten, ob er gegen den Betrieb des Gewerbes einschreiten könne, auf den Kläger bezogen, ob er das Tanzen dulden, das Gewerbe ausüben dürfe oder nicht.

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Authors and Affiliations

  • Walter Jellinek
    • 1
  1. 1.Universität HeidelbergDeutschland

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