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Die Ehe

  • Leopold Wenger
  • Wolfgang Kunkel
Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE, volume 2/3)

Zusammenfassung

Während das moderne Eherecht der west- und mitteleuropäischen Staaten auch in seiner weltlichen Ausgestaltung den tiefen Einfluß der christlichen Religion nicht verleugnet, waren in Rom die Beziehungen zwischen Eherecht und Religion von jeher verhältnismäßig locker und vollends im Recht der früheren Kaiserzeit fast ganz verschwunden. Das römische Recht kannte freilich eine sakrale Form der Eheschließung (die confarreatio, § 175, 1); soweit wir indessen die Geschichte der römischen Ehe in die Vergangenheit zurückverfolgen können, standen daneben andere Formen, die des religiösen Charakters durchaus entbehrten. Schon in republikanischer Zeit war überdies die sakrale Eheschließung so gut wie ganz aus dem tatsächlichen Reohtsleben verschwunden, derart, daß sie in der Kaiserzeit aus kultischen Gründen künstlich wiederbelebt werden mußte. Sieht man von ihr ab, so waren zwar zu allen Zeiten des römischen Heidentums mancherlei Bräuche religiöser oder magischer Natur bei der Eheschließung und im Verlauf des ehelichen Lebens in Übung; sie standen aber sämtlich außerhalb der Sphäre des Rechts, zum mindesten des nichtsakralen Rechts, mit dem wir es hier allein zu tun haben. Während also das moderne Eherecht von religiös-ethischen Prinzipien aus geschaffen wurde, ist das römische nichts anderes als der äußere, vom praktischen Rechtsleben geformte Rahmen für eine, ihrerseits freilich durch die religiöse und sittliche Tradition bestimmte, rein tatsächliche Gestaltung des ehelichen Gemeinschaftslebens. Darum vermögen die eherechtlichen Normen des römischen Rechts noch weniger als die anderer Rechtsordnungen ein vollständiges Bild der wirklichen Lebensverhältnisse zu geben. Insbesondere wäre es verfehlt, aus der lockeren Bindung des klassischen Eherechts ohne weiteres auf das Fehle eines ehelichen Gemeinschaftsgeistes zu schließen. Selbst in einer Zeit, aus der wir massenhafte Zeugnisse für den Zerfall der ehelichen Moral besitzen, hat die Strenge altrömischer Zucht in weiten Kreisen offenbar noch fortgewirkt. Es ist auch bezeichnend, daß das Eindringen christlicher Vorstellungen das römische Eherecht zwar in zahlreichen Einzelheiten beeinflußt hat, seine eigenartigen Grundlagen aber in der Hauptsache noch unberührt ließ. Die Neugestaltung des Eherechts aus den Prinzipien christlicher Moral blieb vielmehr im wesentlichen dem kirchlichen Recht des Mittelalters vorbehalten.

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Copyright information

© Springer-Verlag / Berlin · Göttingen · Heidelberg 1949

Authors and Affiliations

  • Leopold Wenger
  • Wolfgang Kunkel
    • 1
  1. 1.UniversitätHeidelbergDeutschland

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