Der Begriff der Philosophie

  • Georg Mehlis

Zusammenfassung

Ein Lehrbuch der Geschichtsphilosophie wird sich mit dem Begriffe der Philosophie ebenso notwendig auseinanderzusetzen haben wie mit dem Begriff der Geschichte1). Denn Geschichtsphilosophie ist ein philosophisches Deuten der Geschichte. Was nun aber Philosophie sei, darüber gehen die Meinungen und Auffassungen weit auseinander. Was ist nicht alles unter Philosophie verstanden worden. War nicht ursprünglich jede Form der Erkenntnis Philosophie? Ist nicht die Physik im Sinne des Aristoteles genau so gut ein Teil der Philosophie wie etwa für den modernen Philosophen die Logik oder die Ästhetik? Aber sogleich ergibt sich doch ein Unterschied, sofern eine Erkenntnis, die nur auf das Verstehen des Einzelnen gerichtet ist, den Namen der Philosophie nicht zu verdienen scheint. Es liegt im Wesen der Philosophie, sich nicht mit der Erkenntnis des Einzelnen zu begnügen,sondern alles Einzelne aus einem allgemeinen Prinzip verstehen zu wollen. Die Erkenntnis des Ganzen der Wirklichkeit ist die Aufgabe der Philosophie, die Erkenntnis des Einzelnen bedeutet im Sinne der Philosophie ein Unvollendetes. Dagegen können wir uns eine Form der Erkenntnis denken, welche die bewußte Selbstbeschränkung sich auferlegt, daß sie es nur mit einem Teile des Wirklichen zu tun haben will. Eine solche Selbstbeschränkung, eine Festlegung der Erkenntnis auf ein bestimmtes Gebiet würde dann etwa der Natur des spezifisch wissenschaftlichen Denkens entsprechen. Die Philosophie wäre somit nach unserer ersten Bestimmung die Wissenschaft vom Ganzen der Wirklichkeit.

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© Julius Springer in Berlin 1915

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  • Georg Mehlis

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