Zusammenfassung

Wie ein liebliches, mit dem Ölzweig winkendes Engelchen schwebt die Überschrift „Frieden, Frieden“ über Ihrem gestrigen Briefchen. Friede! Aber waren wir denn wirklich miteinander im Krieg? Ich mit Ihnen im Krieg? Y pensez-vous? Warum schwebt also das Engelchen erschrocken und „blaß und zitternd“ hin und her, statt heiter lächernd, ruhig und sicher, seiner milden Gewalt gewiß, wie sonst? Sie sind so „lebendiges“ nicht gewohnt, sagen Sie. Ach, ich glaube es —, und herzinnig bitte ich um Verzeihung, selbst wenn ich nicht gefehlt. Oder vielmehr, ich fehlte sicherlich, auch wenn ich nicht gefehlt! Ich bin des Sturmes so gewohnt, daß es mir noch wie eine leise, plätschernde See vorkommt, wo andern bereits die Wogen ängstlich hochzugehen scheinen. Verzeihung also, wenn im Übermaße eigenen Lebens ich nicht immer genau zu berechnen weiß, wieviel ich davon vor Ihnen entfalten darf, ohne Ihre Ruhe in Aufregung zu verwandeln. Eben nur bei Ihnen weiß ich dies nicht ganz genau, weil Sie selbst ein so bedeutendes Lebensprinzip in sich tragen! Leicht ist die Grenze bei solchen zu finden, die man mit dem Maßstab des Todes mißt. Aber wenn ich selbst zu viel Leben entfaltet habe und dadurch Aufregung hervorrief—ist Aufregung vielleicht ?—Doch nein, ich will mich nicht verteidigen, nicht verteidigen durch Entwicklung meiner Theorie, die vielleicht fast noch aufregender ist als ihre Praxis! In einem Punkte bin ich auch in der Tat ohne Verteidigung. Sie schreiben von dem „bittern und sarkastischen Ton“ meines Briefes.

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References

  1. 2).
    Siehe Nr. 70 Anmerkung.Google Scholar
  2. 1).
    Hier wurde ein Satz mit Tinte unleserlich gemacht.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1923

Authors and Affiliations

  • Gustav Mayer

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