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Zusammenfassung

Wie Waldesduft, wie ein frischer, übermütiger Quell haben mich die beiden Briefchen erquickt, die ich von Ihnen erhalten habe! Und ich hatte und habe grade jetzt Erquickung recht nötig. Ich bin in der verdrüßlichsten Laune, in der ich seit lange gewesen. Die Anwesenheit der guten Gräfin ist, statt mir herzliche Beruhigung zu gewähren, wie Sie ermuten, grade eigentlich Hauptschuld an dieser unerquicklichen Stimmung. Das wird Sie wundern, aber die Ursache ist sehr einfach. Die Gräfin hat grade für ihren Sohn hier gewisse Zwecke zu erlangen (er soll Attaché werden), hierzu hat sie die ganze Familie aufgeboten und in einem fort mit dieser zu tun. So hat sie blutwenig Zeit für mich, und, was das schlimmste ist, diese Zeit ist eine ganz unbestimmte; sie weiß es nie vorher. So bin ich beständig auf dem Qui vive und kann, zumal grade meine Vormittagsstunden hauptsächlich von ihr in Anspruch genommen werden, nicht zusammenhängend arbeiten. So kommt es, daß ihre Anwesenheit, die, wie Sie mit solchem Recht voraussetzen, mir sonst herzliche Stärkung bereiten würde, mich vorläufig in eine ungeduldige und unruhige Stimmung versetzt hat. Doch wird dies aufhören und in sein Gegenteil umschlagen, wenn ihre Geschäfte fortfallen. Diese unbehagliche Stimmung wird noch genährt durch das Herannahen des Umziehtermins.1) Die große, unfruchtbare Arbeit des Ziehens, Einrichtens usw. erdrückt mich schon im voraus, wenn ich daran denke. Je näher sie rückt, desto mehr fürchte ich mich gradezu. Wie werde——

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References

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1923

Authors and Affiliations

  • Gustav Mayer

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