Chemische Papyri des 3. Jahrhundertes

Der neue Stockholmer und der Leidener Papyrus
  • Edmund O. von Lippmann

Zusammenfassung

Beim Absuchen eines nächst Theben in Ägypten aufgedeckten Gräberfeldes wurden um 1828 eine größere Anzahl griechischer Papyrus-Urkunden gefunden, deren ganz ausgezeichnete Erhaltung vermutlich ihrer Aufbewahrung in dicht verschlossenen Mumiensärgen, vielleicht aber auch in Steingefäßen oder Töpfen, zu danken war. Sie gelangten in Besitz des damaligen schwedisch-norwegischen Vizekonsuls in Ale-xandrien, Johann D’anastasy, der die Mehrzahl der Papyri an die holländische Regierung verkaufte und sie in deren Auftrag 1829 der Bibliothek zu Leiden übersandte, einige Stücke aber der „Kgl. Schwedischen Akademie der Altertümer“ in Stockholm zum Geschenk machte, bei der sie im Jahre 1832 eintrafen.

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Literatur

  1. 2).
    Beiträge zur Geschichte der Chemie. Bd. 1, S. 97 ff. Braunschweig 1869.Google Scholar
  2. 3).
    Collection des anciens alchimistes grecs. Tome 1, p. 28 ff. Paris 1888; Archéologie et histoire des sciences, p. 266. Paris 1906.Google Scholar
  3. 1).
    Papyrus Graecus Holmiensis, ed. Lagercrantz. Upsala 1913; auf diese isgabe beziehen sich im folgenden die Seitenzahlen ohne besondere Bezeichnung.Google Scholar
  4. 2).
    Deutsche Literatur-Ztg. Jg. 34, Nr. 15 vom 12. April 1913.Google Scholar
  5. 3).
    54 ff., 89; vgl. 45 ff.Google Scholar
  6. 1).
    130 ff., 136, 141.Google Scholar
  7. 2).
    Die Perlenrezepte erinnern in vielen Einzelnheiten an die, aus viel späterer ,eit unter dem Namen des sog. Arabers Salmanas überlieferten (99).Google Scholar
  8. 3).
    90 ff.; von den Purpurrezepten haben die beiden Papyri nur drei gemeinam (103).Google Scholar
  9. 4).
    Zeitschr. angew. Chem. 1912, S. 1680.Google Scholar
  10. 1).
    Diese Analogie, deren Vorhandensein Lagercrantz nicht einsehen zu können angibt (S. 155), geht auf eine schon bei Aristoteles zu findende Andeutung zurück (s. meine Abhandlungen und Vorträge. Bd. 2, S. 117, 135, 146. Leipzig 1913).Google Scholar
  11. 1).
    Die echte orientalische Alkanna (Henna) stammt aus Blättern und Wurzeln der Lawsonia inermis.Google Scholar
  12. 2).
    Diese sind desto entschuldbarer, als der Verfasser nicht in seiner Muttersprache schreibt, wodurch in einem Falle wie dem vorliegenden die Schwierigkeit ganz außerordentlich erhöht wird!Google Scholar
  13. 1).
    Vielleicht ist auch zu lesen: Essig und Alaun der Färber; 148.Google Scholar
  14. 3).
    Die ganz mißverständliche Übersetzung dieser Stelle auf S. 156 hat betreff der Amaurosis bereits Diels berichtigt (a. a. O., 905). Es kann aber auch Anthrax nicht „Kohle der Kupferschmiede“ sein, die man in Essig „einweichen“ soll, und von der weiterhin nicht mehr die Rede wäre; vielmehr bedeutet Anthrax hier Glanzkupfer (ein gutes, reines, glänzendes Kupfer), so wie das Wort an anderer Stelle (29) den metallisch glänzenden Indigo bezeichnet, und so wie man die reine glänzende Steinkohle Anthracit benennt. Die Anweisung, das Quecksilber in xέvωµα µήxωvoς einzugießen („Ausleerung von Mohnsaft“ sagt Lagercrantz) geht wohl auf eine Vorreinigung hinaus; ob hierbei der oft erheblich gerbsäure-haltige Saft der Mohnblätter, Mohnöl, oder ein anderes, durch Decknamen verstecktes Präparat in Frage kommt, bleibe dahingestellt. — Die Anwendung des Harnes von Säuglingen, kleinen Kindern und Schwangeren, der Milch von Wöchnerinnen, namentlich „der Frau, die einen Knaben geboren hat“ u. dgl., schreiben schon altägyptische medizinische Papyri nicht selten vor, z. B. der „Papyrus Ebers“, der um 1500 v. Chr. abgefaßt ist.Google Scholar
  15. 1).
    Die Übersetzung „Korkkoralle“ (151) ist mir nicht verständlich; Dioskurides spricht in der angezogenen Stelle (lib. V, cap. 126) vom Salzschaume, den das Meer an Felsen absetzt, und der die Natur und Kraft des Salzes hat.Google Scholar
  16. 2).
    Nicht mit „Alaun und Glanzerde“ (152); eine Erde wäre auch in Wasser nicht löslich.Google Scholar
  17. 3).
    Anscheinend nicht sowohl „unverdorbenen“ (162), als „unmündigen“; doch können vielleicht auch abergläubische Vorstellungen mit im Spiele sein, die wirklich die Unverdorbenheit betreffen (ähnlich wie in analogen Fällen die Jungfräulichkeit).Google Scholar
  18. 6).
    9; der Saft der Wolfsmilch heißt bei Theophrast („Histor. plant.“ IX, 8, 2) auch „Mekonion“.Google Scholar
  19. 7).
    19; die nicht recht klare Übersetzung (193) läßt hier mit Unrecht an einen Aberglauben denken.Google Scholar
  20. 2).
    Plinius (lib. 36, cap. 30) führt das allmähliche Rotwerden als eine Eigenschaft des von ihm Pyrit genannten, zum Mahlen von Korn dienenden „Mühlsteines“ an, vermutlich eines scharf körnigen, lockeren und porösen, etwas eisenhaltigen Minerales. Vielleicht ist der hier gemeinte „Pyrit“ die achatähnliche gebänderte, zuweilen knochenartig poröse Varietät des Feuersteins.Google Scholar
  21. 7).
    Ferner (irrtümlicherweise) auch Alabastron in Oberägypten, den Fundort des „Alabasters“ und des Marienglases, die beide nichts weiter als besondere Modifikationen des Gipses sind.Google Scholar
  22. 8).
    Siehe Ausführliches über Wesen und Geschichte des Tabaschirs (indisch und persisch twâk-schîrâ = Rindenmilch) und über seine Beziehungen zum Rohrzucker in meiner „Geschichte des Zuckers“. S. 76 ff. Leipzig 1890.Google Scholar
  23. 9).
    12; nicht den „regenbogenfarbigen“ (177).Google Scholar
  24. 11).
    Nicht „warmem Kalk“ (164).Google Scholar
  25. 2).
    13; man erinnere sich hierbei der Rolle des Kuhkotes, Hundekotes usf. in der Färberei und Gerberei.Google Scholar
  26. 7).
    Nicht „Wickel“ (179).Google Scholar
  27. 9).
    10; über diesen kôxxoς s. Droskurides (lib. 5, cap. 170); er ist nicht identisch mit Kermes (ebenda, cap. 48).Google Scholar
  28. 12).
    16; nicht „bläulich“ (186).Google Scholar
  29. 5).
    9; „rauchähnlich“ = unklar, trüb, also minderwertig, so wie wir von „Rauchquarz“, „Rauchtopas“ u. dgl. sprechen.Google Scholar
  30. 15).
    nicht „Erweichen“ (177).Google Scholar
  31. 4).
    11, 12, 22; „Lehm“ kann nicht wohl gemeint sein. 9) Daß man „den Topf mit Talg überziehen soll“ (177), ist sichtlich eine irrtümliche Auffassung.Google Scholar
  32. 2).
    Nicht „Terpentinbalsam“ (175).Google Scholar
  33. 3).
    Nicht „als Dampf“ (176). 6) Nicht „Carneols“ (163).Google Scholar
  34. 7).
    Nicht „damit das Blut nicht gerinnt“ (163); Essig zu „Blut“ gefügt, würde es ja gerade gerinnen machen.Google Scholar
  35. 8).
    Also druckfest gedichtet, nicht nur „verschlossen“ (163).Google Scholar
  36. 4).
    Nicht „einer Trächtigen“ (184), die ja keine Milch hat.Google Scholar
  37. 7).
    18; nicht „so entsteht gefärbter Hyacinth“ (191).Google Scholar
  38. 9).
    Nach mir vor Jahren erteilter Auskunft von Geh.-R. Prof. Dr. R. Pischel.Google Scholar
  39. 10).
    15, 18; nach Plinitts (lib. 10, cap. 11) wird auch der scharfe Holzessig „Kedrion“ benannt.Google Scholar
  40. 7).
    22; die Übersetzung (197) ist unklar.Google Scholar
  41. 8).
    Vielleicht aus dem nach Plinius (lib. 13, cap. 21) sehr berühmten Papyrus des Sebennytischen Gaues.Google Scholar
  42. 11).
    26, 27, 36, 40; „phrygischer Stein“ s. Dioskurides, lib. 5, cap. 140; Plinius, lib. 36, cap. 36.Google Scholar
  43. 12).
    28, 37, 38; nicht „rauhem“ Misy (226).Google Scholar
  44. 20).
    Die Übersetzung (227) ist nicht verständlich.Google Scholar
  45. 22).
    Nicht „Verschießen“ (231).Google Scholar
  46. 23).
    26; nicht „Eisenschlacke“.Google Scholar
  47. 6).
    Nicht „zerkauen“ (220). 8) Nicht „zerkauen“ (220).Google Scholar
  48. 9).
    Der Zusatz „in der Hand“ (220) ist nicht wörtlich zu nehmen.Google Scholar
  49. 14).
    Nicht „Salzigkeit“ (220).Google Scholar
  50. 15).
    34; s. oben.Google Scholar
  51. 5).
    224; auch nach Theophrast sind „königliche Nüsse“ = Walnüsse („Natur der Gewächse“, ed. Sprengel; Altona 1822, II, 83, 124).Google Scholar
  52. 7).
    198; Berthelot war die von Lagercrantz ermittelte Natur des Komari nicht bekannt.Google Scholar
  53. 9).
    23; als Kapnos bezeichnen Plinius (lib. 25, cap. 96) und Dioskttrtdes (lib. 4, cap. 108) verschiedene Arten Fumaria.Google Scholar
  54. 11).
    38; nicht „Lösen in Wasser“, und nicht „mit Milch“ (228).Google Scholar
  55. 3).
    Nicht „Schlacke“ (207).Google Scholar
  56. 4).
    Wohl kaum Kornkäfer (207)?; vielleicht ein Deckname.Google Scholar
  57. 5).
    Blut- oder Rot-Eisenstein, vielleicht Zinnober (208).Google Scholar
  58. 13).
    Nicht „in Wasser eines Schmiedes“ (217).Google Scholar
  59. 4).
    Battistleinen (202)?Google Scholar
  60. 7).
    Nicht „Rötel“ (223), der auch in Essig unlöslich ist.Google Scholar
  61. 5).
    35; nicht „mit gesäuerter Seife“ (218).Google Scholar
  62. 7).
    a. a. O., 906.Google Scholar
  63. 1).
    Der Schauplatz ist nicht Persien oder Babylonien (112), sondern der Verfasser „tut nur so“.Google Scholar
  64. 6).
    Siehe meine „Abhandlungen und Vorträge“. II, S. 23 ff. Leipzig 1913.Google Scholar
  65. 3).
    Vgl. die Abbildung bei Boll „Sphaera“ (Leipzig 1903, 8. 308).Google Scholar
  66. 4).
    Schon wiederholt mußte ich darauf aufmerksam machen, daß Berthelot als Historiker das unbedingte Zutrauen, dessen er sich allgemein erfreut, keineswegs verdient, da die Art seiner Darstellung und Quellenbenützung nicht selten die objektive Gerechtigkeit gegenüber den Leistungen seiner Vorgänger und den Verdiensten anderer Forscher völlig vermissen läßt, während sich die unter seiner Leitung veranstalteten Ausgaben z. T. als ungenügend, z. T. sogar als willkürlich erweisen. Da diese Behauptungen Verwunderung und Zweifel erregten, ist es für mich von hohem Werte, daß jetzt sowohl Lagercrantz als auch Diels ihnen zustimmen. Ersterer hebt an vielen Stellen hervor, wie willkürlich und gewaltsam Berthelot oft verfuhr (141, 160), wie unrichtig und ungenügend begründet seine Übersetzungen zuweilen sind (105, 165, 178; 164), wie er manches als anscheinend unwichtig weg-läßt, manches als anscheinend wichtig zusammenfügt (119; 109), die überlieferte Anordnung durch Umstellungen zerstört (99), voreilige Annahmen und Folgerungen ausspricht (105, 110, 116, 117, 140), usf. Nach Diels (a. a. O.) ist sogar das Corpus der griechischen Chemiker „als nicht zustande gebracht“ anzusehen, und bedarf völliger Neubearbeitung durch einen tüchtigen Philologen, — jedoch, wie man als dringenden Wunsch wohl hinzufügen darf, nicht ohne Mitwirkung eines Chemikers !Google Scholar

Copyright information

© Berlin · Verlag von Julius Springer 1923

Authors and Affiliations

  • Edmund O. von Lippmann
    • 1
    • 2
  1. 1.Technischen HochschuleDresdenDeutschland
  2. 2.Zuckerraffinerie HalleHalle A. S.Deutschland

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