Zur Bedeutung der psychoanalytischen Psychosomatik für die gynäkologische Praxis

  • P. Diederichs
Conference paper

Zusammenfassung

Lassen Sie mich mit einer kurzen Vorbemerkung beginnen: Ich habe sehr mit mir gerungen, diesen Vortrag praxisnah zu gestalten. Er ist nun doch ein eher theoretischer Vortrag über die wissenschaftlichen Grundlagen der gynäkologischen Psychosomatik geworden. Ich muß also diejenigen enttäuschen, die klare Konzepte und eindeutige psychosomatisch orientierte Handlungsstrategien für ihre gynäkologische oder geburtshilfliche Praxis erwarten. Dieser „vorprogrammierte Enttäuschungskonflikt“muß also in Kauf genommen werden. Ich habe mich zum einen mit der Annahme entlastet, daß die Qualität der Praxis letztlich von der Validität und Transparenz der Theorie lebt und zum anderen mit der Tatsache, daß ich mich mit meinem Thema unmittelbar in das für die psychoanalytische Psychosomatik typische Spannungsfeld begeben habe: Psychosomatische Symptome oder Erkrankungen sind als körperliche Phänomene zunächst Gegenstand der naturwissenschaftlich orientierten Organmedizin. Diese will die Ursachen dieser Symptome und Erkrankungen schnell erkennen (diagnostizieren) und beseitigen (therapieren). Ihrem Wesen nach sind die psychosomatischen Symptome aber Ausdruck zwischenmenschlicher Beziehungsstörungen, die vor dem Hintergrund der individuellen Lebensgeschichte verstanden werden können (v. Rad u. Zepf 1990). Ihren Sinnzusammenhang mit der persönlichen Entwicklung zu begreifen und bewußt zu machen, braucht Zeit. Psychotherapie dauert daher u. U. Jahre.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1992

Authors and Affiliations

  • P. Diederichs

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