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Mißbildungen (Teratologie, Dysontogenie)

  • N. Ph. Tendeloo

Zusammenfassung

Wir verstehen unter Mißbildungen vor der Geburt entstandene, also angeborene Abnormitäten der Form, infolge von Störung der Entwickelung, gleichgültig welchen Ursprunges diese Störung sei. Ist die Mißbildung so ausgedehnt, daß das ganze Individuum dadurch verunstaltet ist, so nennt man dasselbe ein Monstrum. So ist z. B. ein Acardius ein Monstrum. Abnormitäten kleinerer Dimensionen, wie z. B. das Muttermal, pflegt man nicht als Mißbildung zu bezeichnen. Wir müssen aber diese Ausnahme nicht machen. Die Grenze zwischen physiologischer Variabilität und Mißbildung ist allerdings ebensowenig wie die zwischen Norm und Abnormität überhaupt anzugeben. Wir können jede Abnormität der Form bzw. der Verfassung des Organismus, eines Organs oder Gewebes oder gar einer Zelle als eine Mißbildung betrachten. Tun wir das, so müssen wir überhaupt, wenn wir eine angeborene Abnormität der Funktion oder Funktionstüchtigkeit, der Elastizität und dergl. biophysischen und biochemischen Eigenschaften feststellen oder annehmen, zugleich eine angeborene Abnormität der Form oder der Verfassung, das heißt eine Mißbildung voraussetzen, auch dann, wenn es seelische Eigenschaften betrifft. Denn jede Eigenschaft, die wir am lebenden Organismus beobachten, hat eine stoffliche Grundlage, von der sie abhängig ist. Auch die seelischen Vorgänge hängen unverbrüchlich mit stoffliehen Vorgängen nämlich des Gehirns zusammen. So betrachten wir angeborene abnorme Charaktere auch als Äußerungen von Mißbildungen des Gehirns, ebensogut wie die angeborenen körperlichen Mißbildungen, die wir im vorigen Kapitel als Degenerationszeichen haben kennen gelernt, und ebensogut wie Idiotie auf einer Mißbildung des Gehirns, wie z. B. Mikrozephalie, beruht, während man besonders gute Intelligenz neben mäßigem Hydrozephalus festgestellt hat. Auch die verschiedenen angeborenen abnormen Dispositionen und Krankheitsanlagen gehören zu den Mißbildungen.

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Literatur

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Copyright information

© The Author, Leiden-Oegstgeest 1925

Authors and Affiliations

  • N. Ph. Tendeloo
    • 1
  1. 1.Pathologischen InstitutsReichs Universität LeidenNiederlande

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